Glocken-Trio erinnert an die Weule-Fabrik

Ortsbürgermeisterin Christina Philipps begrüßte viele Gäste zur Einweihung des Denkmals. (Foto: Knoblich)
 
Thomas Wundenberg (vorn) und Ambrosius Gaschler bringen die Messingplatten an dem Denkmal an. (Foto: Knoblich)

Mit Denkmal am Alten Friedhof ist lang gehegter Wunsch des Ortsrates Bockenem in Erfüllung gegangen

Von Karsten Knoblich,
Bockenem

In unmittelbarer Nähe der einstigen Weule-Fabrik ein Denkmal zu errichten, das steht schon seit längerer Zeit ganz oben auf der Wunschliste des Bockenemer Ortsrates. Nun hat sich dieser Wunsch erfüllt. Im Rahmen einer Feierstunde wurde am Alten Friedhof ein Glockengestell eingeweiht. Darin verarbeitet sind die beiden Schlagglocken der früheren katholischen St.-Clemens-Kirche sowie eine im Jahr 1949 in der Bockenemer Glocken- und Turmuhrenfabrik J. F. Weule gefertigte Glocke aus dem Raum Ulm. „Die 400 Kilogramm schwere Glocke stammt aus dem Kloster Burgrieden bei Ulm“, sagte vor Ort Museumsleiter Jörg-Dieter Besch. Sie hatte bei einem Sturz Schaden genommen und war von einem Altmetallhändler gestiftet worden.
Ortsbürgermeisterin Christina Philipps hatte zu Beginn der Einweihungsfeier eine stattliche Zahl von Gästen begrüßen können. Unter ihnen mit Prof. Dr. Hartmut Weule auch den Ururenkel des Firmengründers sowie dessen Frau Karen. Dass der Nachfahre Johann Friedrich Weules die Gelegenheit zu einem Abstecher in den Ambergau nutzte, dafür hatte Christina Philipps eine einfache Erklärung: „Bockenem ist nun einmal der Nabel der Welt; da muss man einfach vorbeischauen.“
Die Ortsbürgermeisterin nutzte die Gelegenheit, um allen Beteiligten Dank zu sagen – unter anderem der katholischen St.-Clemens-Gemeinde für die Bereitstellung der seit Jahrzehnten in einer Garage aufbewahrten Schlagglocken, den „Praktikern aus dem Ortsrat“ Ambrosius Gaschler und Helmut Geyer, Jens Niepel und Heinrich Pape, die den Ortsrat beim Ausschachten mit dem Bagger unterstützten, der Firma Betonbau für das Gießen des Fundaments sowie einer landwirtschaftlichen Betriebsgemeinschaft für den Transport der schweren Fracht mittels Tieflader. Ein besonders großes Dankeschön aber ging an die HAW Linings in Bornum beziehungsweise an die Auszubildenden und ihren Ausbilder Hartmut Bahrmann. Sie hatten den 3,50 Meter hohen Glockenstuhl aus Baustahl gefertigt und auch den Riss der erwähnten Glocke aus Ulm „gekittet“. Arbeitszeit und Material hatte das Bornumer Unternehmen gespendet.
„Wie kann man der traditionsreichen Firma Weule wohl am würdigsten gedenken?“ Altbürgermeister Gerd Brennecke erinnerte im Verlauf der Feierstunde an einen längeren Prozess der Entscheidungsfindung. Einen Teil des Nordwalls habe man bereits in Johann-Friedrich-Weule-Straße umbenannt, eine große Weule-Glocke aus „St. Clemens“ am Bönnier Tor platziert. Nun sollte noch in der Nähe der ehemaligen Fabrik ein Platz für ein Denkmal gefunden werden. Ursprünglich habe der Ortsrat an den Lappenberg als Standort gedacht. Doch diese Idee wurde wegen des wenig attraktiven Parkplatzareals mit den dort stehenden Müllcontainern wieder verworfen. Brennecke dankte Christina Philipps. Dass man am Alten Friedhof nun einen geeigneten Platz gefunden habe, sei nicht zuletzt ihrem großen Einsatz und ihrer Überzeugungskraft zu verdanken.
Nach dem offiziellen Teil und der Übergabe von Präsenten an die Helfer und Unterstützer, brachte Thomas Wundenberg noch zwei erläuternde Messingschilder am Rahmen des Glockenstuhls an. Gut „abgeschirmt“ wurde er dabei von Ambrosius Gaschler, denn zwischenzeitlich hatte es zu regnen begonnen. Das konnte die beiden Bockenemer Ortsratsmitglieder Christa Pape und Heidrun Kasten indes nicht mehr aus der Fassung bringen. Sie hatten bei der Vorbereitung eines kleinen Umtrunks anlässlich der Einweihung nämlich schon unfreiwillig eine ausgiebige „Sektdusche“ genommen.