„Ich bin noch nie so ausgiebig gelobt worden!“

Manfred Klaube (rechts) – hier mit Ehefrau Annegret und Bürgermeister Martin Bartölke – erhielt den Ehrenring der Stadt Bockenem. (Foto: Knoblich)
 
„Er passt“: Bürgermeister Martin Bartölke (rechts) steckte Manfred Klaube den Ehrenring an. (Foto: Knoblich)
 
Rund 180 Gäste konnte Bürgermeister Martin Bartölke in der Pausenhalle des Schulzentrums begrüßen. (Foto: Knoblich)

Ehrenring für langjährigen Stadtheimatpfleger Manfred Klaube / 180 Gäste beim Frühjahrsempfang der Stadt

Nein, große Auftritte sind die Sache eines Manfred Klaube nun wirklich nicht. Schon gar nicht, wenn er dabei selbst im Mittelpunkt steht. Und doch war ihm die Freude anzusehen, als ihm am Donnerstag Bürgermeister Martin Bartölke den Ehrenring der Stadt Bockenem ansteckte.

Von Karsten Knoblich

Bockenem. Den passenden Rahmen für die hohe Auszeichnung bildete der nunmehr vierte Frühjahrsempfang der Stadt. Über die Bühne ging er schon zum zweiten Mal in der Pausenhalle des Schulzentrums. Hier konnte Martin Bartölke rund 180 Gäste aus Politk, Wirtschaft und Ehrenamt begrüßen. Sein besonderer Dank galt vorab allen fleißigen Helferinnen und Helfern aus dem Rathaus, denen aus den Reihen der Freiwilligen-Agentur „MiA“, die für die Bewirtung sorgten, ferner der Gruppe „Six-Pack“ des Evangelischen Jugenddienstes im Ambergau und Holle für die musikalische Ausgestaltung sowie Diakon Frank Rüffer, der am Mischpult für den guten Ton sorgte.
„Es war viel los in den vergangenen zwölf Monaten“, stellte der Verwaltungschef in einer Bilanz zu Beginn seiner Ansprache fest. Er erinnerte dabei unter anderem an das gelungene Brandnacht-Musical, den Ambergautag in Ortshausen, das Benefizkonzert „Bockenem hilft“, die 4. Bauherren-Infomesse und auch an das 20-jährige Bestehen der Städtpartnerschaft mit Güntersberge. Der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf habe man mit der Ausweitung der Krippenplätze und dem Umzug der Hortgruppe von der AWO-Kindertagesstätte in die Grundschule Bockenem Rechnung getragen. Die Aufstellung der Hundekot-Sammelbehälter – Bartölke: „Sie werden gut angenommen, aber eben noch nicht gut genug“ –, das Thema Feuerwehrführerscheine, die reibungslose Einführung des doppischen Haushalts und die Umstellung der Straßenbeleuchtung, durch die sich die Stromkosten um einen Betrag im fünfstelligen Bereich reduzieren lassen, listete Bartölke ebenfalls auf. Dass „Bauamtsleiter Bernd Arndt über mangelnde Beschäftigung nicht klagen“ kann, machte der Bürgermeister anhand der aktuellen Baumaßnahmen deutlich. Neben dem Ausbau der A 7 stünden dabei vor allem die Ortsdurchfahrt Königsdahlum, die Erschließung des neuen Gewerbegebiets, die Dorferneuerung Bönnien mit dem Schwerpunkt Störyer Straße, Brückensanierungen in Mahlum und Königsdahlum sowie die komplette Umgestaltung des Stadtbades im Blickpunkt. Die Optimierung des ÖPNV, die Bemühungen um eine Oberschule für Bockenem, die 380-kV-Leitung und auch die Altstadtsanierung seien weitere Themen, an denen Rat und Verwaltung zum Wohle der Stadt arbeiteten, sagte Bartölke. Und in Sachen Zukunft des Automuseums in Störy scherzte er: „Vielleicht gibt es im Bekanntenkreis ja den einen oder anderen, der die Sammlung für einen Millionenbetrag erwerben möchte“.
Wie bereits erwähnt, wurde an diesem Abend dem langjährigen Stadtheimatpfleger Manfred Klaube der Ehrenring überreicht – nach der Ehrenbürgerschaft ist dies die zweithöchste Auszeichnung, die die Stadt Bockenem zu vergeben hat. Vor Klaube haben den Ehrenring bisher lediglich „Meteor“-Gründer Karl Heinz Bädje im Jahr 1982 und der Ambergauer Heimatforscher Friedrich Freitag im Jahr 1984 erhalten.
