„Hansetage“ gehören nun schon zum Brauchtum

Die 3. Bockenemer Hansetage sind eröffnet: Darauf stoßen Martin Bartölke, Eckart von Klaeden und die Markthexe (von links) an. (Foto: Knoblich)
 
Viele Besucher erlebten mit, wie Glockengießer Peter Glasbrenner die Glocke aus der Form schlug. (Foto: Knoblich)

Eröffnung mit Staatsminister Eckart von Klaeden / Glockenguss, „Schabernack“ und vielfältiges Programm

Von Karsten Knoblich

Nach den großen Erfolgen der Bockenemer Hansetagen Nummer 1 und 2 erwies sich die Neuauflage am Wochenende als würdiger Vertreter in dieser Reihe. Nach den Worten von Staatsminister Eckart von Klaeden hat diese Veranstaltung gar schon den höchsten Status erreicht. „Bei der Premiere spricht man von Innovation, bei der zweiten Veranstaltung von Tradition – und ab der dritten ist es dann schon Brauchtum“, sagte von Klaeden. Er eröffnete als Ehrengast die 3. Hansetage in Bockenem. Da konnte ihm die schon zum Hansetage-„Inventar“ gehörende Markthexe nur lauthals zustimmen – und die kennt sich in Sachen Brauchtum bestens aus. Früher habe der Städtebund gegebenenfalls ganze Fürstentümer und Königreiche blockiert. „So mächtig soll die Neue Hanse aber nicht werden“, meinte der Bundespolitiker, der die Neue Hanse als „moderne Interpretation der europäischen Tradition“ bezeichnete. Als Geschenk konnte der Staatsminister aus den Händen von Bürgermeister Martin Bartölke den soeben erschienenen Ambergau-Film auf DVD entgegennehmen.
Martin Bartölke hatte zuvor die Honoratioren, alle Marktbeschicker, die beteiligten Akteure und die Besucher begrüßt. „Handeln heißt nicht nur Güter austauschen; handeln heißt auch, dafür zu sorgen, dass sich etwas bewegt“, machte Bartölke in Anspielung auf den Leitgedanken der Hanse die Doppelbedeutung des Begriffs deutlich. Wem es zu verdanken ist, dass sich im Herzen Bockenems am Wochenende so viel bewegte, wusste der Verwaltungschef auch. Ein großes Lob ging an Cheforganisator Holger Pieper und sein Team.
Nachdem man gemeinsam mit der Markthexe angestoßen und Eckart von Klaeden sich ins Buch der Stadt eingetragen hatte, war dem bunten Treiben Tür und Tor geöffnet. Eine der beliebten Anlaufstationen war auch in diesem Jahr die Magistratsschänke. Ratsfrauen und -herren nahmen sich der durstigen Kehlen an. Hier, im Bereich des Altertümlichen Marktes, wartete auf die Besucher ein ganz besonderes Schmankerl. Um die Brücke zum 200. Geburtstag von Johann Friedrich Weule zu schlagen, war an beiden Tagen der Glockengießer Peter Glasbrenner aus Schwäbisch Hall in Aktion zu erleben. In der Sitzmulde am Markt konnte man ihm beim Bau der Gussform, beim Gießen einer Bronzeglocke und beim Herausschlagen aus der Form über die Schulter schauen. Eine solche „Glockengeburt“ hautnah zu erleben, das wird es so schnell wohl nicht mehr geben. Anschließend trug die Laienspielgruppe „Zeitgeister vom Papenberg“ Schillers „Das Lied von der Glocke“ in der St.-Pankratius-Kirche vor.
Mit Musik geht alles besser. Das galt auch für die 3. Bockenemer Hansetage. Während die Gruppe „Schabernack“ mit Trommel und Dudelsack ins Mittelalter entführte, sorgten die Jungen und Mädchen der Grundschulen aus Bockenem und Bornum mit heiteren Liedern für Unterhaltung. Abends dann wurde den Besuchern nicht nur mittels einer spektakulären Feuershow, sondern auch beim Livekonzert mit der Gruppe „Dustpipe“ aus Bornum eingeheizt. Die Publikumskulisse war beachtlich. Auch wer anschließend „Lena“ beim Eurovision Song Contest 2011 in Düsseldorf die Daumen drücken wollte, musste den Hansetagen nicht den Rücken kehren. Das Spektakel wurde vor Ort mit ausgefeilter Technik und „qualitativ hochwertig“ übertragen, wie Holger Pieper erwähnte. Gut zusammen ging am Sonntagnachmittag die Darbietung des Parforcehorncorps „Die Jagdfanfare“ gleich neben dem Infomobil der Jägerschaft Hildesheim.
Eine Erlebnisreise besonderer Art bot das „Mittelalterdorf“ hinter der Kirche. An mehr als einer Stelle sausten da die Hämmer auf den Amboss; so unter anderem beim Schellenschmied oder auch bei Kupferschmied Günther Berger. Ebenfalls in Aktion zu erleben waren ein Seiler, Töpferer und Bogenbauer. Apropos: Jung und Alt konnten ihre Schießkünste sowohl an einem Bogen anno dazumal als auch an einem modernen Sportgerät testen. Doch es gab noch mehr; neben „edlem Geschmeide aus schönem Klimpergeld“ auch den Stand der „Schildautaler“ aus dem benachbarten Seesen, die mit Seilziehen und Schwammwerfen für jeden Gast eine „Belohnung“ parat hatten. Fahrten mit der Postkutsche kamen bei den Kindern hervorragend an. Vereine aus der Kernstadt und den Dörfern beteiligten sich auf vielfältige Art an der Veranstaltung.
Bleiben noch der neuzeitliche Markt und der verkaufsoffene Sonntag zu erwähnen, die in den Verantwortungsbereich des Gewerbevereins „Bockenem – mein Ziel“ fielen. Beide profitierten von den Besucherströmen. Automeile, Oldtimer-Präsentation, flotte Zumba-Vorführungen, Kinderkarussell, Blumenmarkt, weitere teils originelle Aktionen in und vor den Geschäften und nicht zuletzt die Verlosung der Gutscheine vom Ostereiersuchspiel im Gesamtwert von 1000 Euro waren hier unter anderem angesagt.