Grundschule: Noch sind nicht alle zufrieden

Dürfte bald anders aussehen: Die Grundschule in Bockenem. Vor dem Anbau auf der rechten Seite soll ein weiteres Gebäude entstehen.

Bau- und Jugendausschuss stimmen für Einreichung des Bauantrages / Im Frühjahr 2015 soll der Umbau beginnen

Viele der Wünsche von Gesamtkonferenz, Schulleitung und Schulvorstand der Grundschule Bockenem konnte bei der Genehmigungsplanung für die Sanierung und den Anbau bereits eingebaut werden. „90 Prozent der Wünsche konnten wir umsetzen. Ich finde, das ist schon sehr gut“, meinte Bürgermeister Martin Bartölke bei der gemeinsamen Sitzung von Bau- und Jugendausschuss am Donnerstagabend. Zustimmung gab es von Seiten der Schule jedoch trotzdem nicht. Denn ein entscheidendes „Detail“ ist nicht eingeplant. Die Schule wünschte sich, wie bisher, zwölf Klassenräume. Aufgrund sinkender Schülerzahlen hat der Rat in einem Grundsatzbeschluss im März entschieden, dass zukünftig nur noch zehn Klassenräume zur Verfügung stehen sollen. Damals wurden verschiedene Varianten geprüft. Nach Abwägung aller Faktoren wurde damals im Rat ohne Gegenstimme für die Zehn-Raum-Lösung gestimmt. Nach aktueller Planung wird der Umbau rund 2,8 Millionen Euro kosten.
Ein zweiter nicht eingeplanter Wunsch ist die Einrichtung eines Fahrstuhls, um alle Stockwerke auch für Kinder nutzbar zu machen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Bürgermeister Bartölke: „Es gibt im Erdgeschoss ausreichend Räume.“

Andre: „Schule braucht mehr als zehn Klassenräume“

Die Gründe dafür, dass trotz eines Anbaus künftig weniger Klassenräume zur Verfügung stehen, sind vielfältig. Zum einen wird das Dachgeschoss im Altbau künftig nicht mehr für Kinder nutzbar sein. Bereits seit einigen Monaten darf dieser Bereich von den Schülern nicht mehr genutzt werden, weil ein zweiter Rettungsweg fehlt. Der Landkreis sperrte ihn daher. Zudem werden aufgrund der Inklusion mehr kleinere Intensivräume benötigt. Schulleiter und SPD-Ratsherr Jürgen Andre: „Die Anforderungen an eine zeitgemäße Schule sind anders als früher. Die Grundschule braucht zwölf Räume, um etwas flexibler zu sein.“ Die Schule strebt zudem an, ab dem Schuljahr 2016/2017 Ganztagsschule zu werden. Dann bräuchte man, so Andre, mehr Möglichkeiten.
Es schloss sich eine längere Diskussion darüber an, wie die Schülerzahlen zu deuten seien. Inklusionskinder, so erklärte Jürgen Andre, zählten doppelt. Daher könne man heute noch nicht sagen, wie viele Klassen 2016 oder 2017 gebraucht würden. Möglich sei, dass zehn Räume nicht ausreichen würden. Martin Bartölke und auch von Seiten der CDU wurde jedoch auf den Ratsbeschluss verwiesen. Würde man diesen nun aufheben, würde man noch einmal ein Jahr verlieren. Die Zeit dränge aber, worauf Ulrike Schumann (CDU) hinwies: „In der aktuellen Planung sind alle Brandschutzauflagen vom Landkreis erfüllt. Setzen wir das jetzt nicht schnellstmöglich um, kann uns das passieren, was mit dem Dorfgemeinschaftshaus Königsdahlum passiert ist und das können wir nicht wollen.“ Das DGH wurde vor einigen Wochen geschlossen, weil Brandschutz- und Statikauflagen nicht erfüllt sind.
Ganz vom Tisch sind die beiden zusätzlichen Räume aber noch nicht. Denn es besteht die Möglichkeit eines weiteren Anbaus an die derzeitige Mensa. Dort könnten dann zwei Klassenräume entstehen. Die Kosten bezifferte der ebenfalls anwesende Architekt Michael Aselmeyer auf rund 400.000 Euro. „Das sollte uns eine Ganztagsschule wert sein“, sagte dazu Jürgen Andre. Dem stimmten grundsätzlich die anderen Ratsherren zu. Aber, so die vorherrschende Meinung, das müsse man nicht jetzt entscheiden. Wenn der Bedarf gegeben sei, könne man den weiteren Anbau innerhalb eines halben Jahres errichten, gab Aselmeyer auf Nachfrage Auskunft.
Wie soll die „neue“ Schule nun aussehen. Das berichtete der Architekt ausführlich. Im Neubau soll künftig die Küche mit Mensa und ein Klassenraum untergebracht werden. In die derzeitige Mensa sollen zwei weitere Klassenräume. Zwei Intensivräume stehen ebenfalls im Erdgeschoss zur Verfügung. Im Altbau wird unter anderem die Nachmittagsbetreuung untergebracht. In das Obergeschoss des An- und Neubaus kommen die restlichen fünf Klassenräume und zwei Intensivräume. Im Altbau sind Lehrerzimmer, Verwaltung und ein weiterer, größerer Intensivraum geplant. Im Dachgeschoss des Altbaus sind Materialräume sowie Konferenz- und Arbeitszimmer für Lehrer vorgesehen. Der notwendige zweite Fluchtweg wird über das neue Flachdach der Verbindung zwischen Alt- und Anbau in das Dachgschoss des Anbaus geschaffen. Für Erwachsene ist dies zulässig, für die Schüler nicht, weswegen dort auch keine Klassenräume untergebracht werden können.
Auch eine Sanierung der Dachgeschosse sei bei der ersten Planung geprüft worden, hätte sich aber als wirtschaftlich nicht tragfähig erwiesen, so Martin Bartölke. Im Keller sind keine größeren Veränderungen geplant. Hier wird es bei einem neuen Heizkessel sowie neuen Wasserleitungen und kleineren Umbauten bei den sanitären Anlagen bleiben.

