Stadtbad: Abschied von Familienkarte und Einführung eines Bonussystems?

Neues Eintrittspreis-Modell der Verwaltung sorgt für Diskussionsstoff / Ermäßigten-Tarife geplant / SPD-Fraktion will für Saison 2012 noch keine Änderungen

Bockenem (kno). Läuft alles wie geplant, dann soll pünktlich zum meteorologischen Sommeranfang am 1. Juni das umgestaltete Bockenemer Freibad eröffnet werden (der „Beobachter“ berichtete). Bis dahin dürfte in den politischen Gremien und wohl auch in der Öffentlichkeit die Diskussion um die zukünftige Gestaltung der Eintrittspreise breiten Raum einnehmen. Wenn auch nicht Entscheidungsträger, so haben in dieser Frage natürlich auch die betroffenen Vereine, sprich Stadtbadförderverein, SV Poseidon und DLRG-Ortsgruppe, ein Wörtchen mitzureden. Mit den jeweiligen Vorständen hat Bürgermeister Martin Bartölke in den vergangenen Tagen diesbezüglich Gespräche geführt – mit Ausnahme der DLRG, „deren Vertreter aber bei einem Vorgespräch im März dabei waren und deren Anregungen auch in die Entwicklung des Eintrittspreissystems eingeflossen sind“, so Bartölke.
Auf dieser Grundlage hat die Verwaltung nun ein entsprechendes System erarbeitet. Demnach werden die Freibadbesucher künftig stärker zur Kasse gebeten. Das verwundert allerdings kaum. Einmal abgesehen von der dann topmodernen Ausstattung des rund 2,1 Millionen Euro teuren „neuen“ Stadtbades sind die Preise seit 2004 und damit in den vergangenen acht Jahren unverändert geblieben. Allein schon im Blick auf den von der Verwaltung ins Feld geführten Inflationsausgleich war eine Erhöhung der Eintrittspreise zu erwarten.
Wie sieht das Konzept im Einzelnen aus? Nun, was die Einzelkarten betrifft, so würde ein Erwachsener künftig vor 18 Uhr 3,80 Euro (bisher 3,50 Euro) und ab 18 Uhr 2,10 Euro (bisher 2 Euro) bezahlen. Für Jugendliche (5 bis 18 Jahre) lägen die Tarife künftig bei 1,60 Euro statt 1,50 Euro vor 18 Uhr beziehungsweise wie bisher bei 0,50 Euro ab 18 Uhr. Neu ist, dass Schüler, Studenten und Auszubildende über 18 Jahre sowie Schwerbehinderte (ab Grad 50 Prozent) einen ermäßigten Eintritt erhalten von 2,50 Euro (vor 18 Uhr) und 1,60 Euro (ab 18 Uhr).
Bei den Saisonkarten – gültig nur für Personen in häuslicher Gemeinschaft – würde den vorliegenden Planungen zufolge Abschied genommen von der klassischen Familienkarte; sie war bekanntlich für 132 Euro zu haben. Stattdessen wird jetzt unterschieden, ob ein Erwachsener mit Kind/ern (130 Euro), zwei Erwachsene (Ehe-/Lebenspartner; 150 Euro), zwei Erwachsene mit Kind/ern (160 Euro) oder einfach mehrere Kinder (90 Euro) das Freibad besuchen. Eine Einzelsaisonkarte für Erwachsene soll künftig 110 Euro (bisher 99 Euro), für Kinder (bis 18. Lebensjahr) 50 Euro (bisher 44 Euro) kosten. Auch bei den Saisonkarten ist ein Ermäßigtentarif vorgesehen. Er beläuft sich auf 66 Euro.
An die Stelle des bisherigen Punktesystems soll nun die Bonuskarte treten. Auf diese wird (zunächst nur an der Stadtbadkasse möglich) ein Guthaben aufgeladen, auf das es abhängig von der Größe des aufgeladenen Betrages eine Gutschrift gibt. Im Klartext: Werden zehn Euro aufgeladen, hat die Karte einen Wert von elf Euro, bei 25 Euro sind es 30 Euro, bei 50 Euro 62,50 Euro, und bei 75 Euro gibt’s gar eine Gutschrift von 25 Euro. Geplant ist, dass für ein Guthabenkonto auch mehrere Karten vergeben werden können.
Dieser Vorschlag ging nun den Fraktionen und Gruppen im Rat der Stadt zur Beratung zu. Am 9. Mai wird sich zunächst der Ausschuss für Schule, Jugend und Bürgerangelegenheiten mit den Eintrittspreisen befassen, und am 14. Mai soll dann im Rat der Stadt abgestimmt werden. Dass bis dahin Einmütigkeit herrscht, darf bezweifelt werden. Die SPD-Fraktion beispielsweise steht dem Modell äußerst kritisch gegenüber und will die Familienkarte in ihrer bisherigen Form erhalten wissen. „Eine grundlegende Änderung des bestehenden Systems zum jetzigen Zeitpunkt, ohne belastbare Zahlen, ist unausgegoren. Wir schlagen vielmehr vor, in der Saison 2012 noch keine Änderungen vorzunehmen“, sagte SPD-Fraktionschef Siegfried Berner.