„Zeitgeister vom Papenberg“ begleiten Glockengeburt

Die Akteure der „Zeitgeister vom Papenberg“ um deren Leiterin Roswitha Bink (Zweite von links) präsentieren anlässlich der Hansetage Schillers Gedicht „Das Lied von der Glocke“. (Foto: Vollmer)

Hansetage: Schillers „Lied von der Glocke“ als szenischer Vortrag am Sonntag in St. Pankratius

Mit einem besonderen Programmpunkt beteiligen sich die „Zeitgeister vom Papenberg“, die Laienspielgruppe der evangelischen St. Pankratiusgemeinde, an den dritten Bockenemer Hansetagen. Die Akteure werden am Sonntag, 15. Mai, gegen 16.15 Uhr Schillers Werk „Das Lied von der Glocke“ in der St.-Pankratius-Kirche vortragen.

Bockenem (vo). Das hat seinen besonderen Grund. Schließlich ist hier etwas zu erleben, was es schon lange nicht mehr in Bockenem gegeben hat. Am Nachmittag wird eine Glocke aus der Form geschlagen, so wie es früher einmal bei der Firma Weule in ähnlicher Form geschehen ist. Da passen Schillers Verse natürlich bestens, schließlich berichtet er in seinem berühmten Werk „Das Lied von der Glocke“ von solch einem Glockenguss.
Schillers Familie lebte in seiner Geburtsstadt Marbach als Nachbarn einer Glockengießerfamilie. Mit deren Sohn freundete sich Friedrich bereits als Kind an und fand damit Gelegenheit, häufig beim Glockengießen zuschauen zu dürfen. Dabei erwarb Schiller genaue Kenntnisse über die Technik, die er in seinem Werk verarbeitete. Das Gedicht wurde später als Ausdruck des deutschen Kulturguts betrachtet und musste bis 1951 verbindlich von allen deutschen Schülern auswendig gelernt werden. Die 427 Verszeilen waren da schon eine große Herausforderung, der regelmäßige Rhythmus und die Reime erleichterten allerdings das Lernen.
„Nach dem Guss der Glocke in Bockenem besteht die Möglichkeit, den Vorgang mit dem Text von Schiller in Beziehung zu setzen“, berichtet die Leiterin der Gruppe, Roswitha Bink. Unmittelbar nachdem die Glocke am Sonntag aus der Form geschlagen wurde, laden die Zeitgeister in die Pankratiuskirche ein. Mit erklärenden Bemerkungen muss sich da niemand beschäftigen, schließlich hat jeder die Gelegenheit gehabt, die Entstehung einer Glocke hautnah zu erleben.
Der einzige Herr der „Zeitgeister“, Jürgen Witczak, wird im Zentrum der „Bühne“ in einer Kluft eines Glockengießers, einschließlich feuersicherer Schürze, Position beziehen und seine Strophen vortragen, die die Herstellung der Glocke beschreiben. Die Damen der Gruppe, Inge Aldag, Barbara Finke, Ellen Gaus und Renate Werner, treten als Bürgerinnen kostümiert auf. Sie tragen die Betrachtungen an verschiedenen Standorten in der Kirche vor. Zur letzten Strophe versammeln sie sich dann beim Glockengießer. Schließlich beendet das Läuten einer Pankratius-Glocke die Darbietungen der Laienspieler.