„Verdienstunterschied beträgt noch 23 Prozent“

Viele Besucher kamen zur Feier des Internationalen Frauentages in das evengelische Gemeindehaus. Gemeinsam schauten sie den Film „We want sex“. (Foto: Hinz)

Veranstaltung zum Internationalen Frauentag in Bockenem / Film „We want sex“ angeschaut

Bockenem (dh). Auch in diesem Jahr wurde der Internationale Frauentag in Bockenem im gebührenden Rahmen begangen. Annegret Schnieder-Böttinger, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, hatte gemeinsam mit dem Frauenarbeitskreis in das Gemeindehaus der St. Pankratiusgemeidne eingeladen. Viele Frauen – vereinzelt auch Männer – waren gekommen.

„Wir liegen in Europa weit hinten“

In ihrer kurzen Begrüßungsrede ging Annegret Schnieder-Böttinger auf den Zustand der Gleichstellung in Deutschland wieder: „Es ist noch viel zu tun bei uns. Der Verdienstunterschied beträgt immer noch etwa 23 Prozent, damit liegen wir in Europa weit hinten“, sagte sie. Arbeiten mit geringem Einkommen würden weiterhin häufiger von Frauen ausgeführt. Auch das Rollenverständnis in der Familie könne oftmals nur als „traditionell“ bezeichnet werden. Seit vier Jahren gebe es den „Equal Pay Day“, der diesmal am 23. März stattfinde. „Das bedeutet, dass Frauen im Schnitt erst an diesem Tag soviel verdient haben, wie Männer im Jahr 2011. Frauen brauchen dafür also fast drei Monate länger“, so die Gleichstellungsbeauftragte.
Im Anschluss wurde der Film „We want sex“ gezeigt. Gisela Gaubatz vom Frauenarbeitskreis führte zunächst etwas in die Geschichte des Streifens ein. Er handelt von einer wahren Geschichte im England des Jahres 1968. Im Ford-Werk Dagenham, einem Vorort Londons, sind unter 55.000 Beschäftigen genau 187 Frauen, die als Näherinnen tätig sind. Diese werden noch schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen. Als ihre Tätigkeit von einer Facharbeit zu einer Hilfsarbeit degradiert werden soll, einhergehend mit einer Lohnkürzung, beginnt de Protest. Auf lange Sicht war dies der Startpunkt für verschiedene Gesetze, die für eine Gleichberechtigung von Männern und Frauen sorgten.
„Der Titel führt etwas in die Irre. Er bezieht sich auf eine Szene im Film. Dort ist auf einem Protestplakat mit der Aufschrift ‘We want sex equality’ (Wir wollen Geschlechtergleichheit) für vorbeigehende Passanten das letzte Wort nicht zu sehen“, erklärte Gisela Gaubatz.
Nach diesem anregenden Film blieb bei Snacks und Getränken noch Zeit für eine Nachbetrachtung und Gespräche über den Stand der Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen.