Schulmuseum öffnet seine Pforten

In dem alten Klassenzimmer können die Besucher hautnah erleben, wie es früher zuging im Unterricht.

„Deutsch“, „Sütterlin“ und „Lateinisch“ – drei Schreibweisen stehen im Mittelpunkt

Ab Sonntag, 1. Mai, ist das Schulmuseum in der Domäne Marienburg wie an den folgenden ersten Sonntagen in den Sommermonaten (5. Juni, 3. Juli, 7. August, 4. September, 2. Oktober) von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Zusätzliche Termine für die normalen Öffnungszeiten sind dienstags von 9 bis 12 Uhr und mittwochs von 15 bis 18 Uhr.

Bockenem/Hildesheim (bo). Jeweils sonntags führt die Stiftung Schulmuseum im Rahmen des Themenjahres 2011 von Hildesheim Marketing „Leben lernen lernen leben“ Zeitreisen ins 19./20. Jahrhundert durch. Diese Zeitreisen stehen unter dem Aspekt: „Alphabetisierung in historischen Lebenszyklen“. Sie berücksichtigen, dass Menschen des vorigen Jahrhunderts drei unterschiedliche Lernzugänge zum Schreiben und Lesen zu bewältigen hatten: Die „Deutsche“ Schreibweise bis etwa 1925. Ab diesem Zeitabschnitt wurde sie abgelöst durch die Sütterlin-Schreibweise. Seit 1942/1950 wird das Alphabet-Schreiben und Lesen von der „Lateinischen Schulausgangsschrift“ bestimmt.
Diese drei Schreib-Lese-Zugänge haben verschiedene Generationen unterschiedlich geprägt.
In Schülerschreibheften, aber auch in eigenen Schreibversuchen im Scriptorium des Schulmuseums kann dies von Klein und Groß nachvollzogen werden. Zugleich kann verfolgt werden, wie die handschriftliche Mitteilung in dem Maße an Bedeutung verliert, als mediale Ersatzformen wie die Schreibmaschine, Telefon, Telegraphie, mobile Kommunikationsformen wie Handy und Formen der Computerkommunikation von der Gesellschaft akzeptiert und benutzt werden. Auch das Fach „Schönschreiben“ in den Grundschulen dient nicht mehr als korrektiv.
Bei diesem Wandel zeigt sich nicht nur eine eklatante Vernachlässigung der Handschrift, wie sie in alten Urkunden und Poesiealben zu bewundern sind, sondern auch eine vermehrt auftretende Zahl von erwachsenen Analphabeten in der sogenannten „Bildungsgesellschaft“, in der die Bedeutung einer gepflegten Handschrift in Misskredit zu geraten scheint.