„Wenn ihr schlaft, dann schläft auch eure Nase!“

Nur kurz über eine kleine Flamme gehalten, und schon steht das Stück Stoff in Flammen. (Foto: Knoblich)
 
Zum Abschluss wurde der Fuhrpark der Feuerwehr besucht. (Foto: Knoblich)

Drittklässler der Grundschule Bockenem in Sachen Polizeiarbeit und Brandschutz unterwegs

Von Karsten Knoblich,
Bockenem

Kinder mit den Gefahren vertraut machen, die im Alltag lauern, und ihnen Verhaltensregeln mit auf den Weg geben, die sogar Leben retten können – damit kann man gar nicht früh genug anfangen. Das weiß man natürlich auch bei der Grundschule Bockenem. Schon seit Jahren ist daher im Rahmen der Präventionsarbeit ein Besuch von beziehungsweise bei Polizei und Feuerwehr fester Bestandteil des Stundenplans. Die Zusammenarbeit klappt hervorragend und trägt nach den Erfahrungen aller Beteiligten Früchte.
Diesmal war es nicht anders. Die Drittklässler der Schule mit ihren Klassenlehrerinnen Barbara Barte (3a), Bettina Holbe (3b) und Ruth Richers (3c) verbanden gleich das Angenehme mit dem Nützlichen. Ein kleiner Spaziergang an der frischen Luft führte vom Thornburyplatz in die Ernst-Deger-Straße. Dort befindet sich bekanntermaßen das Domizil der Bockenemer Feuerwehr.
Klassenweise – und verteilt auf zwei Tage – nahm sich zunächst Polizeikommissarin Birgit Koschnitzke der lebhaften Truppe an. Sie erzählte aus dem Polizeialltag und ließ sich von den Kindern gern mit Fragen löchern. Sehr zur Freude der Polizeibeamtin wussten sie recht gut Bescheid. Die Notrufnummern 110 und 112 fielen wie aus der Pistole geschossen, und dass man am Telefon beispielsweise seinen Namen, seine eigene Telefonnummer, Art und Ort des Geschehens nennen muss, war auch allen klar. Birgit Koschnitzke schärfte den Jungen und Mädchen noch einmal ein, bei einem Notruf keinesfalls von alleine aufzulegen.
Was die Polizei am Tatort, beispielsweise bei einem Einbruch, zu tun hat, gab es gleich am eigenen Finger zu erfahren. Spurensicherung war nämlich angesagt. Zum Schluss konnte jeder seinen ganz charakteristischen Fingerabdruck mit nach Hause nehmen – und auch den begehrten Kinderpolizei-Ausweis.
Nur ein paar Schritte weiter warteten schon Bockenems Ortsbrandmeister Ulf Liewald und Gruppenführer Andreas Kellner. Ihre Aufgabe: Den Kindern die Angst vor dem Feuer nehmen und ihnen zeigen, wie man sich im Brandfall richtig verhält. Anhand kurzer Filme wurde gezeigt, was passiert, wenn sich ein Handtuch auf einer eingeschalteten Herdplatte befindet, ein geflicktes Kabel in Brand gerät oder im Heizstrahler der Ventilator ausfällt. Das kann böse enden.
Die Grundschüler lernten auch das so genannte „Verbrennungsdreieck“ kennen; denn ein Feuer braucht dreierlei: Sauerstoff, brennbares Material und Zündtemperatur. Wird ein Bestandteil entfernt, gibt es auch kein Feuer mehr. „Prägt euch das gut ein, das wird euch das ganze Leben lang begleite“, riet Bockenems Feuerwehrchef. Im Brandfall alle im Haus befindlichen Personen wecken und die Türen geschlossen halten, das sei ganz wichtig, sagte Liewald. Und er machte deutlich, dass Rauchmelder in jedem Raum Leben retten können, denn: „Wenn ihr schlaft, dann könnt ihr nichts riechen, dann schläft auch eure Nase“. Doch was tun, wenn man bei einem Feuer zuhaus im eigenen Zimmer gefangen ist? Mit ein wenig Hilfe von den Brandschützern war schnell eine Lösung gefunden. Eine Decke vor den Türspalt legen, damit der Qualm nicht eindringen kann und mit der flachen Hand gegen die Fensterscheibe schlagen, um sich bemerkbar zu machen.
Nachdem Andreas Kellner zu Demonstrationszwecken noch die volle Einsatzmontur samt Atemschutzgerät angelegt hatte, verwandelte sich der Versammlungsraum im Feuerwehrhaus kurzzeitig in ein Chemie-Labor. Die Grundschüler durften nämlich unter Aufsicht „kokeln“. Dabei machten sie die Entdeckung, dass Stoff deutlich langsamer verbrennt als zum Beispiel Haare oder gar Watte. Und der Ortsbrandmeister zeigte, dass ein ganzer Strauß brennender Wunderkerzen selbst unter Wasser noch weiterbrennt.
Krönender Abschluss des Besuchs war ein Abstecher zum Fuhrpark der Feuerwehr. Hier durften sich die Kinder alles genau ansehen und sogar einmal hinter dem Steuer eines echten Feuerwehrautos Platz nehmen.