MTV Bockenem: Rücktritt nach Abstimmungsniederlage

Mitglieder stimmen für weitere Gespräche mit dem TC Ambergau / Drei Vorstandsmitglieder treten zurück / Peter Mosig übernimmt kommissarisch

Soll der MTV Bockenem weitere Gespräche zwecks einer Fusion mit dem Tennisclub Ambergau führen, oder nicht? An dieser Frage entzündete sich bei der Jahreshauptversammlung am Mittwochabend eine ausführliche Diskussion zwischen Befürwortern und Gegnern.

Das Ende vom Lied: Drei der fünf Vorstandsmitglieder, der 1. Vorsitzende Götz Bangert, Schriftführerin Janet Gubitz und Kassenwart Hans-Günther Thomas legten ihre Ämter nieder.
Zur Vorgeschichte: Bei der vergangenen Versammlung vor einem Jahr stimmten die MTV-Mitglieder fast einstimmig dafür, Gespräche mit dem TC aufzunehmen. Vorstandsmitglieder beider Vereine trafen sich daraufhin. Von Seiten des MTV-Vorstandes hieß es im Herbst 2013 dann allerdings: Keine weiteren Gespräche. Als Grund nannte der 1. Vorsitzende Götz Bangert unter anderem zu hohe nötige Investitionen für das Vereinsheim, nicht absehbare Folgekosten und ungeklärte Aufsichtsfragen.

Bangert: Nachteile überwiegen auf lange Sicht

„In dem Haus gibt es keine Heizung, es wäre aktuell also nur in den Sommermonaten nutzbar. Erd- und Obergeschoss sind zudem räumlich getrennt, sanitäre Anlagen gibt es nur im Obergeschoss“, nannte Bangert seine Bedenken. Das Gelände wäre seiner Meinung nach nur für den Tennissport nutzbar. Die Idee, eine Art Fitnessstudio einzurichten, sei nur mit erheblichen Kosten möglich. Auch die anschließende Pflege sei aufwendig. Schon für die Instandhaltung der Laufbahn im Karl-Binder-Stadion fänden sich nur wenige Helfer.
„Als Resultat wurde laut Satzung der erweiterte Vorstand einberufen, bestehend aus Vorstand und den Abteilungsleitern. Nach langer Diskussion wurde mit deutlicher Mehrheit entschieden, dass wir der JHV empfehlen werden, dass es keine weiteren Gespräche bezüglich einer Kooperation mit dem TCA geben wird, da wir langfristig für den MTV mehr Nachteile als Vorteile sehen. Diese Entscheidung ist dem Vorstand des TCA in einem Gespräch mitgeteilt wurden. Als Vorstand haben wir sorgfältig und ausführlich die uns übertragenen Arbeiten erledigt und wir haben es uns nicht leicht gemacht. Wir denken im Sinne des MTV gehandelt zu haben“ beendete Bangert seine Ausführung.
In der aktuellen Mitgliederzeitung erschien im Februar nun ein Leserbrief vom langjährigen Vorsitzenden Peter Mosig sowie Marlene Fahnemann und Klaus Dieter Deist, in dem diese die Weiterführung der Gespräche fordern. Gleichzeitig formulierten sie auch einen Antrag. Wörtlich lautet er: „Der MTV-Vorstand möge Gespräche mit dem Vorstand des Tennisclubs Ambergau führen (beginnend im 1. Halbjahr 2014) mit dem Ziel der Fusion beider Vereine. Der TCA sollte nach der Fusion als Tennisabteilung des MTV weiter existieren. Einzelheiten werden in den Gesprächen zwischen beiden Vereinen vereinbart. Der Vorsitzende führt gemeinsam mit 4 MTV-Mitgliedern, die er bestimmt, die Verhandlungen.“

