ILEK-Region „nette innerste“ gegründet

Die vier Bürgermeister Axel Witte (Schellerten), Erich Schaper (Bad Salzdetfurth), Klaus Huchthausen (Holle) und Martin Bartölke (Bockenem) stehen für die neue „ILEK-Region nette innerste“. (Foto: Klaube)

Bockenem, Bad Salzdetfurth, Holle und Schellerten wollen an EU-Fördermittel

Im Juni dieses Jahres hatten sich die Städte Bad Salzdetfurth und Bockenem und die beiden Gemeinden Holle und Schellerten zu der „Region nette innerste“ zusammengeschlossen.

Dabei geht es darum, sich mit einem gemeinsamen Konzept zur Integrierten ländlichen Entwicklung (ILEK) am landesweiten Wettbewerb zur Erlangung von Fördermitteln der nächsten EU-Förderperiode zu beteiligen.
Nun ist diese „Region nette innerste“ bei weitem keine Gewachsene, so dass man darüber eigentlich nur schmunzeln könnte. Bockenem und Schellerten nämlich – um nur diese beiden zu nennen – haben nun wirklich keinerlei Verbindung und verfügen über keinerlei gewachsene Strukturen. Beide zueinander sind gegenseitig eine terra incognita. Dass sie nun zusammen mit Holle und Bad Salzdetfurth als neues raumpolitisches Gebilde auftreten, ist einzig und allein den Planungs- und Entwicklungsstrategen in den Ämtern und Verwaltungen geschuldet und verfolgt das Ziel, mit dieser Verbindung an EU-Mittel für die Förderung ländlicher Gebiete im Rahmen des Europäischen Landwirtschaftsfonds heranzukommen. Und diesbezüglich gäbe es gute Chancen, sei den vier Verwaltungschefs von Bad Salzdetfurth, Bockenem, Holle und Schellerten versichert worden, weswegen man sie geradezu aufgefordert habe, diese Verbindung einzugehen.
Dies erklärten unisono auf der gut besuchten Auftaktveranstaltung am Mittwoch in der Bockenemer Mehrzweckhalle Bockenems Bürgermeister Martin Bartölke und sein Holler Kollege Klaus Huchthausen. Die laufenden Anträge beziehungsweise Verfahren zur Dorfentwicklung fänden mit einem solchen ILEK-Projekt einen neuen Schub und weitere Unterstützung. „Wenn wir nichts tun, dann bekommen wir auch nichts“, hatte dazu Bürgermeister Erich Schaper aus Bad Salzdetfurth ergänzt.
Mit der Ausarbeitung des notwendigen Förderkonzepts haben die vier Kommunen die Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK) und die Planungsgruppe Lange und Puche beauftragt, die beide bereits für das letzte Entwicklungskonzept Bockenems – die Stadtsanierung betreffend – zuständig gewesen waren. Für die Erarbeitung des jetzt anstehende ILEK-Projektes werden rund 70.000 Euro anfallen, von denen die vier beteiligten Kommunen jedoch nur je 6000 Euro aus ihrer eigenen Haushaltskasse berappen müssen.

Antrag muss bis zum 10. Januar eingereicht sein

Der erforderliche Antrag ist bis zum 10. Januar 2015 einzureichen. Dies bedeutet, dass für die Erarbeitung des Entwicklungskonzepts lediglich vier Monate zur Verfügung stehen. Ein enger Zeitrahmen also. Das Verfahren betreffend wird es nach der am Mittwoch stattgefundenen Auftaktveranstaltung am 25. September eine Zielfindungskonferenz geben, auf welcher die anzustrebenden Entwicklungsziele definiert werden sollen, und am 31. Oktober eine Strategiekonferenz, nach der die thematischen Arbeitsgruppen Demografie, Innenentwicklung, Erneuerbare Energien und Öffentliche Daseinsversorgung zusammenkommen sollen. Ihre Ergebnisse werden anschließend zusammengefasst, sodass danach das gesamte Konzept formuliert werden kann.
Verantwortlich begleitet das Projekt die in Bockenem bereits bekannte Planerin und Diplomgeografin Tanja Klein aus Northeim. Zur aktiven Mitarbeit sind alle dazu bereiten Bürger aufgefordert. Fragen, Anregungen und Kommentare können diesbezüglich ab sofort auf der neuen Internetseite www.nette-innerste.de getätigt werden. Hier kann man sich dann auch über den aktuellen Stand der laufenden Arbeiten informieren.
Bei der Auftaktveranstaltung am Mittwoch waren die Anwesenden schon einmal aufgefordert, einzelne Entwicklungspunkte zu benennen und auf grünen und roten Zetteln zu formulieren, die anschließend auf Stelltafeln angebracht und diskutiert wurden.
Die Stärken und die Schwächen der neuen „ILEK-Region nette innerste“ sind verständlicherweise auch diejenigen, die jede der beteiligten vier Kommunen für sich allein aufweisen kann. Insofern brauchte man alles bereits Bekannte nur noch einmal aufzuschreiben. Doch das würde nicht ganz ausreichen, denn nun soll das Gebiet Bad Salzdetfurth/Bockenem/Holle/Schellerten als Ganzes als neuer einheitlicher Entwicklungsraum im Fokus stehen. Da wird man sich folglich schon etwas einfallen lassen müssen, obgleich es um die Entwicklungsziele geht, die in der Spannbreite von Leerständen hin zur Arztversorgung, vom Demografiewandel über Notwendigkeiten des Klimaschutzes hin zu Straßen- und Wegebau reichen. Alle mehrfach bereits formulierten Einzelstärken und Einzelschwächen müssen folglich nur vernetzt werden, wobei allerdings auch neue Ansätze zu erkennen sein dürften.

Bis zu 50 Prozent Förderung

Profitieren bei der angestrebten Aufnahme in das Förderprogramm könnten die vier Kommunen mit Fördersätzen je Projekt von 40 bis 50 Prozent und Teilnehmergemeinschaften, Fremdenverkehrsvereine, land- und forstwirtschaftliche Betriebe und sogar Einzelpersonen mit Fördersätzen um 30 Prozent für jede bewilligte Investitionsmaßnahme, sofern sie in den Förderrahmen passt. Beantragt werden müssen derartige Maßnahmen dann einzeln und von Jahr zu Jahr.
Auf jeden Fall verspricht man sich im Vorfeld von der neuen „Entwicklungsregion nette innerste“ eine ganze Menge und hofft auf einen nachhaltigen Entwicklungsschub. Das jedenfalls signalisieren die vier Bürgermeister und die beteiligten Planer. Für die nicht beteiligte Stadt Seesen, die sinnvollerweise vielleicht mit hereinpassen könnte, und zwar aus Sicht mancher Bockenemer anstelle von Schellerten, ist diese neue Entwicklungsregion immerhin wert, dieses Projekt aus der Nachbardistanz zu verfolgen. Insofern hatte die dortige Stadtverwaltung den zuständigen Abteilungsleiter Dirk Tünnermann beauftragt, bei der Auftaktveranstaltung am Mittwoch in Bockenem zugegen zu sein und den Verlauf zu verfolgen.