„Wir Deutschen sind manchmal zu blauäugig“

Kranzniederlegung an der St. Pankratiuskirche am Volkstrauertag.

Bürgermeister Siegfried Berner und Pastor Ralph-Thomas Strack mahnen zur Erinnerung

Wie im ganzen Land wurde auch in Bockenem am Sonntag der Opfer von Krieg, Gewalt und Terror gedacht. Nach dem Gottesdienst und einem Vorspiel des Musikzuges der Frewilligen Feuerwehr Bockenem hielt Ortsbürgermeister Siegfried Berner (SPD) eine Ansprache. Er sagte: „Wir müssen auch noch und gerade heute jeglicher Form von Hass entgegentreten.“ Er nahm dabei Bezug zu Nazi-Schmiereien, die auch in Bockenem immer wieder an Mauern und Hauswänden zu lesen sind.
Pastor Ralph-Thomas Strack wurde in seinen Worten noch deutlicher. Die lange Friedenszeit in Europa, die längste seit Bestehen des Kontinents, habe die Menschen, gerade in Deutschland, blauäugig gemacht. Der Volkstrauertag sei auch deswegen aus der Mode gekommen, weil viele die Augen davor verschlössen, dass in vielen Teilen der Welt Gewalt bis heute an der Tagesordnung sei. „Wir schieben dann gerne die anderen vor, wenn es um unangenehme Dinge geht“, so Strack. Hass und Gewalt seien immer abzulehnen, doch allgegenwärtig: „Deswegen ist auch dieser Tag wichtig, um jenen Opfern zu gedenken.“
Unter den Klängen des Liedes „Gute Kameraden“ legten anschließend die Feuerwehr, das DRK, die Kriegsgräberfürsorge und die Reservistenkameradschaft ihre Kränze nieder. Mit dem Singen der Nationalhymne ging die Gedenkstunde schließlich zu Ende.
Der geplante Auftritt der Gruppe „Six-Pack“ mit dem Lied „Sag mir, wo die Blumen sind“ musste kurzfristig abgesagt werden. Die Sängerinnen waren erkrankt und die Stimme ließ keinen Gesang zu. Das stimmte vor allem Siegfried Berner traurig, der den Gedenktag in Zukunft gerne etwas moderner gestalten möchte, um auch die jüngere Generation dafür begeistern zu können. „Natürlich wird das nicht sofort geschehen. So eine traditionelle Veranstaltung kann man nicht von einem Jahr auf das andere komplett umändern. Aber etwas Erneuerung kann nicht schaden.“ Dies wird dann im nächsten Jahr wieder versucht.