Wie die kleinen Bäume ganz groß raus kommen!

 

3. Ausstellung des Bonsai-Arbeitskreises Bockenem / Einblicke in ein faszinierendes Hobby gewährt

Eintauchen in die Welt eines ebenso recht seltenen wie faszinierenden Hobbys konnten Interessierte in diesen Tagen im Bockenemer Gemeindehaus Am Papenberg. Dort ließ der Bonsai-Arbeitskreis Bockenem zu seiner nunmehr dritten Ausstellung bitten.
Um es gleich vorweg zu nehmen: Über mangelnde Resonanz konnten die Arbeitskreismitglieder – insgesamt acht sind es an der Zahl – wirklich nicht klagen. Trotz subtropischer Temperaturen nutzten viele Liebhaber der kleinen Bäumchen – und solche, die es noch werden wollen – die Gelegenheit, sich von den Experten informieren zu lassen. Und die wiederum standen gern Rede und Antwort.
„Uns geht es zunächst einmal darum, Missverständnisse aus dem Weg zu räumen und Neulingen ein wenig die Angst vor Fehlern zu nehmen“, erklärte der Neu-Bornumer Sven Rabsch vom Bonsai-Arbeitskreis während der Ausstellung. Was vielen nicht bewusst ist: Bonsais sind ganz herkömmliche Bäume. Das Geheimnis ihres Miniaturformats liegt eben nur in der hohen Kunst, sie rechtzeitig zu formen und vor allen Dingen darin, sie regelmäßig zu beschneiden. Ansonsten würden sie die gewohnt stattliche Größe erreichen. Auch bei Bonsais ist zwischen Zimmer- und Freilandpflanzen zu unterscheiden. Während letztere die Jahreszeiten durchlaufen und nur im Frühjahr und Herbst beschnitten werden dürfen, können die Schützlinge in den eigenen vier Wänden das ganze Jahr über „gezupft“ oder mit einer kleinen Schere getrimmt werden.
Dass man relativ schnell und vor allen Dingen günstig mit diesem Hobby beginnen kann, bewiesen im Rahmen einer Präsentation Frank Kolberg und Thomas Thies. Vor dem staunenden Publikum zeigten sie, wie man aus einer herkömmlichen Mädchen-Kiefer aus dem Baumarkt einen Bonsai-Rohling herstellt. „An diesem Punkt sollte man sich Gedanken darüber machen, wie der Stamm einmal verlaufen und wo die Äste sitzen sollen“, sagt Sven Rabsch, dessen ganze Leidenschaft diesem Hobby schon seit etwa acht Jahren gilt. Mit einem dickeren Draht wird das Bäumchen nach dem Beschneiden in Form gebracht. Ein paar Wochen später kann und muss das Stützkorsett wieder beseitigt werden; „sonst gibt es unschöne Verwachsungen, die meist für immer bleiben“, so der Experte weiter.
Wer allerdings schon beim Warten an der Supermarktkasse nervös mit den Fingern trommelt, der sollte sich vielleicht doch eine andere Freizeitbeschäftigung suchen. Für Ungeduldige sind Bonsais nämlich nichts. Außerdem währt die Freude über das schönste Bäumchen nur kurz, wenn man ihm nicht die nötige Zuwendung und Pflege angedeihen lässt. Da muss beispielsweise die richtige Balance beim Gießen gefunden, und da darf an Dünger nicht gespart werden. Schließlich haben die „Minis“ in ihrer Schale nur begrenzten Platz zur Nährstoffaufnahme zur Verfügung.
Bei einem Rundgang durch die Ausstellung kam man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Etwa 70 Exemplare im Alter zwischen fünf und 65 Jahren wurden präsentiert, darunter Hainbuche, Europäische Lärche, Chinesiche Ulme oder auch eine schon jahrzehntealte Myrte. Auch viele originelle Motive, die von gestalterischem Geschick kündeten, gab es zu entdecken. Dazu gehörte ein kleines Wäldchen aus Ulmen oder auch über Stein gewachsene Bäume. Wen an diesem Nachmittag das Bonsai-Fieber packte, der konnte sich bei der „Börse“ auch gleich mit Schale und Baum versorgen.
Über weitere interessierte Mitstreiter/-innen würde sich der Arbeitskreis sehr freuen. Wer Interesse hat, ist zu den regelmäßigen Zusammenkünften – immer am ersten Samstag eines Monats ab 15 Uhr – bei der Familie Rabsch in Bönnien, Im Sufeld 3, herzlich willkommen.