Über 100 Personen beim dritten Bürgermahl

Detlev Kentler (rechts) bedankt sich bei Dr. Michael Ermrich für seinen launigen Vortrag über persönliche Erfahrungen während der Wendezeit.
 
Voller Saal: An elf Tischen saßen über 100 Personen beim dritten Bockenemer Bürgermahl.

Bürgerstiftung Bockenem/Ambergau freut sich über Rekordteilnahme

Zum dritten Mal lud die Bürgerstiftung Bocke-nem/Ambergau am vergangenen Freitag zum Bürgermahl. Die Veranstaltung, die diesmal im Gasthaus Linne in Volkersheim stattfand, hat dabei erstmals die 100er-Schallmauer durchbrochen.

Fast 110 Personen, ein Riesenerfolg, wie sich der 1. Vorsitzende Detlef Kentler freute. Vor allem, wenn er an die Anfänge zurückdachte. Denn beim ersten Mal hatten sich wenige Wochen vor der Veranstaltung erst gut 30 Leute angemeldet. Nach vielen Telefonaten wurden es dann doch noch 80. Im vergangenen Jahr waren es dann schon über 90 und nun gab es einen neuen Rekord.
Das Prinzip des Bürgermahls ist einfach. Zu zahlen sind insgesamt 50 Euro. Für 30 Euro gibt es das Essen und einige Getränke. Die restlichen 20 Euro gehen in die Stiftungskasse, mit der gute Dinge für die Stadtbevölkerung getan werden können. In diesem Jahr gab es neben einem großen kalten Buffett Schinkenkrustenbraten oder Putengeschnetzeltes mit verschiedenen Beilagen.
Vor dem Essen gibt es üblicherweise einen Gottesdienst sowie einen Gastvortrag. Den hielt in diesem Jahr Dr. Michael Ermrich, der nach der Wiedervereinigung 24 Jahre lang Landrat des Harzkreises war und aktuell geschäftsführender Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes ist. Er sprach über seine Erfahrungen während der Wendezeit.
„In der jüngeren Bevölkerung gibt es keine persönlichen Erfahrungen mehr. Daher ist es wichtig, dass wir erzählen“, so der Gastredner. Er wies daraufhin, dass das Ziel der Proteste 1989 nicht die Wiedervereinigung gewesen sei: „Die Menschen wollten vor allem freie Wahlen und allgemein Freiheit.“ Am 3. Dezember durfte dann erstmals die normale Bevölkerung auf den Brocken. Ermrich: „Ich kann sagen: ich war dabei!“. Mit vielen persönlichen Anekdoten, häufig auch zum Schmunzeln, unterhielt er die Besucher aufs Beste. So erzählte er, wie er innerhalb von zehn Tagen Oberkreisdirektor wurde ­– völlig ohne politische Erfahrung. 1994 wurde er Landrat von Wernigerode, welches nach der Gebietsreform 2007 im neuen Landkreis Harz aufging. Bis zum vergangenen Jahr stand er auch diesem Kreis vor. „Wir mussten die Demokratie erst einmal wieder erlernen und eine Verwaltung aufbauen. Schließlich war bei uns alles völlig zentralistisch geplant. Von ‘kommunaler Selbstverwaltung’ hatte hier noch niemand etwas gehört“, führte Ermrich aus. Unterstützung gab es dabei vom Kreis Goslar.
Als Oberkreisdirektor war er auch gleichzeitig Chef der Sparkasse. Er berichtete davon, dass das erste Westgeld in einem Privatauto über die Grenze gebracht wurde. Als dieses am Übergang angehalten wurde, wurde der Fahrer gefragt, ob er Geld dabeihabe. „Ja, drei Millionen“, antwortete dieser wahrheitsgetreu. „Dann fahren sie mal weiter“, war die Antwort der Grenzer. Auch diese Geschichte brachte den Saal wieder zum Lachen.
Nach dem Vortrag dankte Kentler dem Halberstädter mit einem Geschenk. Er bedankte sich außerdem bei allen seinen Stiftungskollegen, insbesondere Waltraut und Rainer Habekost, die alle Einladungskarten selbst geschrieben und größtenteils auch verteilt haben. Auch sie erhielten ein Geschenk.