Veränderungen bei Feuerwehren bleibt Thema

Großflächig und plakativ wirbt die Feuerwehr jetzt auch am Ortseingang von Bockenem. (Foto: Klaube)

Feuerschutzausschuss beschäftigt sich mit möglichen Umstrukturierungen bei den Ortsbrandschützern

Mittelfristig steht das Feuerwehrwesen im Stadtgebiet Bockenem vor strukturellen Veränderungen. Demnach wird es in der flächengrößten Kommune des Landkreises Hildesheim künftig nicht mehr 17 Ortsfeuerwehren geben, und die Ressourcen werden unter den neuen Anforderungen und Vorgaben anders gewichtet. In dieser Einschätzung ist sich die Verwaltungsspitze einig mit dem Stadtkommando der Feuerwehr und mit den Mitgliedern des Feuerschutzausschusses. Diesen Eindruck hatte man zumindest auf der 3. öffentlichen Sitzung des Feuerschutzausschusses in Volkersheim, nachdem zuvor Bürgermeister Martin Bartölke einen umfassenden Sachstandsbericht zu dem gesamten Problemfeld vorgetragen hatte.
Man weiß es seit Längerem: die Zahl der Aktiven in der Feuerwehr ist rückläufig, was zu Lasten der Sollstärken geht. Die Präsenz bei den Diensten lässt vielfach zu wünschen übrig, und der Nachwuchs schwindet. Das alles hat seine Ursachen. Sie liegen primär in den veränderten Einstellungen, in den veränderten Arbeitsbedingungen und in den rückläufigen Bevölkerungszahlen. Als Beispiel kann die kleine Ortschaft Wohlenhausen angeführt werden, in der im Verlaufe weniger Jahre die Einwohnerschaft von 115 auf 80 Personen zurückgegangen ist.
Die Sollstärken der Aktiven bei den Feuwerwehren haben früher bei 22 gelegen und sind mittlerweile aufgrund der besorgniserregenden Veränderungen auf 18 zurückgenommen worden. Auch im Stadtgebiet Bockenem gab es Feuerwehren, bei denen diese Sollstärke auf dem Papier nur deshalb gehalten werden konnte, weil Personen als Aktive geführt wurden, die aufgrund ihrer Arbeitsverhältnisse oder ihrer auswärtigen Ausbildung vor Ort praktisch nicht zur Verfügung standen.
Das alles sind Umstände, auf die reagiert werden muss; denn „die tatsächlichen Zahlen sprechen eine deutliche Sprache“, wie es der Stadtbrandmeister Alfred Schneider am Dienstag formulierte. Die Stadt Bockenem ist für den Feuerschutz verantwortlich, und so sieht primär sie sich gefordert. Das sei bei schwindenden Mitgliederzahlen künftig eine der großen Aufgaben, bekräftigte der Bürgermeister, der in seinem ausführlichen Vortrag aber deutlich machte, dass man dennoch „die Feuerwehreinheiten in jedem Dorf erhalten“ werde.
Wo es künftig keine Ortsfeuerwehren mehr gäbe, werde man Löschgruppen mit einem Gruppenführer einrichten. Eine solche Löschgruppe müsse organisatorisch einer anderen Wehr zugeordnet werden. Im Fall von Wohlenhausen, wo eine solche Veränderung in absehbarer Zeit anstehe und wo der Ortsbrandmeister deutlich gemacht habe, dass er sich im kommenden Jahr nicht wieder zur Wahl stelle, könnte dies die Nachbarfeuerwehr Königsdahlum oder die in Bornum sein.
Dort, wo es dann künftig eine Löschgruppe geben werde, würden auch keine Jahreshauptversammlungen mehr stattfinden,weil die betreffende Löschgruppe Teil einer anderen Ortsfeuerwehr sei. Was die Ausrüstung einer derartigen Löschgruppe anbelange, gäbe es keine Vorgaben. Generell müsse bei all den in Zukunft anstehenden Veränderungen aber angenommen werden, dass die Ausgaben der Stadt nicht weniger würden. Eher sei das Gegenteil zu erwarten, etwa mit einem zeitgemäßen und funkmäßig optimierten ausgerüsteten Einsatzleitwagen.
„Wir werden offen über alle Themen reden“, resümierte der Bürgermeister, der in diesem Zusammenhang auch die neugebildete Lenkungsgruppe ins Spiel brachte, die sich mit den Strukturproblemen der Feuerwehr befasse. Das Ganze sei ein sehr weites Feld, bei dem auch viele technische Details zu bedenken seien. So etwa die Vorgabe, dass „ein Feuerwehreinsatz innerhalb von 18 Minuten gelaufen“ sein solle. In einer flächengroßen Gemeinde wie Bockenem sei das insbesondere bei den periphär liegenden Ortschaften wie Wohlenhausen und Ilde kaum zu schaffen. So müsse man in solchen Fällen auch nachdenken, ob man künftig nicht mit Nachbarwehren über die Gemeindegrenzen hinaus zusammenarbeiten solle, was durchaus möglich sei; Ilde betreffend etwa mit Bodenburg oder Wohlenhausen mit Rhüden.
Fragen über Fragen, mit denen sich in absehbarer Zeit die Feuerwehrspitze in Bockenem beschäftigen wird. Die Veränderungen im Feuerwehrwesen werden unausweichlich sein, und als erstes wird wohl Wohlenhausen seine Ortsfeuerwehr verlieren und an seiner Stelle künftig dann nur noch eine Löschgruppe haben. Diesbezüglich wurden bereits mehrere Gespräche geführt.