Wunschziel: ein energieautonomer Ambergau

Erst kürzlich kam der Arbeitskreis Ökologische Energie wieder zusammen; Zweiter von rechts: Sprecher Wilhelm Limmer. (Foto: Klaube)

Arbeitskreis Ökologische Energie will offensiver werden / Bevölkerung sensibilisieren, Rat und Verwaltung einbinden

Von Manfred Klaube
Bockenem

Obwohl nicht mit einem Mandat ausgestattet, befasst sich seit eineinhalb Jahren eine Runde kundiger und hochmotivierter Bockenemer Bürger mit Problemen, bei denen es um eine neue energietechnische Ausrichtung der Stadt geht. Es handelt sich um den Arbeitskreis Ökologische Energie, der im Herbst 2010 auf Initiative des Druckereiunternehmers Jörg Lühmann erstmals zusammenkam und der sich seitdem regelmäßig trifft. Das optimale Ziel, von dem man allerdings noch meilenweit entfernt ist, wäre eine autarke oder zumindest teilautarke Versorgung Bockenems mit regenerativer Energie zu einem dann feststehenden Preis. Die vor rund 30 Jahren verkauften Bockenemer Stadtwerke wären auf dem Weg zu diesem Ziel aus heutiger Sicht eine Erleichterung. Windkraft, Biogas, Photovoltaik und Wasserkraft stellten die bereits im Ansatz vorhandene Basis, die es auszubauen gelte.
Dabei versteht sich der Arbeitskreis keinesfalls nur als Gesprächsrunde. Er bemüht sich, die Bevölkerung der Stadt für seine Gedanken zu sensibilisieren und ein Be­wusst­sein für diese Problematik zu schaffen. Deshalb hat er sich mehrmals mit seinen Aktivitäten bereits an die Öffentlichkeit gewandt. So gab es im Februar 2011 einen Filmvortrag über ein energetisches Projekt der Gemeinde Güssing im österreichischen Burgenland, drei Monate später eine Besichtigung der Biogasanlage der Ortschaft Jühnde bei Göttingen, die bundesweit inzwischen als Vorzeigeobjekt gilt, und im August 2011 eine Podiumsdiskussion mit Vertretern der Bockenemer Ratsfraktionen.
Als Nächstes ist vom 9. bis zum 17. Mai eine Ausstellung zum Thema „Regenerative Energie“ auf dem Schulhof der Grundschule in Bockenem vorgesehen, bei der Oberstufenschüler der Oberschule Bockenem Kindergarten- und Grundschulkindern verschiedene Betriebsmodelle erläutern werden, und am 23. oder am 30. Mai – der Termin steht noch nicht ganz fest – soll es eine öffentliche Podiumsdiskussion mit Fachleuten in der Mahlumer Gastwirtschaft Gaus zum Thema „Windenergie in Bockenem – wieviel Windkraftanlagen verträgt der Ambergau?“ geben.
„Wir müssen offensiver werden, schließlich sind wir die Initiative“, ist man sich im Arbeitskreis einig. In den nächsten Monaten gelte es, ein Gesamtkonzept für eine möglichst autonome Energieerzeugung im Ambergau zu entwickeln. Dabei sollen die Bürger beteiligt und Fachleute herangezogen werden. Gründlichkeit gehe allerdings vor Schnelligkeit. Vor allem aber müssten die Ratsfraktionen und die Verwaltung eingebunden werden. Diesbezüglich wünscht sich der jetzige Arbeitskreissprecher Wilhelm Limmer mehr Information und mehr Transparenz von Seiten des Bürgermeisters. Auf politischer Seite gäbe es in Bockenem offensichtlich nicht das Bewusstsein, dass es überaus sinnvoll wäre, sich an einem zukunftsorientierten energetischen Gesamtszenario auszurichten und die notwendigen Entscheidungen daran zu messen. Man habe den Eindruck, dass man sich bei der Stadt derzeit nur mit den drei im Februar von den Investoren vorgestellten Windparks befasse. Das aber sei mit Sicht auf das Ganze, was für Bockenem anzustreben sei, viel zu schmal und zu einseitig.
Die Gesamtproblematik sei zwar nicht einfach, im Gegenteil, sie sei sehr komplex. Doch in vielen Gemeinden der Region gäbe es Ansätze, rege Diskussionen und schon konkrete Projekte. Bockenem betreffend wünsche sich der Arbeitskreis eine größere Nähe zum Rat und zum Rathaus. Dabei sollte „grünalternativer Sachverstand“ kein Hindernis sein.