Frieden und Menschenrechte neu erkämpfen

Diakon Heinrich Uthoff stellte die Frage: „Haben wir aus dem Grauen der beiden Weltkriege tatsächlich gelernt?“

Nachdenkliche Worte auch bei der Feier zum Volkstrauertag in Bockenem

Auch das Gedenken zum Volkstrauertag in Bockenem stand am vergangenen Sonntag im Zeichen der Terroranschläge in Paris zwei Tage zuvor. „Spätestens seit Freitagabend ist der Krieg auch bei uns angekommen“, sagte Ortsbürgermeister Siegfried Berner. Man hätte gedacht, dass es 70 Jahre nach dem Kriegsende in Europa keinen Krieg mehr geben werde. Doch sowohl Paris als auch die Ukraine seien Gegenbeispiele dafür.

Er schlug den Bogen auch zu den vielen vor Krieg und Unterdrückung unter anderem auch in den Ambergau geflüchteten Menschen. „Wir hier in Bockenem können die Probleme nicht lösen. Aber wir können den Kriegsflüchtlingen die Menschlichkeit und Herzlichkeit zeigen, die sich die Kriegsopfer gewünscht hätten, denen wir heute gedenken“, so Berner weiter. Globalisation habe nicht immer nur die gute, wirtschaftliche Seite. „Frieden und Menschenrechte müssen immer wieder neu erkämpft werden“, sagte der Ortsbürgermeister.
Diakon Heinrich Uthoff, der immer abwechselnd mit dem evangelischen Pfarrer Ralph-Thomas Strack spricht, berichtete von einem kürzlich gesehenen Fernsehbericht, bei dem es um Ausgrabungen aus dem Ersten Weltkrieg gegangen sei. Dort seien persönliche Gegenstände, unter anderem einzelne, krankhaft veränderte Zähne, gefunden worden. Zahnärzte, so Uthoff weiter, hätte es zwar gegeben. Allerdings nicht, um die Schmerzen zu lindern, sondern nur, um die Einsatzfähigkeit sicherzustellen. „Das zeigt wieder die Brutalität des Krieges“, erklärt Uthoff.
Es habe inzwischen einen positiven gesellschaftlichen Wertewandel gegeben. Es werde beispielsweise nicht mehr vom „Feld der Ehre“ sondern vom „Schlachtfeld“ gesprochen. Auch heiße es nicht mehr „Heldengedenktag“, sondern „Volkstrauertag“. Doch er stellte auch die Frage in den Raum, ob man tatsächlich aus den Grauen des Krieges gelernt habe. Immerhin gäbe es auch heutzutage noch Menschen, die Feindbilder aufbauen und Hass schüren.
Nach den beiden Ansprachen in der St. Pankratiuskirche ging es vor das Gotteshaus zur Kranzniederlegung. Deutsches Rotes Kreuz, Feuerwehr, Ortsrat und Reservisten legten ihre Kränze auf die bereitgestellten Ständer. Anschließend wurde zum Abschluss gemeinsam die Nationalhymne gesungen. Siegfried Berner dankte dem Musikzug der Bockenemer Feuerwehr, der für die musikalische Begleitung gesorgt hatte.