Wie im Traum – aber wahr

Die SingAkademie mit dem „Canto General“ in Derveni, eineinhalb Autostunden von Athen entfernt. (Foto: Hartig)
 
Im Anschluss an das Konzert in Derveni umarmte Mikis Theodorakis den musikalischen Leiter der SingAkademie Niedersachsen, Claus-Ulrich Heinke. (Foto: Hartig)

SingAkademie Niedersachsen konzertiert in Griechenland – und Mikis Theodorakis applaudiert

Hildesheim (bo). Es war ein Moment, den sich Musiker allenfalls in ihren kühnsten Träumen ausmalen: Man steht auf der Bühne, will gerade mit dem Konzert beginnen, da öffnet sich noch einmal die Saaltür. Herein kommt der weltberühmte Komponist, dessen Werk gerade aufgeführt werden soll. Der Maestro höchstpersönlich! Für die Mitglieder der SingAkademie Niedersachsen ist dieser Traum bei einer Griechenland-Konzertreise wahr geworden. Und der Komponist war niemand anders als Mikis Theodorakis.
130 Mitwirkende hatte die SingAkademie Niedersachsen mobilisiert. Die meisten kamen aus Oldenburg, Lüneburg, Bremen und der Region Hannover-Hildesheim, ergänzt um Sängerinnen und Sänger aus ganz Norddeutschland sowie Musikern aus Braunschweig und Russland. Ein Riesentross, doch es mussten so viele sein. Schließlich sollte Theodorakis’ Mammutwerk „Canto General“ aufgeführt werden, das nun einmal auf solche Dimensionen ausgelegt ist.
Zwei Konzerte gaben die Norddeutschen unter der Leitung von Claus-Ulrich Heinke. Das erste vor 800 Zuschauern im Kultur- und Kongresszentrum Patras, ein zweites vor 600 Menschen in einem kleinen Ort namens Derveni, etwa eine Autostunde von Athen entfernt.
Die Stadtverwaltung von Derveni hatte keine Kosten und Mühen gescheut, um eine aufwändige Beschallungs- und Lichtanlage in die örtliche Sporthalle zu schaffen. Der „Canto General“ ist so konzipiert, dass elektrisch verstärkt musiziert und gesungen wird. Der Soundcheck habe geschlagene vier Stunden gedauert, berichtet Claus-Ulrich Heinke: „Das war eine Herausforderung für alle Beteiligten. Aber in Derveni war alles vom Feinsten.“
Der Aufwand lohnte sich doppelt und dreifach. Mikis Theodorakis hatte bereits im Sommer in einem Gespräch mit Heinke angedeutet, dass er zu einer Aufführung kommen wolle. Doch da hatte der gesundheitlich angeschlagene 80-Jährige an Athen gedacht, nicht an das eineinhalb Autostunden entfernte Derveni. Mit seiner Teilnahme habe niemand mehr gerechnet, so Claus-Ulrich Heinke.
Als Theodorakis dann doch auftauchte, sei die Begeisterung des Publikums enorm gewesen, erzählt Heinke. „Das Volk ist aufgesprungen, hat geschrieen und getobt.“ Theodorakis sei in Griechenland nicht nur ein großer Komponist, sondern ein Nationalheld – der an diesem Abend sogar aufs Podium trat, um die deutschen Gäste zu begrüßen. „Ich habe den Eindruck, dass Sie wirklich verstanden haben, was ich mit meiner Musik ausdrücken will“, sagte er zum Dirigenten Heinke gewandt.
Das Konzert sei ein großer Erfolg gewesen; nach heftigem Applaus seien noch viele Zuschauer zur Bühne gekommen, um sich persönlich zu bedanken – manche mit Tränen in den Augen, erinnert sich Claus-Ulrich Heinke. Mikis Theodorakis sei noch geblieben, um anschließend mit den Sängern und Musikern zu feiern. Heinke: „Wir haben gelernt, wie man mit 100 Leuten auf 20 Quadratmetern Sirtaki tanzt.“
Ein perfekter Abschluss für die Konzertreise: Neben dem „Canto General“ ist „Der letzte Sirtaki“ das berühmteste Stück, das Theodorakis je geschrieben hat.
Im Dezember ist die SingAkademie Niedersachsen mit ihrem Adventsprogramm zu erleben: 3. Dezember Bockenem, St.-Clemens-Kirche, 20 Uhr; 4. Dezember Hildesheim, Citykirche St. Jakobi, 20 Uhr; 5. Dezember Klosterkirche Mariensee, 18 Uhr.