Großer Andrang: Bockenemer informieren sich über Biogasanlage

Acht der neun Teilhaber der Bioenergieanlage "Im Nördernfeld". Beim Tag der offenen Tür informierten sich fast 1.000 Besucher über den Betrieb.
Bockenem (dh). Fast 1.000 Besucher haben sich beim Tag der offenen Tür über die Bioenergieanlage "Im Nördernfeld" informiert. "Mit so einem Andrang haben wir gar nicht gerechnet", war Andreas Lindenberg, einer der Teilhaber, erstaunt. Doch wann hat man auch schon einmal die Möglichkeit, sich eingehend über diese Technik zu informieren? Information, dass stand an erster Stelle für einen Großteil der Anwesenden. Neben den Anwohnern, kamen auch viele Landiwrte und weitere Bioenergieanlagenbetreiber nach Bockenem. Sie wurden von den Betreibern über die Anlage geführt, konnten sich die Erntemaschinen ansehen und sich Informationen über Bioenergie und alle beteiligten Firmen einholen.
Insgesamt neun Gesellschafter haben in die Bioenergie investiert: Theodor Bormann, von dem die Ursprungsidee kam, Andreas Lindenberg, Barthold von Gadenstedt, Wilhelm und Anette Herke, Thorsten Ehrhardt, Achim Waßmann, Bernd Uhde und Cord Amelung. "Auch vorher gab es schon eine gewisse Zusammenarbeit. Bei solch einem Investitionsvolumen tut man sich natürlich nur mit Leuten zusammen, die man schon kennt und denen man vertraut", berichtet Theodor Bormann.
Insgesamt 3,9 Millionen Euro wurden in die neue Anlage gesteckt. Dafür ist sie sehr modern geraten und hat auch einige Neuheiten zu bieten. Die ganzjährige Zuckerrübeneinlagerung ist beispielsweise im Landkreis einmalig. Auch im Bereich Umweltschutz und Versorgungsicherheit ist man auf dem neusten Stand der Technik. Geliefert wird die erzeugte Energie hauptsächlich an die Firma Betonbau, die extra dafür einiges investiert hat. Auch die Meteor und Firma Weiterer bekommen einen Teil von der neuen Anlage ab. "Wir haben uns bewusst für diesen Standort entschieden und früh das Gespräch mit den Unternehmen gesucht. Die waren uns gegenüber sehr positiv eingestellt, sodass wir die Verträge schnell unterzeichnen konnten", freut sich Andreas Lindenberg.
Auch an Rat und Verwaltung gab es ein Lob. Alles sei schnell und weitesgehend problemlos über die Bühne gegangen. Nach dem Spatenstich am 15. Juli 2011 begann noch im Dezember desselben Jahres der Probebetrieb. Unter Volllast läuftdie Anlage seit März diesen Jahres. Insgesamt wird Energie für umgerechnet 1.750 Vier-Personen-Haushalte produziert. 350.000 Liter Heizöl werden dadurch eingespart.
Bisher werden täglich 53 Tonnen Mais, Zuckerrüben, Schweinemist und -gülle, sowie Hühnertrockenkot in die Anlage verfüttert. Die Rohstoffe kommen dabei alle aus der Region. Netter Nebeneffekt: Schweinemist- und gülle würden normalerweise direkt auf den Feldern landen - inklusive der bekannten "Gerüche". Durch die Verarbeitung in der Bioenergielanlage werden die Geruchststoffe entzogen, Mist und Gülle zurück an die Landwirte geliefert, die diese somit ohne die lästigen Nebeneffekte als Dünger nutzen können.
Auf der Anlage arbeiten drei der neun Gesellschafter jeweils cirka drei Stunden am Tag. Darüberhinaus sind sie über Computer rund um die Uhr mit dem Betrieb verbunden und werden bei Problemen sofort informiert.
Die Landwirte bekamen dafür baubegleitende Schulungen und spezielle Technikseminare. "Natürlich hat man als Landwirt gewisse Vorkentnisse. Aber gerade für die Technik braucht man natürlich eine Einweisung. Inzwischen läuft das aber nach dem Motto: "Learning by doing". Da macht man natürlich ab und zu auch Fehler, aber nur so lernen wir dazu. Bislang läuft der Betrieb reibungslos", konnte Andreas Lindenberg berichten. Und, so der Teilhaber, sollte es realisierbar sein und es weitere Abnehmer geben, sei durchaus noch Platz für einen Ausbau vorhanden. Das sei aber momentan Zukunftsmusik und noch nicht in Planung.