Schulbezirke sollen nun doch erhalten bleiben

Rektorin Dagmar Pallinger (Mitte), hier bei der Enthüllung des neuen Schullogos im Mai dieses Jahres, sieht keine Gefahr für die Bockenemer Oberschule.

Kreistagsmehrheit ist gegen Plan der Verwaltung / Pallinger: „Abschaffung wäre eine Mogelpackung“

In den letzten Wochen war es an den Schulen im Landkreis ein heißes Thema: Die Verwaltung hatte die Idee, die Schulbezirke auch für Real-/Haupt- und Oberschulen abzuschaffen. Diesem Plan hat die rot-grüne Kreistagsmehrheit nun vorerst eine Absage erteilt. Sie möchte die Bezirke beibehalten.
Laut ihrer Meinung hätten gerade die neuen Oberschulen noch gar nicht genügend Zeit gehabt, um ein eigenes Profil zu entwickeln. Den dass war einer der Gründe, warum die Verwaltung den Plan vorgelegt hatte. Sie wollte erreichen, dass die Eltern ein entsprechendes Profil wählen könnten, wohin sie ihr Kind schicken. Zudem hätten die Schulen zunächst das Thema Inklusion vor sich. Nach Meinung der Mehrheitsfraktion hätten es gerade kleinere Schulen schwer gehabt, sich gegen die großen durchzusetzen.
Im Gespräch mit dem „Beobachter“ zeigte sich Bockenemes Oberschuldirektorin, Dagmar Pallinger, allerdings optimistisch: „Wir sind sehr gut aufgestellt. In Bockenem braucht niemand Angst haben, dass die Schule geschlossen wird. Wir haben unsere Schülerzahlen in den letzten Jahren sogar steigern können.“ Selbst im siebten Jahrgang, dem Jahr, als die IGS in Bad Salzdetfurth eröffnet wurde, kämen inzwischen viele Schüler wieder zurück.
Insgesamt gehen auf die Oberschule Bockenem derzeit 586 Schülerinnen und Schüler. Davon sind 362 aus dem Stadtgebiet, die größte auswärtige Gruppe kommt mit 148 aus der Gemeinde Holle. 56 weitere aus Seesen, 17 aus Bad Salzdetfurth und jeweils ein Schüler aus Hildesheim und Diekholzen.
Der Meinung, dass sich die Holler Schüler nach einer Abschaffung der Bezirke für andere Schulen entscheiden würden, stellt sich Dagmar Pallinger ebenfalls entgegen: „Die Holler können zum Teil jetzt schon wählen. Ihnen stehen die IGS oder die konfessionellen Schulen in Hildesheim zur Verfügung.“ Doch es habe nicht nur dort herumgesprochen, dass die Qualität in Bockenem sehr hoch sei. Mit vielen Angeboten habe man sich einen guten Ruf erworben, so Pallinger. Zudem sei die Wahlfreiheit eine Mogelpackung. Denn die Transportkosten würden weiterhin nur bezahlt wie bisher. Würde man zum Beispiel von Holle in Schulen im Nord- oder Westkreis gehen wollen, würde dies erhebliche Mehrkosten für die Eltern bedeuten. Zudem seien die Bus- und Bahnverbindungen nicht gegeben.
Auch Eltern und Schüler der Oberschule haben sich für die Schulbezirke ausgesprochen. Sie sind der Meinung, dass die Schulen gegeneinander ausgespielt werden würden. Eine Schule müsse eine Regionalschule sein.
„Unsere Schule ist zwar nicht die größte, aber sie ist übersichtlich und hat eine gute Qualität. Die Abgänger kommen auch in den Berufsschulen gut zurecht“, erklärt Dagmar Pallinger abschließend, „ich sehe es gelassen, wenn die Schulbezirke doch noch abgeschafft werden sollten.“
Ganz vom Tisch ist das Thema indes noch nicht. Die Schulen sollen bis zum 26. Oktober bei der Verwaltung ihre Meinung abgeben. Der Schulausschuss könne sich dann in seiner Novembersitzung beraten und der Kreistag im Dezember endgültig entscheiden, so der Plan der Verwaltung.