Wie der Nationalsozialismus nach Bockenem kam

Im 84. Hildesheimer Jahrbuch steht auch ein Beitrag über die Druckerei Rehmann

Von Interesse für die an der Geschichte von Bockenem Interessierten dürfte ein Beitrag sein, der jetzt im neu herausgekommenen Band 84 des Hildesheimer Jahrbuchs unter dem Titel „Die Druckerei Rehmann - nationalsozialistisches Gedankengut in Bockenem“ auf den Seiten 231 bis 242 abgedruckt ist. Der Autor Manfred Klaube setzt sich darin mit der Person und dem Wirken von Heinrich Rehmann sen. und Heinrich Rehmann jun. auseinander.
Der 1864 in Hildesheim geborene Heinrich Rehmann sen. war als 20-jähriger nach Bockenem gekommen, wo er 1894 auf dem Buchholzmarkt ein Buchgeschäft eröffnete, das er bald durch eine kleine Druckerei erweiterte. 1899 verlagerte er diesen Betrieb in die Judenstraße, die in der NS-Zeit später lange Jahre seinen Namen trug. Rehmann, der sich wie viele seiner Zeitgenossen mit den Ergebnissen des Ersten Weltkriegs und dem politischen Geschehen in der jungen Weimarer Republik nicht abfinden konnte, wandte sich sehr früh der nationalsozialistischen Bewegung zu, wobei es bei ihm privat zu vielen konspirativen Begegnungen mit den damals führenden niedersächsischen Nationalsozialisten kam. Er war die treibende Kraft für die am 15. April 1925 gegründete NS-Ortsgruppe Bockenem, damals die erste im Kreis Marienburg. Es entsprach seiner Einstellung, dass er Monate zuvor als Verbindungsmann für die Anlegung von Waffenlagern in Bockenem, Volkersheim und Schlewecke - in Schlewecke allein mit 186 Infanteriegewehren - gewirkt hatte, hinter denen eine nationalistisch eingestellte rechtsradikale Organisation steckte.
Rehmann gab in seiner Druckerei ab 1924 das NS-lastige Blatt „Horchposten“ heraus und bekam ein Jahr später aufgrund seiner Verbindungen den Auftrag für den Druck des „Niedersächsischen Beobachters“, das als „Kampfblatt für deutsches Volkstum und soziale Politik“ titelte und das offizielle nationalsozialistische Presseorgan für Niedersachsen war. 1923 hatte er Aufmerksamkeit dadurch erregt, dass er das mit Hakenkreuz und NS-lastigen Zeilen versehene Bockenemer Notgeld drucken ließ, welches die Polizei jedoch bald beschlagnahmte.
Rehmann sen., der 1926 nach einer Operation in Hildesheim verstarb, hatte seinen 1900 geborenen Sohn Heinr. Rehmann jun. bereits 1924 verantwortlich in die Druckerei in der Judenstraße mit hereingenommen. Da Umfang und Auflage des „Niedersächsischen Beobachters“ Ende der zwanziger Jahre ständig zunahmen und die Druckerei in Bockenem den Anforderungen nicht mehr nachkommen konnte, ließ sich Rehmann jun. überzeugen, den Druckerei-Betrieb 1930 nach Hannover zu verlegen, wo er wenig später finanziell scheiterte.
1933 wirkte er vorübergehend in Hildesheim und erhielt 1934 ein Anstellung in der Reichsdruckerei in Berlin. Bei Kriegsende siedelte er mit der Familie zurück nach Bockenem und erlebte hier einen sozialen Abstieg. Er wurde entnazifiziert und verdiente sein Geld längere Zeit als städtischer Arbeiter. 1958 verließ er Bockenem nach Dortmund, wo er eine Anstellung bei der „Westfälischen Rundschau“erhalten hatte. Rehmann jun. starb 1962.