Unfallflucht ist kein Kavaliersdelikt

PHK Hans-Joachim Kliem (1. von rechts) klärt zusammen mit den Verkehrswächtern Wilhelm Meyer (2. von rechts) und Elisabeth Kaufmann-Schneiders die Bürger auf, und appellieren gleichzeitig an die Zivilcourage.

Polizei und Verkehrswacht Bockenem klären im Zuge der Woche der Zivilcourage auf

Ein abgefahrener Spiegel, eine Beule in der Beifahrerseite oder ein Lackkratzer am Heck und weit und breit kein Verursacher zu sehen. Solche Szenarien sind Alltag auf deutschen Straßen, und sorgen vor allem bei den Geschädigten für großen Ärger und Frust. Dabei ist der versehentliche Zusammenstoß auf dem Parkplatz des Supermarktes und die anschließende Weiterfahrt nach dem Motto: „Wird schon nicht so schlimm gewesen sein“, bei Weitem kein Kavaliersdelikt.

Unfallflucht ist zwar keine Straftat, kann für den Verursacher aber dennoch erhebliche Konsequenzen nach sich ziehen.
Im Rahmen der landesweiten Woche der Zivilcourage haben sich deshalb am Donnerstag die Polizei und die Verkehrswacht Bockenem auf dem Parkplatz des örtlichen Edeka-Marktes postiert, um die Bürger für Unfallfluchten zu sensibilisieren und an die Zivilcourage zu appellieren.
Ein fünfköpfiges Team bestehend aus Polizeihauptkommissar Hans-Joachim Kliem, Polizeikommissarin Birgit Koschnitzke sowie drei ehrenamtlichen Mitgliedern der Bockenemer Verkehrswacht (Elisabeth Kaufmann-Schneiders, Frank Ebeling und Wilhelm Meyer) klärten in der rund zweistündigen Aktion die Besucher des Supermarktes über die Folgen von Unfallfluchten und das richtige Verhalten bei einem unbeabsichtigten Zusammenstoß auf. Ferner baten sie die Bürger in diesem Zusammenhang ihre Augen offen zu halten und entsprechende Beobachtungen unverzüglich der Polizei zu melden, denn es sind vor allem Zeugenaussagen, die den Geschädigten im Zweifel zu ihrem Recht verhelfen können.
So informierten Präventionsexperte Hans-Joachim Kliem und seine Mitstreiter die Supermarktbesucher beispielsweise über die Wartezeit nach einem Unfall. „Eine genaue Zeitdefinition gibt es nicht. Je nach Einzelfall variiert die Spanne zwischen einer Viertelstunde und bis zu zwei Stunden. Die berühmte Visitenkarte hinter dem Scheibenwischer reicht in jedem Fall nicht aus“, erläutert Polizeihauptkommissar Kliem.
Auf Nummer sicher geht man im Fall eines Unfalls immer mit der Benachrichtigung der Polizei. Dabei spielt es grundsätzlich keine Rolle, ob man die Polizei zum Unfallort beordert oder sich auf direktem Weg zur nächsten Polizeistation begibt. „Beide Handlungsweisen sind absolut in Ordnung. Wichtig ist nur, dass man sich meldet und das amtliche Kennzeichen des Geschädigten aufgenommen werden kann“, so PHK Kliem. Die Recherchearbeit, sprich die Ermittlung des Halters, wird dann von der Polizei übernommen.
Bei Fahrerflucht droht
Entzug der Fahrerlaubnis

Die Folgen, die eine Unfallflucht nach sich ziehen kann, wurden wie bereits erwähnt, natürlich auch nicht ausgespart „Wird der Flüchtige ermittelt, kann das richtig teuer werden beziehungsweise sogar zum Entzug der Fahrerlaubnis führen“, erklärte der Polizeihauptkommissar. Überschreitet der sogenannte Fremdschaden die Summe von 1.300 Euro entscheidet ein Gericht über den Entzug des Führerscheins. Wie lange der Lappen dann weg ist, liegt im Ermessen der Richter. Bei einer Schadenshöhe unter 1.300 Euro werden empfindliche Bußgelder verhängt, die sich schnell auf mehrere hundert Euro belaufen können.
Die Zivilcourageaktion nutzten die Verkehrswacht und Polizei auch dazu, nochmals die hervorragende Kooperation beider Institutionen zu unterstreichen. Kliem bezeichnete die Arbeitsweise und das Engagement der ehrenamtlichen Verkehrswächter als ausgezeichnet und betonte mehrfach, dass die Verkehrswacht eine große Hilfe für die Polizei sei. Worte, die bei Ebeling, Meyer und Kaufmann-Schneiders natürlich runter gingen wie das sprichwörtliche „Öl“. Aktuell sind die Bockenemer Verkehrswächter neben ihrer regelmäßigen Präventionsarbeit noch mit der Durchführung eines Pilotprojektes im Rahmen der Verkehrssicherheitsinitiative 2020 beschäftigt. Bei diesem Projekt handelt es sich um die gezielte Vermeidung von Baumunfällen. Der Landkreis Hildesheim ist einer von landesweit sechs ausgewählten Kreisen, die an dem Pilotprojekt teilnehmen. Der Verkehrswacht obliegt es dabei, die Straßen herauszustellen, die von zahlreichen Bäumen gesäumt werden. Natürlich spielen dabei auch Alleen eine Rolle. In diesen Bereichen sollen künftig Geschwindigkeitsbegrenzungen zwischen 70 und 80 Stundenkilometern eingeführt werden. Wie Frank Ebeling von der Verkehrswacht berichtet, sind er und seine Mitstreiter schon einen Großteil der entsprechenden Strecken abgefahren und haben ihre Informationen weitergeleitet.
Wer auch Interesse an der Mitarbeit bei der Bockenemer Verkehrswacht hat, ist stets herzlich willkommen und kann sich an Frank Ebeling wenden.