„Unsere ganze Verantwortung gilt dem Frieden“

Ortsbürgermeister Siegfried Berner: „Gewalt und Krieg sind keine Lösung.“ (Foto: Knoblich)

Gedenkfeier anlässlich des Volkstrauertages in Bockenemer Kernstadt / Ansprache von Pastor Ralph Thomas Strack

Von Karsten Knoblich
Bockenem

Am zweiten Sonntag vor dem 1. Advent wird alljährlich bundesweit der Volkstrauertag begangen; ein Gedenktag für die Opfer der beiden Weltkriege und von Gewaltherrschaft, und ein Tag, der eine Mahnung zur Versöhnung, zur Verständigung, zur Toleranz und zum Frieden sein soll. Auch in Bockenem hatten sich die Bürgerinnen und Bürger am gestrigen Sonntag nach dem Gottesdienst zusammengefunden – wie gewohnt zwischen Ehrenmal und St.-Pankratius-Kirche.
Eingeläutet wurde die Gedenkfeier, zu der abermals der Bockenemer Ortsrat eingeladen hatte, mit einem Vorspiel des Musikzuges der Freiwilligen Feuerwehr Bockenem, dem sich das gemeinsam gesungene „Großer Gott, wir loben dich...“ anschloss.
Bockenems frisch gewählter neuer Ortsbürgermeister Siegfried Berner war es anschließend, der die Teilnehmer – unter ihnen zahlreiche Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben und die Vertreter von Feuerwehr, Vereinen und Verbänden – begrüßte. Gedacht werde heute der Opfer von Krieg und Gewalt, der Kinder, Frauen und Männer, die aus Rassenhass oder auf der Flucht ums Leben kamen, und man trauere um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung. „Unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden“, sagte Berner. Hoffnung allein werde aber nicht reichen. Es müsse gezeigt werden, dass Gewalt und Krieg keine Lösung seien. „Dafür müssen wir auch in Zukunft gemeinsam einstehen“, mahnte der Ortsbürgermeister.
Die anschließende Gedenkansprache hielt Pastor Ralph Thomas Strack. Seit 66 Jahren habe es im Herzen Europas keinen Krieg mehr gegeben. „Sind wir also auf einmal alle friedfertig geworden?“ Seine rhetorische Frage beantwortete Strack gleich im nächsten Satz mit einem klaren Nein. Vielmehr habe es nach dem Zweiten Weltkrieg kluge Politiker gegeben, die über nationale Grenzen hinaus dachten. Wenn aber heute von der Euro-Krise und den zu beruhigenden Finanzmärkten die Rede sei, dann könne einem schon Angst und Bange werden. Vielleicht fliege schon bald Griechenland aus der Euro-Zone. Und dann folgen vielleicht Italien, Portugal, Spanien. Sorge sei da wohl angebracht. „Wir dürfen nicht leichtfertig das verspielen, was die Gründer unserer Republik aufgebaut haben“, sagte Strack. Der Volkstrauertag erinnere auch daran, wohin schnelle Lösungen führen – mit aller unbarmherzigen Konsequenz. Das ehrende Gedenken an die Opfer sollte dazu führen, klüger zu werden. Sie hätten mit ihrem Leben schließlich den größten zu zahlenden Preis gezahlt.
Nach einem kurzen Gebet erfolgte die Kranzniederlegung unter den Klängen des Liedes vom „Guten Kameraden“. Und zum Abschluss wurde wie gewohnt gemeinsam die Nationalhymne gesungen.