Neubau soll möglichst
in den Sommerferien
2015 fertig sein

Schulelternratsvertreter Horst Waizenegger wollte wissen, mit wie starken Beeinträchtigungen die Schüler zu rechnen hätten. „Ganz ohne Schmutz und Lärm wird es nicht gehen“, antwortete Siegfried Berner (SPD). Aselmeyer ergänzte, dass viele Arbeiten in den Ferien durchgeführt werden könnten. Die Planungen seien so, dass im Frühjahr 2015 die Bauarbeiten beginnen und bis nach den Sommerferien der Neubau stehen soll. Entsprechend könnten dann die Klassenräume aus dem Altbau dorthin verlegt und dieser Teil angegangen werden. Als allerletzte Lösung sei auch eine Auslagerung einiger Klassen in das Gebäude der Oberschule möglich. Komplett fertig sein sollen die Arbeiten im Sommer oder Herbst 2016.
Bei der Abstimmung, die getrennt nach den Ausschüssen durchgeführt wurde, wurde dem Beschluss, dass die Genehmigungsplanung eingereicht wird, zugestimmt. Der Bauausschuss stimmt einheitlich mit sieben Ja-Stimmen, beim Jugendausschuss gab es viermal ein Ja, drei Enthaltungen von der SPD und dem Vertreter der Linken sowie eine Nein-Stimme vom Vertreter der Schule. Die SPD wollte noch einmal die Zwölf-Raum-Variante prüfen. CDU und auch die Verwaltung dagegen plädierten dafür, möglichst schnell mit dem Bau anfangen zu können, um die Auflagen vom Landkreis zu erfüllen.
Neben dem Einreichen des Bauantrages geht es nun in die Feinplanungen. Dazu werden beispielsweise auch Landschaftsplaner für den Außenbereich einbezogen. Dort wird es ebenfalls Änderungen geben. Der bisherige Spielplatz hinter der Schule fällt weg. Dort werden einige Parkplätze für die Schule hergerichtet, um die prekäre Parksituation etwas zu entschärfen.
„Nach dem Schwimmbad wird der Umbau der Grundschule ein zweiter wichtiger Punkt für die Familienfreundlichkeit der Stadt sein. Wir sollten dabei auch das Positive in den Vordergrund stellen“, schloss der Bürgermeister die eindreiviertelstündige Sitzung.