Wie soll die Innenstadt künftig aussehen?

Engagiert brachten sich rund 25 Bockenemer Bürger für die künftige Entwicklung der Stadt ein. (Foto: Klaube)

Arbeitskreis wünscht sich einen belebteren Markt und weniger Verkehr

Die Mandatsträger im Bockenemer Rat als diejenigen, die mit ihren politischen Entscheidungen die Entwicklung der Stadt wesentlich bestimmen, werden in einigen Punkten künftig umdenken und sich von zahlreichen früheren Vorgaben wohl verabschieden müssen, wollen sie ihrer Verantwortung weiter nachkommen.

Ein Arbeitskreis von rund 25 engagierten Bockenemer Bürgern befasste sich unlängst in zwei mehrstündigen Sitzungen in sehr eingehender Weise mit der künftigen Stadtentwicklung. Er setzte als Basis einer künftigen Integrierten Stadtentwicklung (ISEK) Schwerpunkte, die sich von zahlreichen bisherigen Maßgaben in wesentlichen Punkten deutlich unterscheiden. Noch größer wird die Bedeutung dieser Gruppe dadurch, das an diesem Projekt vor allem Bürger der mittleren Generation aktiv und engagiert mitarbeiten. Frühere Entscheidungsträger und Kräfte, die in Bockenem mittlerweile nicht mehr in Erscheinung treten oder auch nicht mehr vorhanden sind, spielen dagegen keine Rolle mehr.
Der konkrete Hintergrund dieser Arbeit ist die Antragstellung der Stadt zum 1. Juni dieses Jahres zur Aufnahme in ein Städtebauförderprogramm. Dafür müssen eine städtebauliche Voruntersuchung und ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK) eingereicht werden, für deren Erstellung die Stadt spezielle Entwicklungsbüros beauftragt hat. Die Basisarbeit für das ISEK leistete der besagte Arbeitskreis.
Während dessen erster Zusammenkunft wurde zunächst ein breiter Strauß wünschenswerter Punkte in sehr allgemeiner Form formuliert, wobei es auch an negativer Kritik nicht mangelte. Beim zweiten Treffen ging es schon mehr ans Eingemachte. Es wurde gefragt, was die angestrebte Altstadtsanierung inhaltlich eigentlich ausmachen sollte und welche Richtung bei Berücksichtigung der in Frage kommenden Möglichkeiten – der finanziellen eingeschlossen – die politisch aktiv handelnden Kräfte der Stadt künftig einschlagen sollten.
Räumlich gesehen konzentrierten sich die für das ISEK gemachten Vorgaben im Kern auf den Markt und die angrenzenden Straßenzüge, auf die zahlreichen Leerstände in der Stadt und auf die Gestaltung der öffentlichen Verkehrsflächen. Seit Anfang der neunziger Jahre wurde über ein Jahrzehnt lang vor allem auf Druck der mittlerweile organisatorisch kaum mehr in Erscheinung tretenden Geschäftswelt heftig und unverdrossen über möglichst viele Parkplätze in der Stadt diskutiert. Ergebnis: Der gesamte Markt ist zum öffentlichen Parkplatz mutiert. Diese Entwicklung wollen die engagierten Bürger, die sich Gedanken um die künftige Entwicklung der Stadt gemacht haben, wieder deutlich zurückdrehen.
Wieder mehr Leben
auf dem Marktplatz

Der Markt müsse wieder belebt werden, ist ihre Meinung. Dazu gehöre seine Entsiegelung, ein Mehr an Grün, an Sitzecken und Kommunikationsmöglickeiten und eine Reduzierung der Parkplätze. Wünschenswert wäre ein Café oder ein Restaurant mit Außenfläche, vielleicht ein Bäcker, ein Kiosk, ein kleiner Gemüseladen, ein aktives Einbeziehen der vorhandenen kulturellen Potentiale und der Bewohner. Eine andere Arbeitsgruppe machte sich Gedanken über ein Multifunktionsgebäude und eine weitere hinsichtlich des Miteinanders von Alt und Jung.
Bezüglich der künftigen Gestaltung der öffentlichen Verkehrsflächen wurde zwar deutlich betont, den Verkehr in der Altstadt nicht kappen zu wollen. Doch müssten wie früher auch diejenigen mehr im Fokus stehen, die sich nicht mit dem Auto dort bewegten. Alle Verkehrsteilnehmer müssten gleichberechtigt sein. Das vorgeschlagene Spektrum reichte von einer generellen Entlastung durch attraktive Gestaltungselemente hin zu einem höhengleichen Straßenausbau und zur Schaffung von Quartiersgaragen auf Flächen hinter den Häuserzeilen, wo auf manchen Plätze nicht mehr benötigte Nebengebäude entfallen könnten. Priorität hätten nach Ansicht dieser Verkehrs–Arbeitsgruppe die Königstraße, die Bönnier- und die Lange-Burg-Straße. Asphaltbeläge seien nicht erwünscht – eine Absage gewissermaßen an den vor einiger Zeit erzielten Kompromiss, auf die Königstraße in diesem Jahr wenigstens eine Asphaltdecke aufzubringen.
In einem wesentlichen Punkt waren sich alle an diesen Arbeitskreissitzungen Beteiligte einig: so wie die Verwaltung momentan in Stadtmarketingsangelegenheiten organisiert ist, könne sie die angestrebte Entwicklung nicht leisten. Notwendig sei eine hauptamtlich angestellte Kraft mit Fachkompetenz, die Kontakte pflege, sie herstelle, eröffne und entwickele und die projektbezogen arbeite. Während eine Arbeitsgruppe ganz konkret eine solche Stelle thematisierte, hielt eine andere einen Projektmanager für unumgänglich und eine weitere Stelle, bei der alle Fäden zusammenlaufen sollten. Ein weiterer Vorschlag zielte dahin, projektbezogen ein Hochschulinstitut einzubinden.
Fatal für Bockenem und seine Kommunalpolitiker wäre es, so unisono die Teilnehmer, wenn im Falle des Nichtaufnehmens der Stadt in das angestrebte Förderprogramm, wieder alles im Sande verlaufen und das getätigte Engagement zu den Akten gelegt würde. Dazu dürfe es nicht kommen.