Mosig: Tradition braucht Innovation

Mosig begründete den Antrag, auch im Namen seiner Mitunterzeichner, mit einem ausführlichen Vortrag: „Was können wir machen, damit der MTV auch im Jahr 2030 noch sinnvoll aufgestellt ist? Eine Fusion mit dem TCA gibt uns die Möglichkeit der Neuaufstellung. Wir hätten endlich ein eigenes Vereinsheim und könnten dort ein Angebot für die ganze Familie aufbauen.“ In der heutigen Zeit seien flexible und individuelle Nutzungsmöglichkeiten wichtig: „Es gibt viele, die gerne etwas für ihre Fitness tun, sich aber nicht auf bestimmte Trainingszeiten festlegen wollen.“ Beide Seiten brächten etwas in die „Ehe“ mit ein: Der TC das Gelände und den Tennis als neue Sparte, der MTV die Mitglieder. „Tradition braucht Innovation“ schloss er seinen Vortrag.
Unterstützung erhielt er unter anderem von Marlene Fahnemann: „Es fehlt in Bockenem einfach ein Vormittagsangebot. Viele Einwohner fahren dafür in Nachbargemeinden. Wir müssen in die Zukunft denken und versuchen, gerade das ‘Mittelalter’ hier zu halten.“ Pläne haben die Befürworter reichlich. So sei es zum Beispiel möglich, sollte es einmal keine Tennisspieler mehr geben, auf dem Gelände, eine kleine Gymnastikhalle zu bauen. Das würde auch die Problematik der Hallenzeiten entschärfen. Allgemein gäbe es viel mehr Möglichkeiten für den größten Verein Bockenems.
Auch Gerhard Lobes, gleichzeitig MTV-Mitglied und TCA-Vorsitzender, sprach sich erwartungsgemäß für weitere Gespräche aus. Er wies daraufhin, dass mit weiteren Verhandlungen noch keine Entscheidung für eine Fusion getroffen werde. Man solle sich nicht in Kleinigkeiten aufhalten, sondern noch einmal zusammensetzen.
Für die Gegenseite sprach vor allem Schriftführerin Janet Gubitz. Sie erklärte, dass man sich die Entscheidung nicht leichtgemacht habe. Aber nach vielen internen Sitzungen sei man mehrheitlich zu dem Schluss gekommen, dass das Risiko zu groß sei. Zudem widersprach sie der Darstellung, dass die Leute nicht zu festen Zeiten kämen. Das belägen beispielsweise die stabilen Mitgliederzahlen. Für ein ganztägiges Angebot müsse es auch die entsprechenden Übungsleiter geben. In anderen Vereinen würden diese deutlich mehr Geld erhalten. Ein weiterer unsicherer Kostenfaktor. „Wir sind ein Sportverein mit geringen Beiträgen und kein Fitnessstudio. Im Vergleich zu Hildesheim oder Braunschweig sind wir zudem klein. Trotzdem braucht der MTV keine Angst vor der Zukunft zu haben“, wollte Gubitz die Argumente der Gegenseite entkräften. Kassenwart Hans-Günther Thomas sprang ihr bei: „Wir haben über 100 Punkte abgearbeitet und sind zu dem genannten Ergebnis gekommen.“

Deutliche Mehrheit für weitere Gespräche

Nach der langen Diskussion kam es zur Abstimmung über den Antrag. Mit 23 Ja- und zwölf Nein-Stimmen bei drei Enthaltungen wurde er mit deutlicher Mehrheit angenommen. Daraufhin zog sich der Vorstand zurück und als er nach rund zehn Minuten wiederkam, platzte die Bombe: Kassenwart Hans-Günther Thomas und Schriftführerin Janet Gubitz, die im Laufe der Versammlung noch wiedergewählt wurde, stellten ihre Ämter zur Verfügung.
„Dieselbe Arbeit, die uns nun aufgetragen wurde, haben wir im vergangenen Jahr schon einmal erledigt. Da bekommt man das Gefühl, dass die Mitglieder einem nicht vertrauen. Außerdem erweckt es den Eindruck, dass so lange Gespräche geführt werden sollen, bis das passende Ergebnis herauskommt“, begründete Gubitz. Thomas stimmte ihr zu.
Daraufhin erklärte auch der 1. Vorsitzende Götz Bangert seinen Rücktritt. „Schon die Gespräche im letzten Jahr nahmen viel Zeit in Anspruch, worunter meine Familie gelitten hat. Jetzt erneut Verhandlungen zu führen und gleichzeitig zwei neue Vorstandsmitglieder zu suchen, kann ich nicht leisten“, erklärte er seinen Schritt.
Somit verblieben im Vorstand vorerst lediglich Urgestein Oda Saling als 2. Vorsitzende und Eva Lignow, die als Sportwartin tätig ist. Saling gab an, ihren Posten als 2. Vorsitzende gerne weiterzuführen, für die Vereinsspitze aber nicht zur Verfügung zu stehen. Auch Lignow stellte klar, dass sie aus beruflichen Gründen den Verein nicht führen könne. Sie rief die Mitglieder auf, ihnen beiden zur Seite zu stehen.
Und mit dem Aufruf hatte sie schnell Erfolg, zumindest übergangsweise. Peter Mosig, der erst im letzten Jahr das Amt des Vorsitzenden aufgegeben hat, wird kommissarisch den Job wieder übernehmen. Als Kassenwart hilft Klaus Dieter Deist und als Schriftführerin konnte Janet Gubitz doch noch überzeugt werden, vorerst weiterzuarbeiten. Auch Marlene Fahnemann bot an, dem Vorstand zu helfen. Der turbulente Abend nahm letztlich also doch noch ein gutes Ende.