Gewalt gegen Frauen längst nicht überwunden

Mit der Fahne „frei leben – ohne gewalt“ zum Aktionstag am 25. November: Die Gleichstellungsbeauftragen aus Stadt und Landkreis Hildesheim trafen sich jetzt auf Einladung von Annegret Schnieder-Böttinger (vorn links) in Bockenem. (Foto: Knoblich)

Gleichstellungsbeauftragte aus Stadt und Landkreis Hildesheim tagen in Bockenem / Aktionstag vorbereitet

Von Karsten Knoblich,
Bockenem

Auf Einladung von Annegret Schnieder-Böttinger, ihres Zeichens Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bockenem, tagten jetzt die Gleichstellungsbeauftragten aus der Stadt und aus dem Landkreis Hildesheim in Bockenem.
Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Martin Bartölke im Rathaus der Stadt standen neben aktuellen Informationen zu Gleichstellungsthemen, besonders zum Gleichstellungsplan, die Vorbereitungen für den nächsten Internationalen Frauentag Anfang März kommenden Jahres auf der Tagesordnung.
Außerdem wurden Einzelheiten zum anstehenden Aktionstag „Nein zu Gewalt an Frauen!“ am 25. November (siehe Info unten) geplant und festgelegt. In fast allen Orten wird an diesem Tag die Fahne „frei leben – ohne gewalt“ der Frauenrechtsorganisation „Terre des Femmes“ vor und in den Rathäusern gehisst – natürlich auch in Bockenem. Das Schwerpunktthema ist in diesem Jahr der Mythos Jungfräulichkeit, eng verknüpft mit den sogenannten Ehrenmorden.
Auf dem Internationalen Kongress von „Terre des Femmes“ zum 30-jährigen Jubiläum Ende Oktober hat Bundespräsident Christian Wulff zum Kampf gegen die Diskriminierung von Frauen aufgerufen. Neben allen Fortschritten und Neuerungen bei der Emanzipation müsse man feststellen, dass Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen „noch längst nicht überwunden“ seien. „Wir diskutieren über die Quotenregelung für Führungspositionen und zugleich werden Frauen – mitten in unserem Land – Opfer von häuslicher Gewalt, von Zwangsheirat oder von Racheakten im Namen der Ehre“, betonte das Staatsoberhaupt. Für solche Taten dürfe es gerade in einer offenen und toleranten Gesellschaft keine Toleranz geben.
Aus der Region Hildesheim hatten die Leiterin der Gleichstellungsstelle beim Landkreis Hildesheim, Christa Schick, und die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Hildesheim, Karin Jahns, an dem Kongress teilgenommen.
Eine besondere Note erhielt die Zusammenkunft in Bockenem durch eine „abgespeckte“ Stadtführung. Wie gewohnt zu solcherlei Anlässen, war der Leiter des Bockenemer Turmuhren- und Heimatmuseums, Jörg-Dieter Besch, in sein Herold-Kostüm geschlüpft und nahm die Gruppe in Empfang. Gemeinsam steuerte man unter anderem das Tillyhaus, den Gründungspunkt sowie den alten Marktplatz an.

Aktionstag: "Nein zu Gewalt an Frauen"

Die Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt hat in diesem Jahr bisher knapp 600 Mitteilungen der Polizei über Einsätze wegen häuslicher Gewalt im Landkreis Hildesheim bekommen. 2010 waren es 688 Fälle. Die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher liegen.
Am 25. November, dem Internationalen Gedenktag „Nein zu Gewalt an Frauen“, werden in etwa 100 Bäckereien, Lebensmittelgeschäften und Kiosken im Landkreis Hildesheim wieder die Brötchen in Tüten mit dem Aufdruck „Gewalt gegen Frauen kommt nicht in die Tüte!“ verteilt. Jeder Tüte wird ein Einleger mit den wichtigsten Telefonnummern der Hilfsberatungsangebote beigelegt. „Unser Anliegen ist es, die Kontaktdaten der Beratungsstellen einem weiten Personenkreis bekannt zu machen, um zu gewährleisten, dass Hilfsangebote angefragt und angenommen werden können“, sagt die Leiterin der Gleichstellungsstelle beim Landkreis Hildesheim, Christa Schick, stellvertretend für ihre Kolleginnen in Stadt und Landkreis.
Erstmals fand der Aktionstag im Jahr 2007 in Hildesheim statt. Mittlerweile wurde er auf elf Städte, Samtgemeinden und Gemeinden im Landkreis ausgeweitet. Im vergangenen Jahr wurden etwa 25.000 Tüten verteilt.