Zwei Dutzend Windräder könnten sich im Ambergau drehen

Auf einer Fläche von rund 95 Hektar zwischen Bockenem und Bornum könnten acht bis zwölf Windanlagen entstehen.

Drei Windpark-Betreiber wollen im Bockenemer Stadtgebiet Alternativstrom produzieren / Bürgerinformation am 25. Februar

Spielt Bockenem bald mit im großen Konzert der Windenergie? Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Wie Bürgermeister Martin Bartölke in einem Pressegespräch erklärte, sind im Stadtgebiet derzeit drei mögliche Standorte für Windparks im Gespräch. Mit anderen Worten: Es gibt drei interessierte Windparkbetreiber aus deutschen Landen, die im Ambergau gern Windstrom produzieren möchten. Verhandlungen mit den Eigentümern der entsprechenden Flächen wurden bereits geführt; zum großen Teil sollen die Pachtverträge schon unterschrieben sein.
Die erste Variante betrifft den schon jetzt mit Windanlagen bestandenen Bereich zwischen Ilde und Evensen. Die Planungen sehen vor, die fünf alten, etwa 100 Meter hohen Anlagen abzureißen und hier dann fünf bis neun Anlagen der neuesten Generation zu errichten. Die tatsächlichen Standorte lassen sich bis dato aber noch nicht benennen. „Ilde wird bekanntlich tangiert von der 380-kV-Höchstspannungsleitung. Hier muss es zunächst einmal Klarheit über den genauen Trassenverlauf geben“, erklärte der Bürgermeister.
Die neuen Anlagen sind übrigens 160 bis 180 Meter hoch. Sie sind nicht nur effizienter, sondern drehen auch deutlich langsamer und ruhiger als ihre kleinen Vorgänger. „Ein einziges Exemplar leistet 7,5 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Damit können 2000 Haushalte versorgt werden“, so Bartölke weiter. Drei bis vier Millionen Euro koste ein einziges Windrad.
Ein möglicher zweiter Standort befindet sich zwischen Volkersheim und Mahlum, östlich der A 7. Hier wären drei bis sechs Anlagen möglich. Drittens schließlich hat ein Investor eine etwa 95 Hektar große Fläche zwischen Bockenem und Bornum, eingerahmt von Königsturm und A 7, im Blick. Acht bis 15 Windräder könnten hier künftig in den Himmel wachsen und „grüne“ Energie produzieren. Von vornherein ist allerdings klar: Die beiden geplanten Windparks Bockenem/Bornum und Volkersheim/Mahlum schließen sich gegenseitig aus. Zwischen ihnen herrscht nicht der geforderte Mindestabstand von mindestens fünf Kilometern. Einer der Investoren wird also leer ausgehen.
Nachdem bereits die Mitglieder des Bockenemer Stadtrates in nicht öffentlicher Sitzung über die Pläne informiert wurden, ist nun auch die Bevölkerung an der Reihe. „Wir wollen eine vernünftige und geordnete Bürgerbeteiligung und einen offenen Umgang mit der Thematik“, betonte Martin Bartölke. Es gelte, vorhandene Ängste und Sorgen aufzunehmen und eine Bürgerbelastung so gut es gehe zu verhindern. Geräuschbelastung und Schattenwurf lauten hier die Stichworte. Auch stimme man das Vorgehen eng mit dem Landkreis ab. Dort werde gerade am Regionalen Raumordnungsprogramm gearbeitet.
Wie Bockenems Verwaltungschef mitteilte, wird es am Samstag, 25. Februar, für alle interessierten Bürgerinnen und Bürger eine Informationsveranstaltung in der kleinen Sporthalle der Oberschule an der Karl-Binder-Straße geben. Los geht es um 14 Uhr mit der Vorstellung des Projektes in Ilde, um 15 Uhr folgen die Planungen für Volkersheim/Mahlum und um 16 Uhr die für den Windpark Bockenem/Bornum. Nach einem jeweils etwa 25-minütigen Vortrag durch Vertreter der jeweiligen Firmen, haben die Einwohner die Möglichkeit, Fragen zu stellen.
Martin Bartölke rechnet damit, dass in Sachen „Windenergie im Ambergau“ noch im ersten Halbjahr 2012 eine grundsätzliche Entscheidung im Rat fallen wird. Selbst wenn die Mandatsträger dann gleich in die Planungsphase eintreten würden, dürfte die Realisierung des Windparkprojektes frühestens ab 2014 möglich sein.
Reichtümer könne die Stadt mit Windparks nicht anhäufen, machte der Bürgermeister abschließend deutlich. Die Gewerbesteuereinnahmen seien eher gering. Das sei aber weniger entscheidend. Vor dem Hintergrund des beschlossenen Atomausstiegs gehe es hier vielmehr um die Förderung alternativer Energien.