„Jeder sollte einmal in Auschwitz gewesen sein“

30 Bockenemer Oberschüler besuchten vor ihrem Abschluss das ehemalige KZ Auschwitz-Birkenau. (Foto: bo)

Abschlussjahrgang der Bockenemer Oberschule besucht ehemaliges Konzentrationslager

„Wer die Geschichte vergisst, durchlebt sie noch einmal, weil wir durch das Vergessen die gleichen Fehler noch einmal begehen werden.“ Worte vom inzwischen ehemaligen Oberschüler Peer Totzke, der vor seinem Abschluss auf Studienfahrt in Auschwitz, oder Oswiecim, war. Insgesamt 30 Schüler hatten das alljährliche Angebot für den Abschlussjahrgang gerne angenommen. Begleitet wurden sie von Diakon Frank Rüffer, Rektorin Dagmar Pallinger und der Lehrerin Navina Menge.

Schon in die kleinen
Gaskammern passten
700 Menschen
Die gute Laune zu Beginn der Fahrt wurde etwas getrübt – denn bei der Ankunft in der Unterkunft lief bereits ein WM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft. Immerhin, das Ende konnten die Jugendlichen noch sehen. Am zweiten Tag ging es in das kleinere Stammlager 1. Von den Baracken, über winzige Zellen, ein Krematorium wurden die Bockenemer Schüler dort überall herumgeführt. „Wir standen dort auch in einer Gaskammer, diese war nicht besonders breit dafür aber umso länger. In dieser Gaskammer haben zirka 700 Menschen Platz gefunden. Da war ich das erste Mal richtig schockiert. In dieser Gaskammer hätte locker unsere ganze Schule Platz gefunden. Und dabei stellte sich heraus, dass dies noch keine große Gaskammer war, sondern eher eine kleine“, erinnert sich Totzke.
Auch in das Lager 2, Auschwitz-Birkenau, fuhren die Zehntklässler. Peer Totzke: „Als wir das Lager erreicht haben, waren wir nur noch schockiert. Auf einer riesigen Fläche, die man sich nicht vorstellen kann, stand nicht ein einziger Baum. Wenn man auf der einen Seite des Lagers stand, konnte man die andere Seite nicht sehen. „Er habe die Führerin gefragt, wie viele Menschen in die Gaskammern dort gepasst hätten: „Sie sagte im Stammlager 2 haben in manche Gaskammern 2500 Menschen gepasst. Und für diese Anzahl haben wieder drei Dosen Zyklon B genügt. Man konnte 2500 Leben in einer Gaskammer auf brutalste Weise in zirka 20 Minuten auslöschen. Da waren wir alle wieder schockiert. Man verbrannte die Leichen der Verstorbenen in den Brennöfen, aber manchmal war es für die Öfen gar nicht möglich so viele Leichen zu verbrennen. Es wurde eine schnelle und einfache Lösung gefunden. Man verbrannte die Leichen in Gruben im Freien.“ Mehr, so der Abschlussschüler, wolle er dazu nicht schreiben. Man müsse es selbst gesehen haben, da man es sich ansonsten nicht vorstellen könne.
Workshop über Kinder im Lager sehr bewegend

In den Lagern gab es zudem mehrere Workshops, Ausstellungen und Vorträge, die besucht wurden. Einiges davon sei interessant gewesen, andere hingegen nicht: „Viele Geschichten über Fluchten waren im Prinzip identisch. Man muss es besprechen, aber ich finde man hätte es kürzer und spannender gestalten können.“ Ein Workshop über die Kinder im Lager sei hingegen sehr bewegend gewesen. „Ich finde es schon sehr traurig, wenn Kinder, die in einem Alter von acht bis zehn Jahren sind, Gedichte über den Tod in Auschwitz schreiben und das Lager selbst zeichnen, weil sie nachts vor Angst und Hunger nicht schlafen können“, blickt Peer Totzke zurück.
Eine Synagoge in Oswiecim und Krakau standen ebenfalls auf dem Programm der sechstägigen Tour. Zwischendurch gab es aber auch ein wenig Freizeit. Die brauchten sie auch,, berichteten die Schüler, als Abwechslung zu den bedrückenden und schockierenden Erlebnissen, die sie erlebten.
„Diese Fahrt war sehr emotional, traurig, interessant und auch wichtig. Ich denke, dass jeder von uns mindestens einmal in Auschwitz gewesen sein muss, damit die Geschichte nicht vergessen wird. Denn wenn wir die Geschichte vergessen, wiederholt sie sich. Ich finde es sehr toll, dass so eine Fahrt von meiner Schule angeboten wird und kann nur jedem, der noch nicht weiß, ob er mitfahren möchte oder nicht, dazu raten, mitzufahren“, zieht der Schüler in seinem Bericht ein Fazit.