„Carpe Diem – Pflücke den Tag“, dies sei stets das Lebensmotto Manfred Klaubes gewesen, sagte Stadtheimatpfleger Dieter Rüdiger in der Laudatio auf seinen Vorgänger, der auch einmal sein Klassenlehrer war. Am 22. August 1939 in Magdeburg geboren, kam Klaube 1965 nach dem Studium als Realschullehrer für Geographie und Sport nach Bockenem. Nur ein Jahr später gründete er die „Junge Union Bockenem“, und er baute im MTV Bockenem eine starke Leichtathletikabteilung auf, die schnell 80 Aktive erreichte, die in den regionalen Bestenlisten auftauchten. Auf die Initiative Manfred Klaubes hin gab es am 1. Juli 1972 den ersten Volkslauf mit rund 600 Teilnehmern, er regte die Ehrung verdienter Sportler an, brachte den Skilanglauf nach Bockenem und hob den Tennisclub Ambergau und die Arbeitsgemeinschaft für Natur- und Umweltschutz aus der Taufe. Schon 1970 kam sein erstes Buch „Bockenem im Ambergau“ heraus. 24 weitere Bücher zur Heimatkunde und etwa 100 wissenschaftliche Veröffentlichungen aus der Feder des Umtriebigen sollten folgen.
Dieter Rüdiger erinnerte daran, dass Manfred Klaube am 8. Mai 1978 erster Stadtheimatpfleger in Bockenem und damit zugleich erster im ganzen Landkreis Hildesheim wurde; ein Amt, das er bis Ende 2010 und damit mehr als 32 Jahre lang ausübte. 1987 begann er damit, in jedem Ambergaudorf Ortschronisten einzusetzen. Er habe viele Lücken in der Geschichte der Stadt durch seine Arbeit in den Archiven gefüllt und mit der Idee zur Einrichtung eines Ambergautages den Grundstein für eine bis heute anhaltende Erfolgsgeschichte gelegt. Weitere Verdienste sind der strukturierte Aufbau des Stadtarchivs, das heute etwa 1000 Positionen aufweist, das Engagement in puncto Denkmalschutz (Hochofen Bornum) sowie in Sachen Belebung und Gestaltung der Innenstadt und nicht zuletzt seine jahrzehntelange journalistische Arbeit. Nicht zu vergessen: Manfred Klaube war von 1968 bis 1986 Mitglied des Rates der Stadt Bockenem, davon zwölf Jahre als Fraktionsvorsitzender der CDU, von 1974 bis 1986 im Ortsrat Bockenem. 1986 wurde er bereits mit dem Wappenteller der Stadt ausgezeichnet.
„Ich bin noch nie so ausgiebig gelobt worden“, bekannte Manfred Klaube, und auch mit dem Ehrenring habe er nicht gerechnet. Und schon im nächsten Satz wurde der 71-Jährige wieder so analytisch-messerscharf deutlich, wie man ihn eben kennt: „Die Stadt braucht mehr denn je engagierte Leute; Menschen, die ihre Talente und Neigungen mit in die Gemeinschaft einbringen“, betonte er. Der weitaus größte Teil der Bevölkerung engagiere sich nicht, sondern betätige sich stattdessen lieber als Kritikaster. In Bezug auf Bockenem befürchte er in den nächsten Jahren eine fortschreitende Entleerung der Altstadt. Der Verfall der Preise auf dem Immobilienmarkt, der Bedeutungsverlust des Einzelhandels und immer mehr sanierungsbedürftige Gebäude – diese Probleme gelte es zu bewältigen, und dabei müssten die Verantwortlichen neue Maßstäbe anlegen. „Ein paar Blumen und Kosmetik allein reichen da nicht aus“, meint Manfred Klaube. Die Heimatkunde jedenfalls sei in guten Händen, die Stadt sei sich der Bedeutung des Museums und des Stadtarchivs bewusst. Für letzteres wünschte sich Klaube aber noch ein geeignetes Gebäude. Seinem herzlichen „Glückauf“ zum Ende folgte lang anhaltender Beifall. Apropos „Glückauf“: Derzeit ist Manfred Klaube im Oberharz aktiv, genauer gesagt durchstöbert er das Bergarchiv in Clausthal-Zellerfeld nach interessanten Daten und Fakten. Er kann es nun einmal nicht lassen...
Bevor der Startschuss für die Schlacht am kalten Buffet fiel, hatte noch einmal Bürgermeister Martin Bartölke das Wort. „Miteinander im Ambergau“, dies sollte nicht nur das Motto der Freiwilligenagentur, „sondern unser aller Motto sein“, sagte er. Der Ambergau sei eins, da sollten Teilungsgedanken in Bezug auf Kernstadt und Dörfer keinen Platz haben. Das Rathaus habe hier die Funktion als Verbindungselement.