Gasaustritt löst Großeinsatz aus

Kollegen reinigen die kontaminierte Schutzkleidung der Feuerwehrleute aus Bockenem und Bornum.
 
Die evakuierten Mitarbeiter aus der Halle 51 warten auf dem Betriebsgelände. (Foto: Vollmer)

Fluor-Stickstoff-Gemisch verletzt bei den Meteor Gummiwerken 14 Personen

Schreck am Freitagnachmittag: 14 Menschen sind kurz vor dem Wochenende durch ein austretendes Fluor-Stickstoff-Gemisch bei den Meteor-Gummiwerken in Bockenem verletzt worden. Alle Mitarbeiter, die über Atemwegsreizungen oder ein Schwindelgefühl klagten, wurden zur Beobachtung in die Kliniken in Seesen, Hildesheim, Diekholzen, und Salzgitter gebracht. Die Leitstelle löste Großalarm der Stufe I bei einem Massenanfall von Verletzten (ManV) aus. Eigentlich wäre ab zehn Verletzten bereits Stufe 2 ausgerufen worden. „Zunächst war jedoch von weniger Verletzten die Rede. Da wir mit der Anzahl der retter gut auskamen, haben wir es dabei belassen“, erklärte der leitende Notarzt Peter Schmidt. Am Ende waren neun Rettungswagen vor Ort, um die Mitarbeiter in die Kliniken zu bringen. Außerdem wurde vorsorglich Rettungshubschrauber „Christoph 30“ alarmiert, der aber ohne Patienten an Bord wieder den Rückflug nach Wolfenbüttel antreten konnte.
In der Halle 51 war es durch einen Defekt am Dichtring einer Gasflasche, in der sich das Fluor-Stickstoff-Gemisch befand, zu der gefährlichen Situation gekommen. Die Polizei schildert den Hergang wie folgt: Ein geschulter Mitarbeiter der Gummiwerke hatte eine neue Gasflasche mit Fluorgas angeschlossen. Etwa drei Minuten später, nachdem die Produktion bereits hochgefahren war, wurde im geschlossenen Gasflaschenschrank im Außenbereich der Produktionshalle Gasalarm ausgelöst. Es gelang aber nicht, den Verschluss der Gasflasche sofort zu schließen. Deshalb erfolgte eine vorsorgliche Evakuierung der Halle. Ein Retter erzählte, dass einige der Beschäftigten wohl erst auf dem Sammelplatz vor der Halle in Kontakt mit dem Stoff gekommen sind, mit dem das Gummi angeraut wird. Wind habe es aus dem Raum ins Freie getragen.
Elf Männer und Frauen erhielten den Status als Leichtverletzte. Zwei bekamen eine gelbe Markierung für mittlere Verletzungen, einer kam ohne vorherige Untersuchung ins Krankenhaus. „Der Unfall war lokal sehr begrenzt“, erklärte Bockenems Stadtbrandmeister Alfred Schneider. Für die Bevölkerung bestand auch nach Mitteilung der Polizei zu keiner Zeit Gefahr. Gegen 17.30 Uhr legte sich die Aufregung am Einsatzort. Die 45 Retter aus Bockenem und Bornum unter der Einsatzleitung des stellvertretenden Ortsbrandmeisters Dirk Tegtmeyer kehrten zu ihren Stützpunkten zurück. Doch bevor sie nach Hause können, mussten alle Gerätschaften noch gründlich von den Rückständen des Gases gereinigt werden.
„Dieser Unfall hätte noch schlimmer ausgehen können. Das wäre zum Beispiel dann der Fall gewesen, wenn jemand hätte beatmet werden müsste“, meinte Peter Schmidt. Bockenems Ortsbrandmeister Ulf Liewald ergänzte, dass Fluor vor allem auch in Verbindung mit Wasser extrem gefährlich werden kann. Insgesamt sei alles zum Glück noch sehr glimpflich verlaufen. Bereits am Sonnabend konnte ein großer Teil der Verletzten wieder nach Hause zurückkehren. Der Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Opitz hofft, dass kein Kollege aus der betroffenen Halle bleibende Schäden zurückbehält.

Schleusensystem
verhindert Schlimmeres


In der Halle 51 sind in einer Schicht bis zu 100 Mitarbeiter beschäftigt. Die Produktion in dem betroffenen Bereich wurde am heutigen Montagmorgen wieder aufgenommen. Trotz einer Erlaubnis für einen vorherigen Arbeitsbeginn sollten die Mitarbeiter zunächst einmal zur Ruhe kommen. Das Unternehmen zeigte sich froh darüber, dass die Sicherheitssysteme zuverlässig gearbeitet haben. Erst vo wenigen Jahren war ein Schleusensystem eingebaut worden, sodass das Gas nicht in den Arbeitsbereich gelangen kann. Die Rettungsaktion sei zudem vorbildlich abgelaufen.