Hunderte pilgern zum Autobahnzubringer Bockenem

Die Abrissmeißel leisten ganze Arbeit: Sie machen die Brücke binnen weniger Stunden dem Erd- boden gleich. (Foto: Vollmer)
 
Einige Hundert Schaulustige wollten sich den Abriss der Autobahnbrücke an der An­schluss­stelle Bockenem nicht entgehen lassen. Einige hatten sogar Proviant mitgebracht. (Foto: Vollmer)

Zwei weitere Brücken weichen dem sechsspurigen Ausbau der A 7 / Verkehr staut sich zeitweise bis auf eine Länge von 20 Kilometer

Bockenem/Volkersheim (vo). Mehrere Hundert Zaungäste haben in der Nacht zum Sonntag den Abriss von zwei weiteren Autobahnbrücken beobachtet. Schon kurz nach der vorerst letzten Vollsperrung der A 7 pilgerten die Schaulus­tigen zur Anschlussstelle Bockenem. Einige hatten sogar Getränke und Proviant mitgebracht, um das Schauspiel der Riesenbagger in geselliger Runde zu beobachten.
Eine weitere Brücke musste an der Landstraße zwischen Volkersheim und Sehlde dem sechsspurigen Ausbau der Autobahn weichen. Auch dort war der Andrang groß. „Das kennen wir auch von anderen Bau­stellen. Schließlich ist es ja auch etwas Besonderes, wenn eine Brücke mit schwerem Gerät dem Erdboden gleichgemacht wird. Da gibt es ordentlich was zu gucken“, berichtet Bauleiter Reinhard Krippner. Während er für den Abbruch der Auto­bahn zuständig ist, kümmert sich sein Kollege Stephan Richter um die restlose Beseitigung der Brücke.
Die Firma Beissner aus Niemetal bei Göttingen ist auf Abbrucharbeiten, insbe­sondere Brücken, spezialisiert. „Das hier in Bockenem ist reine Routine. Da gab es weitaus größere Projekte. Wir sind halt eine schlagkräftige Truppe“, erläutert der Bauleiter. 16 Mitarbeiter sind vor Ort. Sie müssen sich an einen strengen Zeitplan halten, denn um 8.30 Uhr soll die Brücke samt Ma­schinen verschwunden sein und der Verkehr wenig später wie­der rollen. Doch beim Blick auf die Uhr kommt Reinhard Krippner ins Grübeln: „Erste Verzögerungen hat es bereits beim Beseitigen der Planken auf der Fahrbahn durch die Au­tobahnmeisterei gegeben. Mal schauen, ob wir den Zeitplan halten können.“
Mittlerweile sind seine Kollegen dabei, Scheinwerfer auf beiden Seiten der Baustelle einzurichten. Sie werden später gleißendes Licht auf die Abbruchstelle werfen. Zuvor werfen aber Radlader rund 800 Tonnen Erde auf die Fahrbahn. „Das bis zu ein Meter hohe Fallbett sorgt dafür, dass keine Beschädigungen auf der Fahrbahn entstehen“, er­läutert der Experte. Die Handgriffe sitzen. Dafür sorgt ein ein­gespieltes Team. Erde abwerfen und schieben. Der Rhythmus wiederholt sich an dem Abend einige hundert Mal. Die Ab­bruchscheren schneiden sich derweil wie Butter durch das Geländer. Eine der Kombibacken wiegt rund 4,5 Tonnen und kostet schlappe 50.000 Euro. Auch von den Maschinen wird einiges abverlangt. Aber selbst wenn eine ausfallen sollte ste­hen zwei als Ersatz bereit. Schwerstarbeit leisten auch die Ab­bruchmeißel, die sich von der mittleren Stütze der Brücke nach außen vorarbeiten. Unermüdlich picken sich die Meißel, die einen Durchmesser von 18 Zentimetern haben, durch zig tausend Tonnen Beton. Der Schutt wird mit riesigen Trans­portern auf einen Sammelplatz gebracht.
Selbst der Chef des 60 Mitarbeiter zählenden Unternehmens, Frank Beissner, packt mit an. Er hat seinen BMW gegen einen riesigen Bagger getauscht. Die Arbeiten gehen gut voran, so dass sich die an­fangs düsteren Zeitprognosen am Ende der Nacht zum Glück nicht bewahrheiten. Um 9.25 Uhr gibt die Polizei am Sonn­tagmorgen den Verkehr wieder in beide Richtungen frei. Im Laufe des Tages staut sich der Verkehr Richtung Norden, nicht zuletzt auch wegen der Ferienzeit, allerdings auf gut 20 Kilo­meter Länge. Am frühen Abend hatte sich die Situation dann fast vollständig entspannt.
Viel dramatischer war es dagegen am vergangenen Wochenende, wo auch die Umleitungsstre­cken dermaßen überlastet waren, dass stellenweise nichts mehr ging. Einen unschönen Zwischenfall meldet die Hildesheimer Autobahnpolizei allerdings auf der Rastanlage Harz Ost. Weil sie anscheinend die Nase vom Stau voll hatten, waren dort einige zweifelhafte „Handwerker“ am Werke. Sie brachen ein Tor am Ende der Rastanlage auf, um von dort aus am Stau vorbei auf die Bundesstraße 243 zu gelangen. Außer­dem wurde ein größerer Teil eines Zaunes durchtrennt. Viele Autofahrer entkamen auf diese nicht ganz legale Weise der Blechlawine.