Tschernobylkinder versorgt

Dieter Zeh, Sabine Neumann vom DRK-Ortsverein sowie Theresia Dormeyer stehen Tanja und Lisa in der Kleiderkammer bei der Auswahl der Klamotten hilfsreich zur Seite. (Foto: Vollmer)

Zwei Mädchen dürfen sich aus der Kleiderkammer des DRK bedienen

Bei dem T-Shirt musste Tanja nicht lange überlegen. „Das Teil gefällt mir sehr gut. Pink ist meine Lieblingsfarbe“, erzählt das Mädchen aus Tschernobyl. Im Rahmen einer Erholungsmaßnahme ist die 14-Jährige vier Wochen in Deutschland zu Gast. Zusammen mit ihrer Freundin Lisa (12) durfte sie einen Nachmittag lang in der Kleiderkammer des DRK-Ortsvereins Bockenem nach Herzenslust Klamotten aussuchen. Die Kosten für die Kleidungsstücke übernahm der Bockenemer UWG-Ratsherr und stellvertretende Bürgermeister Dieter Zeh.
Den Kontakt hatte seine Lebensgefährtin Theresia Dormeyer hergestellt. Sie kennt die Familie Wirries aus Borsum, bei denen Tanja und Lisa während ihrer Zeit in Deutschland leben, schon längere Zeit. „Beide sind nur mit einem Plastikbeutel nach Deutschland gekommen“, berichtet Dieter Zeh. Beide Mädchen aus Weißrussland fanden schnell verschiedene Kleidungsstücke. Nur bei Röcken hielten sie sich diskret zurück. Hosen finden sie schöner. Einen Koffer, um die neuen Sachsen mit nach Hause zu nehmen, gab es natürlich auch noch.
Lisa und Tanja sind nicht die ersten Gäste aus Tschernobyl in der Kleiderkammer des Roten Kreuzes. „Wir haben insgesamt zehn Kinder mit den verschiedensten Sachen ausgestattet“, berichtet der DRK-Ortsvereinsvorsitzende Hans-Werner Schleusener.
Bei Ulf und Nicole Wirries und ihren drei Söhnen Matthes, Steffen und Mirco fühlen sich die beiden Mädels sehr wohl. Besonders Ausflüge zum Schwimmen stehen bei ihnen hoch im Kurs. Doch da gab es zunächst auch erst einmal betrübte Gesichter, da sie keine Badekleidung hatten. „Die haben wir uns erst einmal zusammengesucht“, berichtet Nicole Wirries. Sie hatte vor einigen Wochen den Aufruf der Tschernobyl-Hilfe gelesen, dass dringend noch Gastfamilien benötigt werden. Für sie waren die gesundheitlichen Aspekte und die allgemein schwierigen Verhältnisse in dem Land ausschlaggebend, sich als Gasteltern zu melden.
Zoo-Besuche oder ein Abstecher ins Rasti-Land stehen in nächster Zeit ebenso auf dem Programm. Diese Touren werden von der Tschernobyl-Hilfe unterstützt. Bei ihrem Besuch in Bockenem war dann gleich noch ein Abstecher in das neu gestaltete Freibad angesagt. Da konnten die Mädchen gleich einmal ihr neues Outfit zeigen. „Bisher haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Lisa und Tanja verstehen sich auch mit unseren Kindern prima, auch wenn es mal mit der Verständigung nicht so klappt. Es gibt ja immer Mittel und Wege, zum Beispiel per Übersetzung mit dem Computer“, berichtet die Gastmutter.