Strom aus Mais und Gülle, wie geht das?

Anlagenbetreiber Henning Weiberg führte seine jungen Besucher über das Gelände der Biogasanlage in Mechtshausen. (Foto: Berner)
 
Die neunjährige Cora macht sich Notizen, um ihre Lehrerin mit einem Referat über Biogasanlagen überraschen zu können. (Foto: Berner)

Ferienpass-Kinder dürfen die Biogasanlage in Mechtshausen besichtigen

Bockenem (ber). Kinder wollen in den Ferien spielen und nicht lernen. So sollte man meinen. Umso erfreuter war der Vorstand der SPD Ambergau über das große Interesse an seiner Ferienpass-Aktion „Wir besichtigen eine Biogasanlage“. 19 Kinder hatten sich angemeldet. Es wären sicher noch mehr gewesen, aber aus Sicherheitsgründen musste die Zahl der Besucher eingeschränkt werden. Außerdem muss eine Kindergruppe überschaubar bleiben, um jedem Kind die notwendige Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.
Henning Weiberg, einer der Betreiber der Biogasanlage bei Mechtshausen, begrüßte die vom Vorsitzenden der SPD, Siegfried Berner, angeführte Besuchergruppe aus Bockenem. Nachdem beide den Kindern die Verhaltensregeln auf dem Gelände erläutert hatten, führte Henning Weiberg seine Gäste über das Gelände zur Lagerfläche der Silage. Wie dieser „Stoff“ aus Mais entsteht und worauf dabei geachtet werden muss, war für einige Kinder neu. Anschließend wurde es spannend. Über eine schmale Treppe stiegen die Ferienpässler hinauf, mitten zwischen die Fermenteranlagen, das Herzstück des Betriebes. Neugierig schauten sie durch die Kontrollfenster auf die blubbernde Biomasse im Tank. Sie erfuhren, dass die Hauptarbeit in einer Biogasanlage nicht von den Menschen, sondern von Milliarden kleiner Bakterien geleistet wird. Bei einer Temperatur von circa 40 Grad im Tank wandeln diese, für das bloße Auge unsichtbaren kleinen Lebewesen, die Silage und die Gülle in Gas um.
Heiterkeit kam auf, als den Kindern klar wurde, dass jeder von ihnen eine kleine Biogasanlage mit ungefähr 37 Grad Betriebstemperatur im Magen und Darm mit sich herumträgt. Zuerst waren alle etwas skeptisch, als Henning Weiberg anbot, eine Geruchsprobe der blubbernden grünlichen Masse zu ziehen. Dann aber kamen sie doch näher heran. Der kleine Michel zeigte den Größeren, wie mutig er sein kann. Flugs machte er es dem Betreiber nach und steckte seinen Finger in den warmen Brei.
Viele Fragen wurden gestellt und beantwortet. Die neunjährige Cora machte sich sogar Notizen, um nach den Sommerferien ihre Lehrerin mit einem Referat über Biogasanlagen überraschen zu können. Die begleitenden Erwachsenen waren erstaunt über das große Interesse der Kleinen.
Der kurze Rundgang durch den Container des Stromgenerators war dann ein weiterer Höhepunkt. Der starke, vom Biogas angetriebene Motor erzeugt 300 kW-Leistung in der Stunde. Dieser Strom fließt über eine Leitung direkt in das Netz zum Verbraucher. Die zusätzlich anfallende Wärme wird zum Trocknen von Getreide oder Holz verwendet. Selbstverständlich kann man mit dieser Wärme auch Häuser oder sogar ein Schwimmbad heizen. Um zu zeigen wie so etwas aussehen kann, führte Siegfried Berner zum Schluss der Besichtungsfahrt die Besuchergruppe zum Blockheizkraftwerk in Rhüden. Die Betreiber der Biogasanlage Mechtshausen haben auf eigene Kosten von der Anlage über circa 1,6 Kilometer bis zur Grundschule in Rhüden eine Gasleitung verlegen lassen. Mit Hilfe einer Blockheizkraftanlage kann so die erzeugte Wärme sehr effektiv ohne Transportverluste genutzt werden, um im Winterhalbjahr die Schule und die Sporthalle zu heizen. Erwachsene, wie auch die Ferienkinder, waren von dieser Idee sehr angetan. In Bockenem sollen ähnliche Anlagen gebaut werden. Hier ist geplant, im Sommer das Wasser des Schwimmbades und im Winter das Sport- und Jugendheim zu beheizen.
Zurück im Jugendtreff „Konfetti“ stürmten sie den Kiosk, um sich das versprochene Eis abzuholen.