Kommt sogar ein Neubau für die Krippenkinder?

Das Sorgenkind der evangelischen Kindertagesstätte in Bockenem: der Holzanbau aus dem Jahr 1972, in dem die Krippenkinder untergebracht sind. Ohne grundlegende Sanierung droht der Entzug der Betreuungserlaubnis. (Foto: Hinz)

Holzanbau der evangelischen Kindertagesstätte dringend sanierungsbedürftig / Jetzt beraten zunächst die Fraktionen

Von Daniel Hinz
Bockenem

Im Akkordtempo arbeitet sich der Ausschuss für Schule, Jugend und Bürgerangelegenheiten derzeit an den Kindergärten im Stadtgebiet ab. Diesmal war wieder der evangelische Kindergarten in Bockenem an der Reihe. Und hier ist Eile geboten, denn im schlimmsten Fall droht die Schließung der Krippengruppe.
Zurzeit ist diese im Holzanbau untergebracht. Dieser ist jedoch dringend sanierungsbedürftig und für Krippenkinder überhaupt nicht ausgerichtet. Es gibt keine geeignete Wickelgelegenheit, die beiden Turtlebusse sind im Flur untergebracht und der Ruheraum hat nicht genügend Platz, um dort alle Kinder unterzubringen. Darüber hinaus sind Mängel vorhanden, die den Entzug der Betriebserlaubnis nach sich ziehen können. Eine grundlegende Sanierung wäre daher in jedem Fall notwendig. Dafür waren 326.000 Euro veranschlagt, wovon die Stadt 182.000 Euro übernehmen müsste. 32.000 Euro würde das Kirchenamt Hildesheim als Träger übernehmen, 111.000 Euro der Landkreis. In der Ausschusssitzung zwei Wochen zuvor wurde der Architekt damit beauftragt, auch die Kosten für einen kompletten Neubau des Holzanbaus zu veranschlagen. Diese lagen nun vor, sie betragen 438.000 Euro.
„Wir werden das heute noch nicht entscheiden können, sondern müssen uns erst in der Fraktion besprechen“, gaben gleich zu Beginn Ralf Marten (CDU) und Siegfried Berner (SPD) für ihre Parteien bekannt. Getroffen hatte man sich zum Ortstermin direkt im Kindergarten, um sich selbst ein Bild von der Situation machen zu können. Bei einem Rundgang wurde auch der bereits im vergangenen Jahr umgebaute Teil im Obergeschoss begutachtet. „Hier hat sich wirklich etwas getan, das Geld war gut angelegt“, zeigten sich die Ausschussmitgleider zufrieden.
Umso erschrockener waren die Beteiligten aber bei der letzten Sitzung, als erneut ein großer Sanierungsbedarf festgestellt wurde. Architekt Thomas Naumann: „Es gibt einen großen Sanierungsstau. In den letzten zwanzig Jahren wurde kaum etwas gemacht. Daher sind die Kosten nun so hoch.“ Der Anbau aus dem Jahr 1972 müsse zukunftstauglich gemacht werden: Neue Holzbalken, die den heutigen Brandschutzvorschriften entsprechen, Schutzglas für die Fenster, ein separater Eingang für die Krippenkinder, Fluchtwege für Ruhe- und Gruppenraum, Unterstellmöglichkeiten für Kinderwagen und Spielgeräte, ein Wickelraum. Die Idee für einen kompletten Neubau liegt da nicht fern. „Zunächst wäre es etwas teurer, aber danach wäre wohl länger Ruhe in diesem Teil des Gebäudes“, so Architekt Neumann. Einige weitere Vorteile gäbe es zudem: Der Hochwasserschutz kann besser berücksichtigt und der Gruppenraum größer gebaut werden, sodass eine eventuelle Umwidmung in eine Kindergartengruppe möglich wäre. Der Neubau bekäme einen neuen Grundriss. Somit könnten alle Räume etwas größer gestaltet werden – für den jetzt doch sehr beengten Bereich eine deutliche Erleichterung. Auch energetisch käme man auf den neuesten Stand der Technik.
Für die KiTa, vertreten durch die stellvertretende Leiterin Esther Pannek und Mitarbeiterin Jutta Brzoska, war interessant zu hören, wie lange die Bauarbeiten dauern würden. Beide Varianten würden in etwa sechs Monate in Anspruch nehmen, teilte der Architekt mit. Und wann sei mit einer Entscheidung zu rechnen?, ging die Frage an die Politiker. Entscheiden sich die Fraktionen für eine Sanierung, könne dies bei der nächsten Sitzung des Verwaltungsausschusses noch im April entschieden werden. Ein Neubau müsste im Stadtrat beschlossen werden und der tagt erst wieder im Mai. Der geplante Baubeginn noch in diesem Jahr werde in beiden Fällen nur schwer einzuhalten sein, mussten die Beteiligten einräumen. Das Thema wird die Bockenemer somit auch die nächsten Wochen und Monate weiter beschäftigen.