Große Gefahrgutübung am Bahnübergang

Über 80 Feuerwehrleute waren bei der groß angelegten Gefahrgutübung im Einsatz. Insgesamt mussten sechs Verletzte in Sicherheit gebracht werden.

Sechs Verletzte und austretende Flüssigkeit sorgen für realistisches Szenario

Die tief stehende Sonne ist dem Fahrer scheinbar zum Verhängnis geworden. Bevor er reagieren konnte, bohrte sich sein Auto auch schon am unbeschrankten Bahnübergang zwischen Schlewecke und Werder unter einen Kesselwagen.

Ein hinter ihm fahrender Schlepper konnte nicht mehr stoppen und krachte frontal auf das Heck. Sechs Menschen erlitten dabei zum Teil schwerste Verletzungen. Zu allem Übel tropfte aus dem Kesselwagen auch noch eine übelriechende Flüssigkeit.
So hatten es die Feuerwehrleute aus Bockenem in den Ablaufplan einer groß angelegten Übung, bei dem vor allem der Gefahrgutzug Ost gefordert war, festgelegt. Nach der Alarmierung rasten Fahrzeuge aus den Gemeinden Bockenem, Bad Salzdetfurth, Holle und Diekholzen mit über 80 Aktiven zur Unfallstelle. Zuvor waren bereits die Wehren aus Bockenem sowie die des dritten Zuges aus Nette, Upstedt, Bültum und Ilde vor Ort. Sie trafen alle notwendigen Vorbereitungen, um die Arbeit der Spezialkräfte zu erleichtern.
Um das Szenario möglichst perfekt zu gestalten, stellte die Firma HAW Linings aus Bornum einen Kesselwagen für die Übung zur Verfügung. Der wäre ohnehin in nächster Zeit verschrottet worden. So konnten die Verantwortlichen ein paar Löcher in den Rumpf bohren, aus denen die Flüssigkeit ins Freie gelangte. Der Kesselwagen war dafür mit rund 30.000 Litern Trinkwasser gefüllt worden. Eine Nebelmaschine trug ebenfalls dazu bei, dass die Situation durchaus realistisch erschien. In der Übung sollte es sich aber um den gefährlichen Stoff Chlornitrobenzene handeln, der in Verbindung mit Wasser giftige Mischungen entwickeln kann. Er verursacht Reizungen und gilt als hochgiftig. Zum Glück brennt die farblose bis braune Flüssigkeit nicht.
In Vollschutzanzügen machten sich die Feuerwehrleute daran, das Leck abzudichten. Zuvor wurden alle Verletzten aus den Fahrzeugen gerettet und zum Sammelplatz gebracht. Dort hätten Sanitäter die Personen dann bei einem Ernsteinsatz zur weiteren Versorgung übernommen. Die Träger der Vollschutzanzüge wurden in einer speziellen Schleuse dekontaminiert.
„Die Übung ist insgesamt gut verlaufen. Wir haben verschiedene Abläufe optimiert“, berichtete der stellvertretende Zugführer Olaf Krieger. Einen Dank richtete er an die Feuerwehrleute aus Bockenem, die ein realistisches Übungsszenario vorbereitet hatten. „Es ist schon etwas Besonderes, an einer Bahnstrecke den Ernstfall zu proben“, erläutert Olaf Krieger. Zudem sei es die erste größere Übung in diesem Jahr gewesen.