Windpark Ilde/Evensen mit doppelter Leistung

Premiere: In Sachen Windpark Ilde/Evensen trafen zu Beratungen erstmals Politiker und Mandatsträger aus Bockenem und Lamspringe gemeinsam zusammen (von links): Ortsvorsteher Karl-Heinz Hodur (Ilde), Ortsvorsteher und Ausschussvorsitzender Tobias Fischer (Evensen), Samtgemeindebürgermeister Wolfgang Pletz (Lamspringe), Bürgermeister Martin Bartölke (Bockenem), Ausschussvorsitzender Dr. Gerhard Bartels (Bockenem/Upstedt). (Foto: Klaube)
 
Der Windpark Ilde/Evensen wird repowert. (Foto: Klaube)

Premiere: Fachausschüsse der Samtgemeinde Lamspringe und der Stadt Bockenem tagen gemeinsam

Bockenem (LB). Die von der Politik in Niedersachsen vorgegebene Änderung der Raumordnungspläne räumt der Windkraft Priorität ein. Damit wird die Produktion von Windenergie in den kommenden Jahren in hohem Maße ansteigen, wobei manche Experten davon ausgehen, dass diese Mengen effektiv gar nicht eingesetzt werden können.
In einer als Premiere eingestuften erstmaligen gemeinsamen Beratung der Fachausschüsse für Bauwesen und Entwicklung der Stadt Bockenem und der Samtgemeinde Lamspringe im Dorfgemeinschaftshaus von Evensen wurde jetzt bei nur einer Enthaltung ein Beschlussvorschlag für die beiden Räte dieser Kommunen gefasst. Demnach soll der jetzige Windpark Ilde/Evensen statt derzeit 7,5 künftig 15 Megawatt Leistung haben.
Die fünf dortigen Windräder, von denen drei auf Ilder und damit auf Bockenemer Stadtgebiet entfallen, werden repowert, also in ihrer Leistung verstärkt und durch weitere ein bis zwei Windräder erweitert. So jedenfalls lautet die gemeinsam von beiden Gemeinden, dem Landkreis Hildesheim und dem in Hannover ansässigen Planungsbüro Michael Keller erarbeitete Konzeption, der sich die beiden Fachausschüsse angeschlossen haben. Dem anvisierten Repowering der Anlage Ilde/Evensen stimmten insofern auch der Ilder Ortsvorsteher Karl-Heinz Hodur und der vormalige Klein Ilder Ortsvorsteher Joachim Lootz zu, indem sie erklärten, mit dem jetzigen Windpark keine Probleme zu haben. Die künftig deutlich höheren Windräder würden sicherlich „runder“ laufen.
Zum weiteren Verfahren: Der Landkreis will seine Raumordnungskonzeption im September fertig haben, der Bockenemer Stadrat am kommenden Montag, 9. Juli, der Lamspringer Samtgemeinderat am 16. Juli einen Aufstellungsbeschluss zur Flächennutzungsplanänderung fassen, in den der jetzt gefasste Beschlussvorschlag der beiden Fachausschüsse einfließen wird.
Die Samtgemeinde Lamspringe müsste nach den Vorstellungen des verantwortlichen Planers beim Landkreis keinen weiteren Windpark ausweisen, da sie den von Ammenhausen bereits hat und an dem von Ilde/Evensen beteiligt ist.
Auf Bockenem hingegen werde Druck ausgeübt. Was das konkret bedeutet, blieb unklar, weil man sich offenbar in einer rechtlichen Grauzone bewegt. So erklärte Planer Keller im Rahmen der Sitzung in Evensen klipp und klar: „Keiner kann die Gemeinde zwingen, ihren Flächennutzungsplan zu ändern“. Die Kommunen seien nicht gezwungen, ihre Planung an die Ziele der Raumordnung anzupassen. Andererseits, so Keller weiter, wäre es wohl besser, den Flächennutzungsplan zu ändern.
Ähnlich äußerten sich von Bockenemer Seite der Ausschussvorsitzende Dr. Gerhard Bartels und der Lamspringer Samtgemeindebürgermeister Wolfgang Pletz. „Müssen wir? Nein, wir müssen nicht. Dann aber könnten andere bestimmen“, sagte Bartels. Man wolle jetzt in die Planung aktiv mit einsteigen und sich kein Konzept vorgeben lassen. Was Ilde/Evensen anbelange, wo eine wichtige Teilfrage noch eine Erweiterung der Fläche nach Süden oder nach Norden hin offen lasse, so entscheide man noch nicht über das endgültige Vorgehen, sondern fange jetzt an zu planen.
Im Verwaltungsausschuss der Stadt Bockenem, in den Fraktionen und im Rat der Stadt wird man sich nun mit den Vorschlägen des in Sachen Windkraft beauftragten Prüfers befassen. Dabei geht es um mehrere potentielle Standorte im Stadtgebiet, lautet das Signal des Landkreises in Richtung Bockenem doch: „Ilde reicht nicht aus“.
Es wird also in Sachen Windkraft im Ambergau noch viel Bewegung geben. Bei der Diskussion in Evensen wurden ausgiebig auch die Komplexe Abstandsregelung, Höhenbegrenzung, Sichtbeziehung und Auswirkung auf das Landschaftsbild angesprochen. Je höher die Anlagen werden – sie können über 200 Meter hinausgehen – desto größer sei die Sichtbeziehung. Doch müsse, so Planer Keller, den Landschaftsaspekten Rechnung getragen werden. Er räumte aber auch ein: „Sie werden die Dinger wohl immer sehen, sie lassen sich nicht verstecken.“ Zur Höhenbegrenzung hieß es, dass diese lediglich in Einzelfällen möglich sei.

Der Rat der Stadt Bockenem tagt öffentlich am kommenden Montag, 9. Juli, um 19 Uhr im Großen Sitzungssaal des Rathauses. An diesem Abend geht es fast ausschließlich um das Repowering und die Erweiterung des Windparks Bockenem/Evensen.