„Mit 380-kV-Trasse und drei Biogasanlagen hat der Ambergau seinen Beitrag geleistet“

Zu den geplanten Windenergie-Projekten im Ambergau schreibt Manfred Klaube, Bockenem:

Die am 25. Februar von der Stadtverwaltung durchgeführte dreistündige Veranstaltung zu weiteren möglichen Windkraftanlagen im Stadtgebiet verlief rückblickend sehr sachlich und bot ein hohes Maß an Information, was von den vielen Teilnehmern anerkennend vermerkt wurde. Sie zeigte aber auch die zahlreichen Wenn und Aber, mögliche Chancen und diverse Unwägbarkeiten, letztere unter anderem für die Stadt hinsichtlich des zu erwartenden Gewerbesteuererträgnisses. Sie ließ weiterhin erkennen, dass abgesehen von den wenigen in Frage kommenden Landeigentümern, die Pachteinnahmen zu erwarten hätten, Hauptvorteilsnehmer der auswärtige Investor wäre.
Man mag es mir nachsehen, wenn ich im Zusammenhang mit der jetzt anlaufenden Diskussion hier das Problem der Landschaftsbelastung des mit seinen zehn mal zehn Kilometern kleinräumigen Ambergaus mit seinen 18 Ortschaften aufwerfe. Der in Bockenem allzu oft leichtfertig gehandhabte Begriff der Attraktivität der Stadt hat in den letzten Jahren inhaltlich deutlich verloren, wobei sich dieser Trend offensichtlich fortzusetzen scheint. Man betrachte die demographische Entwicklung, die Altstadtentwicklung, Bereiche der gewerblichen und wirtschaftlichen Entwicklung und Aspekte der schulischen und der Landschaftsentwicklung. Es wird mit Blick auf die Landschaftsentwicklung niemand ernsthaft behaupten können, dass die hier in der Vergangenheit vornehmlich aus dem Raum Mahlum/Ortshausen stark bekämpfte oberirdisch verlaufene 380-kV-Trasse und der auf sechs Fahrspuren hin stattfindende Ausbau der Autobahn die Lebensqualität in diesem Raum bereichern würden. Im Gegenteil. Betroffen von der Trasse ist mit Blick auf die Landschaftsbelastung der gesamte nördliche Ambergau und hier besonders stark – zusammen mit dem anvisierten Umbau des dortigen Windparks – das Gebiet der beiden Ilder Dörfer.
Lenken wir hingegen den Blick auf den zentralen Ambergau, so konstatieren wir, dass hier zwischen der Bundesstraße im Westen, der Autobahn im Osten, dem Autobahnzubringer im Süden und der Straße Bockenem-Volkersheim im Norden die gesamte große Fläche von Wohn- und Wirtschaftsbebauung inzwischen zu etwa 80 Prozent besetzt beziehungsweise beplant ist, das Industriegebiet-Nord gar nicht einmal eingerechnet.
Der nunmehr diskutierte Bau weiterer Windkraftanlagen – erörtert werden insgesamt 9 bei Ilde und/oder 2 bis 3 neue bei Volkersheim und 11 bis 15 zwischen dem Autobahnzubringer und Bornum – würde den Ambergau insbesondere dadurch erheblich weiter belasten, als hier dann vor allem modernere und leistungsstärkere Anlagen entstehen würden, deren Gesamthöhe mit 185 Metern – das ist in etwa dreimal die Höhe des Turmes der St. Pankratius-Kirche – zusammen mit den mächtigen Masten der 380-KV-Trasse ein völlig verändertes Gesamtbild schaffen würde. Ob eine solche Veränderung dazu angetan wäre, die vielzitierte Attraktivität und die Lebensqualität im Ambergau zu befördern, darüber mag man streiten. Veränderungen hat es immer gegeben, und neue Entwicklungen setzen neue Akzente. Ob es jedoch erforderlich und vertretbar ist, ausgehend von 1995 binnen 20 Jahren durch unterschiedliche Maßnahmen und Vorhaben dem Ambergau seinen in Jahrhunderten gewachsenen Landschaftscharakter mit einer zwischen Bornum und Bockenem vorgeschlagenen großen Windkraftanlage auf Höhe des Königturms und mit der inzwischen planerisch festliegenden oberirdisch verlaufenden mächtigen 380-kV-Trasse zu nehmen und dafür dann auch noch übergeordnete Gesichtspunkte ins Feld zu führen, ist mehr als fraglich. Allein mit der 380-kV-Trasse und den drei gebauten Biogasanlagen hätte der Ambergau meines Erachtens seinen Beitrag für das neue energiepolitische Gesamtszenario vollends geleistet.