Meteor: Toyoda Gosei hat Kaufvertrag unterzeichnet!

Toyoda Gosei Meteor GmbH soll das Unternehmen nach Abschluss der Transaktion heißen.

Gerüchte, Unklarheiten, schon eine per Unterschrift vermeintlich besiegelte Übernahme durch den indischen Investor Pawan Kumar Ruia, aus der dann doch nichts wurde, schließlich der Eintritt in das Insolvenzverfahren vor fast genau zwei Jahren:

Hinter den Beschäftigten der Meteor Gummiwerke in Bockenem liegen wirklich harte Wochen, Monate und Jahre voller Ungewissheit. Die Fahrwasser sollten nun aber doch ein wenig ruhiger werden, denn eine Übernahme durch das japanische Unternehmen „Toyoda Gosei“, eine Tochter des riesigen Toyota-Konzerns, ist so gut wie in trockenen Tüchern. Bis vor wenigen Tagen wurde der Name Toyoda Gosei öffentlich von „Meteor“-Seite sicherheitshalber noch nicht in den Mund genommen, doch nun sind sowohl Meteor als auch der Investor an die Öffentlichkeit getreten. Und das aus gutem Grund. Wie Insolvenzverwalter Christopher Seagon wissen ließ, hat Toyoda Gosei am Mittwochabend einen Kaufvertrag für die Übernahme der Vermögenswerte des insolventen Automobilzulieferers aus Bockenem sowie die dazugehörende Meteor Sealing Systems in Dover, USA, und eine 45-prozentige Beteiligung an der LMI Custom Mixing in Cambridge, USA, unterzeichnet. Über Vertragsdetails wie den Kaufpreis wurde allerdings nichts bekannt.
Die endgültige Übernahme steht noch unter verschiedenen Vorbehalten wie der Zustimmung der Gremien und des Kartellamts sowie der Umsetzung vereinbarter Maßnahmen. Dazu zählen unter anderem die Beiträge der Belegschaft sowie die Personalmaßnahmen. Im Gespräch sind noch einmal massive Stellenkürzungen (250 bis 300 Kündigungen) sowie eine Wochenarbeitszeit von 40 statt 37,5 Stunden ohne Lohnausgleich. Der Abschluss der Transaktion wird noch im ersten Halbjahr 2014 erwartet.
„Mit dem Kauf der Meteor Gummiwerke stärkt Toyoda Gosei sein europäisches Geschäft mit Dichtungssystemen für die Automobilindustrie deutlich“, sagte Tadashi Arashima, Präsident von Toyoda Gosei.
Christopher Seagon, der zwei Jahre lang als Insolvenzverwalter fungierte, kann mit der vorgesehenen Übertragung die Standorte in Bockenem und im thüringischen Worbis sowie insgesamt etwa 1100 von 1400 Arbeitsplätzen an Toyoda Gosei übergeben. „Allen Beteiligten, insbesondere Kunden und Interessenten, war klar, dass bei Meteor trotz Insolvenz Fertigungs-Know-how und Fachkompetenz erhalten werden konnte“, sagt Seagon. Seit Mitte vergangenen Jahres sei das Unternehmen wieder bei neuen Aufträgen bedacht worden.
Die neuen Aufträge können nach Aussage Seagons die weggefallenen Aufträge im Umsatz aber nicht kompensieren. Dies hat zur Folge, dass rund 300 Beschäftigte das Angebot erhalten, in eine Transfergesellschaft zu wechseln. Über die Details soll in den kommenden Wochen verhandelt werden, so heißt es.
Nach dem erfolgreichen Abschluss der Transaktion soll das Unternehmen in Toyoda Gosei Meteor GmbH umfirmieren. Ein detailliertes Eingliederungskonzept wird derzeit entwickelt. Burkhard Brühl soll das Unternehmen weiterhin als Geschäftsführer leiten. Ein Vertreter von Toyoda Gosei soll Chairman, also Vorsitzender, von Meteor werden.
Toyoda Gosei habe sich verpflichtet, Investitionen in signifikanter Höhe zu leisten, um die Gläubiger von Meteor zu befriedigen und den Transfer von Neugeschäft zu Meteor zu ermöglichen. Darüber hinaus hieß es, dass die japanische Gruppe Meteor mit prozessualem und operativem Know-how unterstütze, um die Geschäftsentwicklung zu stärken. Daneben soll Toyoda Gosei mit weiteren Investitionen Meteor dabei helfen, Neugeschäft zu akquirieren, und über die internationale Vertriebs- und Produktionsplattform von Toyoda Gosei den Zugang zu neuen Kunden ermöglichen. Es wird erwartet, dass Meteor als Teil der auch von Skaleneffekten profitieren kann, beispielsweise in der Beschaffung. Um die Technologieführerschaft des Unternehmens zu sichern und einen weiteren Ausbau des Geschäfts in Deutschland und weltweit zu ermöglichen, wird Toyoda Gosei die Forschungs- und Entwicklungskompetenzen von Meteor stärken, so hieß es weiter.
Wie der Insolvenzverwalter weiter bekannt gab, hätten sich alle Beteiligten darauf verständigt, Beiträge zu leisten, um die Wettbewerbsfähigkeit des Dichtungsspezialisten wieder herzustellen und eine nachhaltige Unternehmensentwicklung zu gewährleisten. Hierzu gehören auch führende Automobilhersteller und Direktzulieferer, die viel Unterstützung für die Transaktion zeigen.
Die erfolgreiche Sanierung erfordere, so heißt es weiter, auch einen Beitrag der Meteor-Mitarbeiter. Entsprechend hat sich Toyoda Gosei mit den Arbeitnehmervertretern und der Gewerkschaft IG BCE auf ein Maßnahmenpaket für Deutschland verständigt. Die US-Standorte von Meteor sind davon nicht betroffen. Diese Maßnahmen, von denen einige wie die vereinbarten Arbeitszeiten nur zeitlich begrenzt gelten, müssen vor dem Abschluss der Transaktion wirksam umgesetzt werden.

Toyoda Gosei ist ein japanischer globaler Systemanbieter von hochwertigen Automobil-komponenten und LEDs. Das Unternehmen wurde 1949 aus Toyota Motor ausgegliedert. Toyoda Gosei ist an den Börsen von Tokio und Nagoya gelistet und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2012/13 mit 30.000 Mitarbeitern weltweit Umsätze von etwa 5,6 Milliarden Euro.