Geruchsbelästigung dürfte keine Rolle spielen

 

Bockenemer Sozialdemokraten ließen sich vor Ort von Betreibern der Biogasanlage bei Mechtshausen informieren

Der Bau einer Biogasanlage in unmittelbarer Nähe eines Ortes will gut bedacht sein. Im Raum Bockenem sollen zukünftig zwei derartige Anlagen entstehen. Grund genug für die Bockenemer Sozialdemokraten, sich vor Ort zu informieren.
Im Rahmen einer Informationsveranstaltung im Bockenemer Rathaus (Bericht des Seesener „Beobachter“ vom 9. Juni) konnten schon etliche Fragen beantwortet werden. Um auch die offen gebliebenen Punkte zu klären und die Problematik einer befürchteten Geruchsbelästigung besser einschätzen zu können, organisierte SPD-Ratsherr Bernd Winter kurzfristig einen Ortstermin in der Biogasanlage in Mechtshausen.
Während des informativen Rundganges über das Gelände erläuterten die Betreiber Henning Rollwage und Henning Weiberg die Funktionsweise einer solchen Anlage ausführlich. Von der Anlieferung der Biomasse über die Einspeisung in die Anlage, den Ablauf des Gärprozesses unter ständiger Laborkontrolle und die Lagerung im Gärproduktlager bis zur Abfuhr des Düngers erhielten die Sozialdemokraten einen guten Überblick. Auch die bisher aufgetretenen Probleme wurden offen angesprochen. Inzwischen habe man allerdings ausreichend Erfahrung und könne durch Veränderungen bei der Zuführung der Biomasse Störungen vermeiden und gleichzeitig die Anlage bestmöglich ausnutzen, versicherten Weiberg und Rollwage.
Im Verlauf der vergangenen Jahre seien wegen gesetzlicher Auflagen mehrere Anpassungen der bestehenden Anlage notwendig geworden. Diese Auflagen habe man ausnahmslos, natürlich mit zusätzlichem finanziellem Aufwand, seitens der beteiligten Landwirte erfüllt.
„Man kann in diesem neuen Geschäftszweig nur erfolgreich bleiben, wenn man sich immer wieder neu den Marktanforderungen stellt“, so Henning Rollwage. Als Beispiel nannte er den Bau einer 1,6 Kilometer langen Gasleitung zur Schule in Rhüden. Diese, von den Anlagenbetreibern mit etwa 300.000 Euro finanzierte Investition erlaube eine wesentlich effektivere Nutzung der Anlage. Man werde damit zukünftig in einer zweiten Blockheizanlage neben dem erzeugten Strom die Wärme sehr effektiv, sprich: ohne Transportverluste nutzen können. Ein Modell, das eventuell auch für Bockenem im Zusammenhang mit der Beheizung des Schwimmbades interessant sein könnte.
Die Geruchsbelästigung im Anlagenbereich wurde von den Besuchern als gering eingestuft. Lediglich im Nahbereich des nach oben offenen Gärproduktlagers war ein typischer Geruch wahrzunehmen. Da für Bockenem ein geschlossener Tank geplant ist und die Einleitung in die Tanks beziehungsweise das Abpumpen der Gärendprodukte über geschlossene Rohrleitungssysteme erfolgen, dürfte eine Belästigung dieser Art eigentlich keine Rolle mehr spielen.
Nachfragen des Fraktionsvorsitzenden Siegfried Berner bei den Ortsbürgermeistern von Mechtshausen und Hahausen, deren Orte im Bereich von Biogasanlagen liegen, hätten ebenfalls ergeben, dass dort Geruchsbelästigungen kein Thema seien.
Zum Schluss zeigten sich die Besucher einig, dass eine eingehende Bürgerinformation und zusätzliche, eigene Aktivitäten wichtig seien, um zu einer qualifizierten Entscheidung zu kommen zu können.