Probenmarathon in Bockenemer Turnhalle

Regisseur Michael Kemper (rechts) dirigiert die jungen Darsteller auseinander und macht aus einem Pulk von Menschen eine Aufstellung im Halbkreis für das nächste Lied.

Wiederaufnahme des Musicals „Brandnacht“: SingAkademie mit Disziplin, Idealismus und viel Musik

Bockenem/Hildesheim (bo). Die Uraufführung liegt mehr als ein Jahr zurück, jetzt bringt die SingAkademie Niedersachsen das Rockmusical „Brandnacht“ erneut auf die Bühne – mit zusätzlichen Liedern, einigen neuen Darstellern und spannenden Veränderungen in der Handlung. Für das Ensemble bedeutet das ein strammes Probenpensum, denn jede Szene muss neu erarbeitet, jede Position noch einmal festgelegt, jedes Lied wiederholt werden.
Jetzt, kurz vor der Wiederaufnahme im Theater für Niedersachsen, trafen sich sämtliche Darsteller/innen zu einem Probenmarathon in einer Turnhalle in Bockenem. Den größten Teil des Ensembles machten dabei die 20 musikbegeisterten jungen Laiendarsteller/innen der Jungen SingAkademie aus dem Landkreis Hildesheim aus. Zusammen mit ihnen werden in den Hauptrollen Profi-Sänger/innen auf der Bühne stehen. Das ganze Wochenende wurde von früh bis spät durchgeprobt.
Die Arbeitsatmosphäre ist gleichzeitig entspannt und konzentriert. Regisseur und Choreograph Michael Kemper dirigiert die Mitwirkenden mit klaren Anweisungen. Gerade sind Imke Axmann als Amelie und Johannes Schleker als Josef eine Szene durchgegangen, in der zaghaft Verliebtheit zwischen den beiden jungen Leuten aufflammt, sie ihr erstes Date verabreden. Der gesellschaftliche Abstand zwischen der wohlbehüteten Kaufmannstochter und dem selbstbewussten Maurergesellen scheint schon auf – schließlich spielt das Musical im 19. Jahrhundert und erzählt die fiktive Vorgeschichte des verheerenden Brandes, der 1847 die Fachwerkstadt Bockenem in Flammen versinken ließ.
Nun muss das verliebte Stelldichein in andere Szenen eingebettet werden, die Jugendlichen kommen dazu. Kennt jeder seine Position? Einige waren im letzten Jahr nicht dabei, müssen erst ihren Platz in der Anordnung finden. Die Szene erfordert große Präzision; es gibt nur wenig Bewegung, doch die muss exakt im Timing sein. Das klappt nur mit Disziplin, immer wieder werden Auftritte und Abgänge geprobt, verändert, wiederholt. „Das wird hier von sehr viel Idealismus getragen“, erklärt Andreas Rien, mitverantwortlich für die Organisation, den unermüdlichen Eifer.
Alle stehen, wie sie sollen, und singen: Von der Enge der Stadt, von ihrer Sehnsucht nach Freiheit und Veränderung, für die die Alten kein Verständnis haben. Stefan Wurz, Komponist und musikalischer Leiter, steht mit einem Kaffeebecher in der Hand dabei, schaut zu und blättert die Noten um für seinen Bruder Tillmann, der die Sänger/innen als Korrepetitor begleitet.
Die Premiere der Wiederaufnahme ist am Freitag, 4. November, um 19.30 Uhr in Soltau, und am Sonnabend, 5. November, ist das Stück um 20 Uhr im Theater für Niedersachsen in Hildesheim zu erleben.

Karten für die Aufführung im TfN zum Preis von 16, 19 und 23 Euro sowie 9 Euro für Schüler/innen und Studierende gibt es an den üblichen Vorverkaufsstellen und im Internet unter www.brandnacht-musical.de.