Was ist da los freitags „5 nach 6“ in der St. Johannis-Kirche?

Königsdahlum (bo). Wie viel Gottesdienst braucht der Mensch? „Einmal im Monat ist jedenfalls zu wenig“, das war die Meinung zahlreicher Gemeindeglieder der eher kleinen Gemeinde St. Johannis in Königsdahlum (rund 300 Mitglieder). Da kam die Initiative von Landessuperintendent Gorka „Ein wöchentliches spirituelles Angebot in jeder Kirche“ gerade recht. Der Kirchenvorstand nahm sich vor, ein Jahr lang jeden Freitag um 18.05 Uhr für etwa zwanzig Minuten ein kleines Andachtsangebot in der Kirche vorzuhalten. Um die Hauptamtlichen nicht zusätzlich zu belasten, wird dieses Angebot im Regelfall von Ehrenamtlichen getragen, nur gelegentlich müssen die Hauptamtlichen einspringen. Mittlerweile befindet man sich schon im zweiten Jahr.
Und was geschieht nun freitags „5 nach 6“? Nun, zum 6-Uhr-Läuten treffen sich sechs bis 15 Gemeindeglieder – mehrheitlich Frauen verschiedener Altersgruppen – vor dem Kirchturm und dort werden dann schon rege Gespräche geführt. Wenn die Glocken verklungen und die Altarkerzen angezündet sind, wird nach einer freundlichen Begrüßung ein Psalm „der Saison“ (für etwa acht Wochen) im Wechsel gelesen. Das war in der kleinen Gruppe zunächst ungewohnt, aber inzwischen wird gern und kräftig gelesen. Daran schließt sich ein Text-Impuls an — mal eher zum Schmunzeln, mal ernster — oder auch ein Bild-Impuls. Eine Anregung zum Nachdenken und drei Schläge gegen eine Klangschale leiten ein etwa fünfminütiges Schweigen ein, das durch drei weitere Schläge beendet wird. Manchmal wird auch Musik gehört und Lieder gesungen. Die gemeinsame Zeit endet mit einem Gebet, einem Vaterunser und einem gleich bleibenden Segen.
„5 nach 6“ hat sich zu einem akzeptierten gottesdienstlichen Angebot und zu einem der wenigen öffentlichen Treffpunkte in Königsdahlum entwickelt, bei dem informell Ankündigungen, Dorfnachrichten und Persönliches ausgetauscht werden. Es trifft sich ein stabiler, aber für andere offener Kreis, der auch Gestaltungsvorschläge macht. Und für die kalten Winterabende hat man zusammengelegt und einen Satz Decken angeschafft, damit nicht geheizt werden muss. „Das ist meine Zeit, eine Zeit ganz für mich“, sagte einmal eine der Frauen, die ansonsten den ganzen Tag in vielfältigen Verpflichtungen ihre Frau stehen muss.
Ansprechpartner ist Ulrich Gräbig, Negenbornstraße 33, Telefon (05067) 69062.