Stadtarchiv braucht sich nicht zu verstecken

Manfred Spengler (rechts), hier mit den ständigen Mitarbeitern Heidi Pitz und Gert-Achim Sander, hat in einer Sonderdokumentation den umfangreichen Notgeldbestand des Archivs systematisiert. (Foto: Klaube)
 
Besonders reichhaltig und wertvoll ist das Zeitungsarchiv. (Foto: Klaube)

Bockenemer Einrichtung mit zwei Personen besetzt / Notgeldbestand dokumentiert / Wunsch nach anderem Gebäude

Von Manfred Klaube
Bockenem

Im Gegensatz zu seinen unmittelbaren Nachbarortschaften hat die Stadt Bockenem am ehemaligen Pfarrhof ein Archiv, das sich durch reichhaltige Bestände auszeichnet und interessierten Personen für Forschungsarbeit zur Verfügung steht. „Wir werden immer wieder aufgesucht, insbesondere wenn es um Ahnenforschung geht oder wenn es etwas Besonderes zu recherchieren gilt“, weiß Gert-Achim Sander zu berichten. Er ist hier im Archiv im Auftrag der Stadt seit 2007 an vorderer Stelle zuständig. Ihm steht seit Anfang dieses Jahres Heidi Pitz zur Seite, nachdem Dieter Deist ausgeschieden war. So gesehen arbeiten ständig zwei Personen im Stadtarchiv, allerdings nicht vollzeitbeschäftigt, sondern dienstags und donnerstags jeweils am Nachmittag. Die Stadt Bockenem hat damit seit dem Jahre 2005 an dieser Stelle eine Einrichtung geschaffen, die sich sehen lassen kann und anerkanntes Mitglied im niedersächsischen Archivwesen ist.
Beide Mitarbeiter befassen sich derzeit vornehmlich mit der nochmaligen Durchforstung und Aufarbeitung des gesamtes Bestandes, weil aufgrund der vielen Neuzugänge der letzten Jahre neue Unterordner erforderlich sind.
„Zugänge, insbesondere aus Nachlässen, erhalten wir regelmäßig“, berichtet Gert-Achim Sander. In letzter Zeit seien darunter auch die gesamten Schrift- und Bildmaterialien des aufgelösten Bornumer Gesangvereins gewesen, und zwar ergänzt durch Materialien früherer Gesangvereine des Dorfes. Was diesen Bereich betrifft, erhoffe sich das Archiv irgendwann auch einmal den Nachlass des ebenfalls eingestellten Wohlenhäuser Gesangvereins.
Ständig ergänzt wird das umfangreiche Zeitungsarchiv, das besonders wertvoll ist und bis in das 19. Jahrhundert zurückreicht. Hierzu werden Woche für Woche die Tageszeitungen ausgewertet und die entsprechenden Berichte herausgenommen und zugeordnet. Laufende Arbeit erfordert weiterhin das Fotoarchiv, für das es aus Privatbesitz immer wieder Ergänzungen und Neuzugänge gibt.
Der kürzliche Vortrag des früheren Bockenemer Stadtheimatpflegers Manfred Klaube über die vormalige Bockenemer Druckerei Rehmann und das von ihr damals herausgegebene Bockenemer Notgeld mit Hakenkreuzaufdruck und nationalsozialistischen Textindoktrinationen hatte den Schlewecker Numismatiker und Philatelisten Manfred Spengler veranlasst, sich des reichhaltigen und aus verschiedener Provenienz stammenden Bestandes von Notgeldscheinen anzunehmen, die in einem großen Karton im Archiv schlummerten. Auf diese Art und Weise entstand in den letzten Wochen eine detaillierte Excel-Aufstellung des gesamten Notgeldbestandes, und zwar mit Hilfe spezieller Kataloge. Diese wertvolle Arbeit von Manfred Spengler verdient besondere Anerkennung. Als Sammelmappe für den Geschichtsunterricht soll sie einigen interessierten Schulen zur Verfügung gestellt werden; in diesem Fall eine nicht zu unterschätzende Bereicherung für die Behandlung der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg.
Das Bockenemer Stadtarchiv steht zu seinen Öffnungszeiten auch weiterhin allen interessierten Besuchern offen und ist weiterhin an entsprechenden Materialien aus Nachlässen interessiert. Es ist zwar eine Einrichtung, die sich mit Vergangenem beschäftigt und Wesentliches aus ihr dokumentiert und aufbewahrt, doch es ist in Bockenem auch eine überaus lebendige Einrichtung.
Das Domizil selbst lässt allerdings zu wünschen übrig. Ob es das auseinandergehende Fundament des alten Gebäudes ist oder der aus den Fenstern mittlerweile herausfallende Kitt – die Stadt wird immer wieder darauf verwiesen, bisher hat sich in dieser Richtung aber noch nichts getan. Größter Wunsch wäre als Standort für dieses wertvolle Archiv ein anderes Gebäude, zumal es auch an Platz mangelt und ein Teilbestand deshalb immer noch im Rathaus lagern muss. Doch dieses Ziel steht wohl noch in weiterer Ferne.