„Qualität der Rüben muss bis Kampagnen-Ende erhalten bleiben!“

Großes Interesse: Etwa 80 Gäste nahmen an der Winterversammlung des Zuckerrübenanbauerverbandes Niedersachsen-Mitte in Bönnien teil. (Foto: Vollmer)

Versammlung in Bönnien: Zuckerrübenanbauer sind mit der Erntemenge zufrieden, mit dem Zuckerertrag eher weniger

Bönnien (vo). Es war eine außergewöhnliche Rübenernte mit weniger Zucker – so lautete der Tenor bei der Winterversammlung des Zuckerrübenanbauerverbandes Niedersachsen-Mitte in Bönnien. Schwierige Bedingungen seit Mitte November durch nasse Böden, eisige Temperaturen und starke Schneefälle erforderten erhebliche Anstrengungen, um die Rübenanlieferung in die Zuckerfabriken nicht zum Erliegen zu bringen. Die Rübenkampagne konnte witterungsbedingt erst Mitte Januar abgeschlossen werden.
„Der Ertrag stimmte noch einigermaßen, aber die Rüben hatten zu wenig Zucker. Im Ergebnis fehlen uns daher knapp zehn Prozent vom durchschnittlichen Zuckerertrag und somit auch ein entsprechender Umsatz“, betonte Ralf Tegtmeyer, stellvertretender Vorsitzender des Zuckerrübenanbauerverbandes Niedersachsen-Mitte vor rund 80 Gästen. In der langen Rübenkampagne bis in den Januar hinein sehen viele Rübenanbauer Nachteile.
Auch Tegtmeyer gab zu bedenken, dass Klima und Witterung in Norddeutschland natürliche Grenzen setzen: „Es muss daher auch zukünftig sichergestellt werden, dass die Qualität der Rüben bis zum Ende erhalten bleibt und nicht durch Frost und Wiederauftauen gefährdet wird.“ Gerade vor dem Hintergrund, dass Ackerfläche derzeit für zahlreiche Nutzungen wie Getreide und Raps sehr gefragt sei, benötigen die Rübenanbauer attraktive Rübenpreise, damit auch genügend Rüben zur Auslastung der Zuckerfabriken angebaut werden, so Tegtmeyer.
Franz Hesse von der Zuckerfabrik Nordstemmen bezeichnet die abgelaufene Kampagne als durchwachsen. „Die Witterungsbedingungen 2010 führten in der Region Ambergau mit 11,5 Tonnen Zucker je Hektar zu einem leicht unterdurchschnittlichen Ertrag“, berichtete der Experte. Hesse unterstrich, dass alle an Ernte, Verladung und Transport beteiligten Personen und Organisationen enorme Anstrengungen unternommen hätten, die Rübenversorgung der Zuckerfabrik insbesondere in den letzten Kampagnewochen sicherzustellen. „Eis und Schnee, schlecht geräumte Straßen, unpassierbare Feldwege und festgefrorene Abdeckvliese waren nur mit äußersten Kraftanstrengungen aller zu bewerkstelligen. Dafür gebührt allen Beteiligten ein großer Dank“, meinte der Vertreter der Zuckerfabrik. Zur Würdigung der zahlreichen Hürden zahlt „Nordzucker“ den Landwirten und Logistikpartnern einen Erschwernisausgleich.
Zur Wirtschaftlichkeit des Zuckerrübenanbaus erläuterte Dr. Clemens Becker, Geschäftsführer des Zuckerrübenanbauerverbandes, dass die Rübe vielen anderen Feldfrüchten bisher wirtschaftlich deutlich überlegen war. Mit dem Anstieg der Preise für andere Feldfrüchte wie Weizen und Raps bekomme der Zuckerrübenanbau jedoch zunehmend Konkurrenz. Dennoch stellte Becker fest: „Die Zuckerrübe gibt unseren Betrieben Stabilität und Planungssicherheit gerade bei schwankenden Märkten“. Clemens Becker animierte die Rübenanbauer, alle Reserven zu nutzen, um einen möglichst hohen und stabilen Zuckerertrag zu erzielen. „Neue Erntetechniken gewährleisten, dass möglichst viel der gewachsenen Rüben auch tatsächlich geerntet werden. Dies ist unverzichtbar für die Wettbewerbsfähigkeit des Zuckerrübenanbaus“, ergänzte Becker.
Dr. Andreas Windt von der Nordzucker AG zeigte auf, das es für die Zuckerrübe zurzeit viele gute Verwertungsmöglichkeiten gäbe. Neben der Erzeugung von Zucker und Ethanol etabliere sich die Zuckerrübe verstärkt für die Verwendung als Substrat in Biogasanlagen. Dieses spiegele sich auch im Preis wieder. „Bereits heute steht fest, dass für Überrüben in der Kampagne 2011 gute Preise gezahlt werden“, so Windt. Nordzucker sehe daher gute Perspektiven für eine Ausdehnung des Rübenanbaus. Andreas Windt betonte, dass Nordzucker an einer engen Kommunikation mit den Rübenanbauern interessiert sei. Hierzu zähle auch eine intensive Anbauberatung.
Bei den turnusgemäß stattfindenden Wahlen zur Regionalvertretung des Zuckerrübenanbauerverbandes Niedersachsen-Mitte wurden die Rübenanbauer Andreas Lauenstein (Bültum) und Achim Lindenberg (Hackenstedt) gewählt.