Seit 500 Jahren tut sie ihre Dienst

Im Turm der Ilder St.-Lamberti-Kirche ruft seit 500 Jahren die Glocke „Anna“ zu den Gottesdiensten. (Foto: Vollmer)

Glocke „Anna“ läutet die Groß Ilder seit einem halben Jahrtausend in die Kirche

Seit 500 Jahren ruft „Anna“ die Groß Ilder zum Gottesdienst in die St.-Lamberti-Kirche. Dieser Geburtstag ist für die Gemeinde allemal ein Grund dazu, die Geschichte ihrer kleinen Glocke näher zu betrachten. Doris Haars hat in den vergangenen Monaten viele Bücher und Akten gewälzt, um nähere Einzelheiten zu erfahren. All die Fakten hat die Ilderin in einer Festschrift dokumentiert, die in einer limitierten Auflage von 100 Stück erschienen ist. Der Erlös aus dem Verkauf soll für das elektrische Aufziehwerk der Kirchturmuhr verwendet werden.
Die Glocke wurde von Hermen Koster in seiner Hildesheimer Werkstatt gegossen. Als Inschrift ist zu lesen: „Anna heiße ich, für alle Christen Seelen bin ich – Hermen Koster goss mich – im Jahre des Herrn 1513“. Das neun Zentimeter hohe Reliefband ist mit dem Bild einer Madonna geschmückt. „Die Glocke ist der heiligen Anna, der Mutter der Jungfrau Maria, geweiht“, erklärt Pastor Werner Warnecke. Mitte des 16. Jahrhunderts besaß Ilde noch eine größere Glocke, doch die wurde ihnen weggenommen. Bis zur Anschaffung der neuen Glocke 1891 mussten sich die Ilder mit nur einer Glocke begnügen, was in der Umgebung für mancherlei Spott sorgte.
Der Dreißigjährige Krieg richtete auch im Dorf einen großen Schaden an. Den Kriegswirren ist auch die Ilder Kirche zum Opfer gefallen. Nur der alte Kirchturm mit der schönen Glocke von Hermen Koster aus dem Jahr 1513 blieb übrig. Der Bronzeglocke drohte im Zweiten Weltkrieg das Schicksal wie vielen anderen Glocken auch – für Waffen eingeschmolzen zu werden. Zur Freude der Einwohner kam sie aber unbeschadet wieder im Ort an.
Pastor Werner Warnecke gestaltete den Festgottesdienst zum Glockengeburtstag, der vom Bläserchor Ambergau musikalisch begleitet wurde. Superintendentin Katharina Henking stellte in ihrer Predigt heraus, wie wichtig der Glockenklang für die Menschen vor Ort ist. Anschließend erzählte Karl Löke, wie er lange Zeit als Kind auf den Turm zum Läuten gestiegen ist. „Das war schon ein Abenteuer“, so der Ilder. Heute geht es einfacher, da muss nur noch ein Schalter umgelegt werden. Ein paar Sekunden später fangen „Anna“ und die größere Schwester an zu läuten. Ortsvorsteher Karl-Heinz Hodur gratulierte ebenfalls zum 500. Glockengeburtstag.
An dem Tag mussten die Ilder aber auch Abschied von ihrem Pfarrhaus nehmen. Der Verkauf des im Jahr 1888 erbauten Gebäudes ist mittlerweile urkundlich besiegelt. „Das Glockenfest ist hier die letzte Feier gewesen“, erklärte Pastor Warnecke.