„Hitlerjunge Salomo“ kommt nach Bockenem

Sally Perel macht in der kommenden Woche in Bockenem Station.

Sally Perel im Kulturladen und im Schulzentrum zu Gast / „Beeindruckende Erzählungen“

Bockenem (bo). Am Dienstag, 7. Juni, wird es in der Kulturscheune des Kulturladens Bockenem um 20 Uhr ein ganz besonderes Ereignis geben. An diesem Abend ist Sally Perel zu Gast, der als „Hitlerjunge Salomo“ durch den berühmten Film von Steven Spielberg weltweit bekannt geworden ist.
Der Film hat einen historischen Hintergrund: 1939 flüchtet die jüdische Familie Perel aus Peine mit ihren Kindern vor den Nazis nach Lodz. Darunter auch der 14-jährige Junge Sally. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Polen flieht er mit seinem Bruder nach Russland. Die Eltern bleiben im Ghetto zurück, wo sie später ermordet werden. Bei Beginn des Blitzkriegs gegen Russland fällt Sally in die Hände der deutschen Wehrmacht. Den sicheren Tod vor Augen, erklärt er: „Ich bin Volksdeutscher.“ So wurde aus Sally Perel Josef Perjell und später der Hitlerjunge Jupp. Diese Rolle als „Volksdeutscher“ hielt er bis Kriegsende durch, obwohl ihn diese Doppelrolle oft an den Rand der Verzweifling brachte.
Sally Perel hat nach jahrzehntelangem Schweigen die Sprache über das Erlebte wiedergefunden und das Buch geschrieben „Ich war Hitlerjunge Salomo“, das später zur Vorlage für den Spielberg-Film wurde. Nun reist er seit vielen Jahren durch die Welt, um zu erzählen. Dabei stehen Schulen im Mittelpunkt seines Interesses. Jetzt kommt der „Hitlerjunge Salomo“ auch nach Bockenem, und zwar in das Schulzentrum.
Er ist aber auch bereit, an anderen Veranstaltungsorten aufzutreten, damit nicht nur Schülerinnen und Schüler von ihm erfahren. So ist es dem Kulturladen Bockenem gelungen, ihn für den 7. Juni zu einem Abend in die Kulturscheune, Buchholzmarkt 13, einzuladen. Denn Sally Perel und der Bockenemer Claus-Ulrich Heinke kennen sich von einem früheren Besuch des jetzt in Tel Aviv lebenden Autors. „Es ist wunderbar, dass der 86-jährige Sally sich nochmals auf die Reise begeben hat und jetzt auch in Bockenem Station macht“, sagt der frühere Citykirchenpastor und Dirigent der SingAkademie Niedersachsen. „Seine Erzählungen zeigen beeindruckend, wohin es führt, wenn radikale und rassistische Gedanken die Oberhand gewinnen.“
Zu der Veranstaltung im Kulturladen sind alle interessierten Erwachsenen und Jugendliche eingeladen, um die wahrscheinlich letzte Gelegenheit zu nutzen, den berühmten Menschen Sally Perel persönlich kennen zu lernen.
Der Eintritt ist frei. Es wird aber um eine freiwillige Kostenbeteiligung gebeten. Der Kulturladen führt diesen Abend zusammen mit der Friedrich-Naumann-Stiftung durch. Ein junger Musiker von der Kreismusikschule Peine wird den Abend mit musikalischen Akzenten bereichern.