Offiziell: Meteor Gummiwerke GmbH meldet Insolvenz an

Die Meteor-Gummiwerke in Bockenem stehen vor einer schwierigenZukunft; das Unternehmen hat beim Amtsgericht Hildesheim wegen drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung Insolvenz angemeldet. Heute um 13 Uhr hat der Betriebsrat zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung eingeladen. (Foto: Knoblich)

Zweitgrößter Arbeitgeber des Landkreises Hildesheim steckt in Zahlungsschwierigkeiten / Heute außerordentliche Betriebsversammlung

Nun ist es also offiziell: Der Dichtungsspezialist Meteor hat Insolvenz angemeldet. Die Meteor Gummiwerke GmbH mit Sitz in Bockenem und ihre Tochtergesellschaft Meteor Weigelt GmbH aus Bietigheim-Bissingen bei Stuttgart haben am Freitag beim Amtsgericht in Hildesheim wegen drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Das teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Christopher Seagonvon der Heidelberger Kanzlei Wellensiek mit. Er traf bereits am Freitagabend in Bockenem ein, um mit der Geschäftsführung erste Gespräche über die Zukunft zu führen. Es gilt als sicher, dass der indische Investor Ruia zum wiederholten Male vereinbarte Zahlungen nicht geleistet habe.
Ziel sei es zunächst, den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten und die Voraussetzung dafür zu schaffen, die Standorte und möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern. Meteor produziert bekanntermaßen Dichtungen und Dichtsysteme, die unter anderem in Autos, Bahnen, Flugzeugen und Gebäuden eingesetzt werden.
Die Gruppe erwirtschaftet nach eigenen Angaben mit weltweit etwa 2.300 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von etwa 221 Millionen Euro. Meteor ist mit 1800 Mitarbeitern in der Zentrale in Bockenem nach Bosch der zweitgrößte Arbeitgeber im Landkreis Hildesheim. Der Betriebsrat hat für den heutigenMontag um 13 Uhr per Aushang zu einer außerordentlichen Betriebsversammlung eingeladen.Hier will Insolvenzverwalter Seagon weitere Informationen zum vorläufigen Insolvenzverfahren geben.
Mit Blick auf die Belegschaft wurde verkündet, dass die Löhne und Gehälter bis Ende März gesichert sind. Nach „Beobachter“-Information, sind die im Unternehmen angeheuertenZeitarbeiter allerdings bereits nicht mehr beschäftigt. Der Verzicht der Mitarbeiter auf das letztjährige Weihnachtsgeld sollte noch maßgeblich dazu beitragen, dass das Traditions-Unternehmen weiter am Markt operieren kann.
Seit Monaten schon kursierten Gerüchte über die Liquiditätsprobleme des Automobilzulieferers. Bereits im Jahr 2010 hatten die Mitarbeiter auf ihr Weihnachtsgeld verzichten müssen, um das Unternehmen über Wasser zu halten. Das Geld für die rund 1800 in Bockenem und weiteren 300 in Worbis Beschäftigten sollte nachgezahlt werden.
Über die Gründe, warum das Unternehmen in die Insolvenz geschlittert ist, wird weiter spekuliert.
In jüngster Vergangenheit wurde dem neuen Eigentümer, dem indischen Investor Pawan Kumar Ruia von Insidern vorgeworfen, sich bei seiner „Einkaufstour“, bei der er mehrere europäische Firmen aus dem Bereich Gummi-Industrie an sich ziehen wollte, völlig übernommen zu haben. Außerdem, so hieß es aus dem Umfeld des Unternehmens, seien die Rohstoffpreise für die Produktion stark gestiegen, was ebenfalls zu neuen Schwierigkeiten in einer ohnehin bereits schwierigen Marktsituation geführt habe.
Informiert wurde über die Insolvenz auch das niedersächsische Wirtschaftsministerium. Im Juli hatte das Land dem Unternehmen noch mit einer Bürgschaft von zehn Millionen Euro geholfen, einen finanziellenEngpass zu überbrücken.
Wie es mit Meteor weiter geht, bleibt erst einmal offen.Ziel einer Insolvenzverordnung ist es, möglichst viele Arbeitsplätze zu halten. Da Meteor ein wichtiger Zulieferer für die Automobilindustrie ist, kann diese nicht so einfach auf die Produkte verzichten. Der Gewerkschaftsvertreter Peter Winkelmann geht davon aus, dass das Unternehmen weiter bestehe, auch wenn mit dem Verlust vieler Arbeitsplätze zu rechnen ist. Für den Ambergau wäre das ein herber Schlag. Zahlreiche Menschen aus der Region haben bei Meteor ihr Geld verdient. Wie es nun weiter geht, ist offen. Der „Beobachter“ wird weiter zum Thema berichten.