Letze Veranstaltung des Bundes der Vertriebenen

Die Adventsfeier war offiziell die letzte Veranstaltung vor der Auflösung: Bockenems BdV-Ortsverbandsvorsitzender Rudi Meller (Fünfter von links) und seine Vereinsmitstreiter stellten sich zu einem „historischen“ Foto auf.

Bockenemer Ortsverband löst sich zum 31. Dezember auf / Nur noch 17 Mitglieder sind übriggeblieben

Eigentlich war es wie immer. Die Mitglieder des Bundes der Vertriebenen (BdV), Ortsverband Bockenem, waren zur alljährlichen Adventsfeier im Hotel Kniep/Kolle zusammengekommen. Die Tische waren festlich geschmückt, es gab Kaffee und Gebäck, es wurden fröhliche Weihnachtslieder angestimmt und besinnliche Gedichte vorgetragen. Und doch war die Veranstaltung eine besondere. Es war nämlich die allerletzte – nicht in diesem Jahr wohlgemerkt, sondern überhaupt. Die Bockenemer Vertriebenen hatten bereits um Juli dieses Jahres beim Kreisverband Hildesheim-Marienburg Antrag auf Auflösung des Verbandes gestellt, und so wird er per 31. Dezember dieses Jahres aus der Bockenemer Vereinslandschaft verschwinden.

Wenige Mitglieder,
hohe Altersstruktur

Die Probleme sind hier die gleichen, die auch viele andere Vereine plagen: eine mittlerweile zu hohe Altersstruktur und keine Aussicht auf neue Mitglieder. Vorsitzender Rudi Meller, der seit 2001 an der Spitze des Ortsverbandes steht, sieht es ganz nüchtern und realistisch. „Von einstmals mehr als 60 Mitgliedern sind mittlerweile nur noch 17 übriggeblieben; ein Großteil von ihnen ist nunmehr über 80 Jahre alt und teilweise auch körperlich mehr oder weniger eingeschränkt“, sagt Meller, der selbst noch äußerst agil ist und seinem 87. Geburtstag entgegensieht. Vor kurzem erst sei die 2. Vorsitzende Renate Werner verstorben. Stets habe sie das vorweihnachtliche Kaffeetrinken immer musikalisch umrahmt, erinnert sich der Vorsitzende.
Damals wie heute erhebt der BdV den Anspruch, die Interessen der von Flucht, Vertreibung und Aussiedlung betroffenen Deutschen wahrzunehmen. Rudi Meller, vielen Bodenkammern noch als langjähriger Leiter des Hei­matmuseums in Erinnerung, stammt beispielsweise aus Pommern, der überwiegende Teil seiner Vereinsmitstreiter kam und kommt aus allen Teilen Schlesiens, andere aus Ostpreußen. Neben den alljährlichen Tagesfahrten, die in die nähere Umgebung wie nach Hornburg, Hameln oder Bad Pyrmont führten, waren denn auch die Reisen in die frühere Heimat Höhepunkte im Vereinsleben. So wurden zum Beispiel Danzig und auch Kreuzburg angesteuert. Neben der Jahreshauptversammlung standen stets weitere gesellige Aktivitäten auf dem Programm. Unvergessen sind die sommerlichen Grillabende und auch die Zusammenkünfte in „Rudis Weinlaube“.
Ortsverbandsauflösung hin oder her. „Wir tun künftig genau das, was wir auch in den vergangenen Jahrzehnten getan haben – die Heimat im Herzen bewahren“, sagt der Vorsitzende. Und untereinander treffen wird man sich natürlich auch weiterhin.