Keine voreiligen Schritte beim Thema Windkraft

SPD will Vor- und Nachteile sorgfältig abgewogen wissen / MdL Karl-Heinz Hausmann als Experte zu Gast

Bockenem (ber). Mehr als drei mögliche Standorte für einen Ausbau der Erzeugung von Windenergie werden bekanntlich gegenwärtig im Ambergau diskutiert. Die Verwaltung hat die Wünsche von drei Investoren in zwei Ratsvorlagen übergeleitet. Über diese soll der Rat auf Wunsch des Bürgermeisters schnell entscheiden.
In der Anlage bei Ilde sollen die aktuellen Windräder mit 64 Meter Nabenhöhe gegen ein neues Modell mit 135 Meter Nabenhöhe ausgetauscht werden. Alternativ möchte der Investor sein Windkraftgebiet ausdehnen, um bis zu neun Anlagen der neuen Generation errichten zu können.
Außerdem soll der Rat noch bis zur Sommerpause darüber entscheiden, ob die Stadt Bockenem eine weitere Fläche zur Errichtung von Windkrafträdern ausweist. Grundstückseigentümer und Investoren sind daran interessiert, entweder am Hainberg zwischen Volkersheim und Mahlum bis zu fünf große Windkraftanlagen oder auf einer Fläche zwischen Bockenem und Bornum bis zu 15 Windräder der neuen Generation zu errichten.
Grund genug für den SPD-Ortsverein Ambergau/Bockenem, das Thema mit den Mitgliedern und interessierten Bürgern im Rahmen einer Mitgliederversammlung zu diskutieren. Als kompetenter Fachmann für das Thema „Raumordnungsprogramm“ war der Landtagsabgeordnete Karl-Heinz Hausmann aus Osterode vor Ort. Nach einer durch eine PowerPoint-Präsentation unterstützten Einführung in das Thema waren sich fast alle Anwesenden einig, dass der Bau von Windrädern mit einer Nabenhöhe von 135 Metern und Rotorblättern, die einen Durchmesser von 100 Meter aufweisen, einen nachhaltigen Eingriff in das Landschaftsbild bedeutet. Die Zahl der offenen Fragen sei noch sehr hoch. So bestätigte beispielsweise Karl-Heinz Hausmann, dass über das für die weitere Entwicklung entscheidende Landesraumordnungsprogramm noch immer im Landtag diskutiert werde. Ein Entscheidungstermin sei noch nicht bekannt.
Der Ortsvereinsvorsitzende, Siegfried Berner, erläuterte der Versammlung anhand von Kartenmaterial, dass es neben den von den Investoren beworbenen Flächen auch noch weitere Möglichkeiten zur Einrichtung von kleineren Windparks im Stadtgebiet gebe. Beispielsweise hätte die Stadt Bad Salzdetfurth noch nicht entschieden, ob das im Bereich „Bünte“ ausgewiesene Gebiet für Windkraftanlagen auf Dauer Bestand haben soll. Diese Entscheidung hätte direkte Auswirkungen auf den Ambergau. Auch Lamspringe und Seesen, also die direkten Nachbarn, hätten sich noch nicht festgelegt. Lutter habe zusätzliche Windräder bereits abgelehnt. MdL Karl-Heinz Hausmann, seines Zeichens Mitglied des zuständigen Fachausschusses für das Raumordnungsprogramm, empfahl eine enge Abstimmung mit den Nachbargemeinden, damit das Gesamtbild nicht „zerspargelt“ werde.
Einige Diskussionsteilnehmer, darunter der ehemalige Stadtheimatpfleger der Stadt Bockenem, Manfred Klaube, erinnerten an den bereits beschlossenen Bau der 380-kV-Trasse quer durch den Ambergau, die Biogasanlagen sowie die im Bau befindlichen 30 Meter hohen Silos im neuen Gewerbegebiet. Diese Bauwerke würden das Landschaftsbild rund um Bockenem demnächst weiter stark belasten. Wenn dann noch bis zu 15 Windräder zwischen Bockenem und Bornum, mitten im Herzen des Ambergaus, errichtet würden, sei vom Erholungsraum, so wie im aktuellen regionalen Raumordungsprogramm ausgewiesen, nicht mehr viel übrig.
Dies war auch die einhellige Meinung etlicher anderer Diskussionsteilnehmer. Man sei dafür, in erneuerbare Energien zu investieren, müsse allerdings bei der Standortwahl alle Möglichkeiten in Betracht ziehen. Allein die wirtschaftlichen Interessen der Landbesitzer und Investoren seien kein Grund, sich bereits überstürzt im Juni 2012 festzulegen, ohne die Planungen der Nachbargemeinden in die eigene Entscheidung einzubeziehen. Dieses Meinungsbild der SPD-Mitgliederversammlung werde Richtschnur für das Handeln der SPD-Ratsfraktion in den nächsten Monaten sein, hieß es abschließend.