„Oberschule kommt zu richtiger Zeit am richtigen Ort“

Der Niedersächsische Kultusminister Bernd Althusmann sprach beim Kaminabend des CDU-Stadtverbandes Bockenem über das Thema „Die Schulen im ländlichen Raum“. (Foto: Vollmer)
 
Der Niedersächsische Kultusminister Bernd Althusmann sprach beim Kaminabend des CDU-Stadtverbandes Bockenem über das Thema „Die Schulen im ländlichen Raum“. (Foto: Vollmer)

Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann beim traditionellen „Gespräch am Kamin“ der CDU Bockenem

Das „Jägerhaus im Hainberg“ ist in politi­schen Kreisen bestens bekannt. Schließlich geben sich dort beim „Gespräch am Kamin“ des CDU-Stadtverbandes Bocke­nem in jedem Jahr prominente Gäste die Klinke in die Hand. Christian Wulff war schon da, David McAllister ebenfalls. Auf der Liste der Redner steht nun auch Niedersachsens Kultusmi­nister Bernd Althusmann.

Bockenem (vo). „Wir freuen uns sehr darüber, von ihm etwas über die Zukunft der Schulen im ländlichen Raum zu erfahren“, sagte die CDU-Stadtverbandsvorsitzende Chri­stina Philipps. Vor Ort gebe es hervorragende Schulen. „Wir möchten, dass es in Sachen Bildung erfolgreich im Ambergau weiter geht“, betonte Philipps vor über 100 Gästen, die sich zur Einstimmung erst einmal die „Harzer Schmorwürste“ schmecken ließen.
Der Kultusminister unterstrich, dass immer mehr Eltern bei der Wahl der Bildungseinrichtung ihrer Kinder auf Gymnasien setzen. Die Durchschnittszahl liegt bei 41 Pro­zent, Experten erwarten bald schon 50 Prozent. Althusmann begrüßte es ausdrücklich, ab 2014 ein länderübergreifendes Abitur anzubieten. Als bekennender Anhänger des Bildungs­förderalismus sprach er sich für eine behutsame Weiterent­wicklung aus. Es könne nicht sein, dass Familien bei einem Umzug auf ein völlig neues Bildungssystem stießen.
Thema des Abends war natürlich die neue Schulstruktur in Nieder­sachsen mit der Einführung der Oberschule. Dieser Schritt sei von der Landesregierung eine richtungsweisende Entschei­dung gewesen. „Die Oberschule ist ein qualitätsvolles und wohnortnahes Bildungsangebot für ganz Niedersachsen. Die Einführung bietet den kommunalen Schulträgern mehr Flexi­bilität und damit eine langfristige Perspektive zur zukunftsfe­sten Gestaltung der Schullandschaft vor Ort“, sagte Althus­mann. Insbesondere für den ländlichen Raum sei die neue Schulform ein passgenaues Angebot und eine hervorragende Ergänzung zu den starken Gymnasien. Zum 1. August würden zudem 2000 neue Stellen für Lehrkräfte geschaffen. „Ziel ist es, eine Unterrichtsversorgung auf hohem Niveau zu halten“, erklärte der Minister. Eine gute Schule könne grundsätzlich unabhängig von der Schulstruktur stattfinden. Dabei müssten die Rahmenbedindungen, wie zum Beispiel die Unterrichts­versorgung, die Inhalte oder Qualitätssicherungsmaßnahmen näher beleuchtet werden.
Althusmann bedauerte, dass einige Kommunen dem alten Modell hinterherlaufen würden. „Die Oberschule kommt zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, unter­strich der Vorsitzende der Kultusministerkonferenz. Die Ober­schule würde alle anderen Schulformen bis auf das Gymna­sium ersetzen. Die neue Form ermögliche zudem auch ein ge­meinschaftliches Lernen mit schulwächeren Kindern.
„So um­fassend sind wir noch nie in Sachen Bildungspolitik informiert worden“, sagte Christina Philipps nach der knapp einstündigen Rede. Bei der anschließenden Diskussion bedauerte der Leiter der Ambergauschule, Dietmar Hedrich, dass die Hauptschulen anscheinend den Berg runtergefallen seien. Das würde nicht an der Arbeit der Lehrer liegen. Die Eltern hätten die Abstimmung mit den Fü­ßen vorgenommen. Hedrich erinnerte daran, dass sich Bocke­nem für eine Kooperative Gesamtschule beworben hatte. Den Zuschlag habe dann Bad Salzdetfurth bekommen. „Die Ab­wanderung zur IGS ist enorm. Das tut dem Schulstandort Boc­kenem schon weh“, so Hedrich. Der Kultusminister entgegnete darauf, dass die Pädagogen in den Hauptschulen ausgespro­chen engagiert seien. Es handele sich durchaus um eine lei­stungsfähige Schule. Allerdings würden 70 Prozent der Haupt­schulen unter der vorgeschriebenen Zweizügigkeit liegen. In der Landeshauptstadt Hannover gebe es nur noch 70 Haupt­schüler.