Windräder doch bei Bornum?

Landkreis empfiehlt weiterhin die Fläche am Königsturm / Umweltbericht wird erstellt

Aus Sicht der Öffentlichkeit ist es in letzter Zeit um das Thema Windenergie im Ambergau ruhig geworden. Das aber ist nur scheinbar so, denn von Seiten der zuständigen Behörden wird an ihm weiter gestrickt. Nach wie vor stehen im Stadtgebiet Bockenem die Standorte zwischen Bockenem und Bornum, bei Volkersheim/Schlewecke und bei Nette/Werder im Fokus, wobei ersterer von Anfang an aus Sicht des Landkreises favorisiert wurde. Diese Priorität scheint sich zu verfestigen, betrachtet man die Aussagen, die mittlerweile im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit und der Behörden zu den in Diskussion stehenden Potentialflächen abgegeben wurden.
So bestehen aus Sicht der Naturschutzbehörde des Landkreises sowohl gegen die Fläche von Volkersheim/Schlewecke als auch gegen die bei Nette/Werder erhebliche Bedenken. Sie lägen in der Hauptflugrichtung des Schwarzstorches zu seinen Nahrungshabitaten entlang Beffer und Nette, und zum anderen würden dort in nächster Nähe Rotmilane jagen und nisten. Ebenso wird die Nähe der Fläche bei Volkersheim zum Wald als problematisch angesehen. Naturschutzrechtliche Bedenken gegen den Standort bei Bornum lägen hingegen nicht vor. Der Ornithologische Verein Hildesheim habe diese Fläche aus avifaunistischer Sicht als einzig in Frage kommende Fläche im Stadtgebiet Bockenem empfohlen.
Zudem könnten aus Sicht des Denkmalschutzes die Blickbeziehungen zwischen einem möglichen Windpark bei Nette/ Werder und der historischen Kulturlandschaft um das Schloss Söder problematisch sein. Aus städtebaulicher und planungsrechtlicher Sicht würden zudem die Belange des durch Bebauungsplan geschützten gastronomischen Betriebes auf dem Weinberg einem möglichen Windpark bei Nette/Werder entgegen stehen. Die bekannt gewordenen Bedenken hinsichtlich einer Hubschrauber-Tiefflugstrecke bei Bornum seien hingegen in Gesprächen mit Vertretern der Bundeswehr ausgeräumt worden.
Alle diese Äußerungen lassen klar erkennen, dass zumindest aus Sicht des Landkreises Hildesheim die Potentialfläche zwischen Bockenem und Bornum inmitten des Ambergaues weiter favorisiert wird.
Der Stadt Bockenem ist inzwischen aufgegeben worden, einen Umweltbericht erstellen zu lassen, der, inhaltlich den Charakter einer Potentialflächenanalyse bedeutet. Er wird 85.000 Euro erfordern, die im Nachtragshaushalt 2015 veranschlagt werden. Der Stadtentwicklungsausschuss hat dieser Auflage in seiner letzten Zusammenkunft mehrheitlich zugestimmt, und zwar mit vier Ja-Stimmen, einer Gegenstimme von Seiten der UWG und zwei Enthaltungen.
Der Stadtentwicklungsausschuss gab darüber hinaus einstimmig seine Zustimmung zum Bebauungsplan Nummer 09-03 „Hermann II neu“ und zur 28. Änderung des Flächennutzungsplanes im Stadtteil Königsdahlum, hier zu dem in der Entstehung begriffene „Solarpark Hermann II“.
Die gravierenden landschaftlichen Veränderungen im Ambergau nehmen somit ihren Fortgang, und die nächste Generation wird zweifelsohne in einem Gebiet leben, das ein stark verändertes äußeres Erscheinungsbild zeigen wird. Das gegenwärtige Bild hat etwa 200 Jahre Bestand gehabt und war nach der sogenannten Verkoppelung entstanden, die im hiesigen Raum nach etwa 1830 eingesetzt und die zahlreich bis dahin bestehenden Grünflächen und Triften beseitigt hatte. Die Eingriffe der Gegenwart hingegen besitzen einen völlig anderen Charakter.