Kaum Zeit für den Wahlkampf

Rund 120 Gäste waren zum mittlerweile 38. „Gespräch am Kamin“ nach Bönnien gekommen.
 
Der Bockenemer CDU-Stadtverband hatte zum 38. „Gespräch am Kamin“ eingeladen (von links): Martin Bartölke, Prof. Dr. Godelieve Quisthoudt-Rowohl, Dr. Gerhard Bartels, Christina Philipps und Ulrike Schumann.

Prof. Dr. Godelieve Quisthoudt-Rowohl spricht beim 38. „Gespräch am Kamin“ des CDU-Stadtverbandes

Noch gut können sich die Bockenemer Christdemokraten an die ersten Gesprächsrunden am Kamin in der Milchbar Winter in der Langen Burgstraße erinnern. Nach einigen Jahren wechselte der CDU-Stadtverband schließlich in das Jägerhaus im Hainberg.

Nach der Schließung des traditionsreichen Hauses im Sommer 2013 musste sich der Vorstand auf die Suche nach einem neuen Veranstaltungsort machen, damit die beliebte Veranstaltung nicht für immer ein Ende findet. Schließlich zählten in den vergangenen Jahren zum Beispiel prominente Gäste wie Christian Wulff, Ursula von der Leyen oder David McAllister zu den Referenten.
Zum ersten Mal trafen sich rund 120 Gäste zum mittlerweile 38. „Gespräch am Kamin“ in der Gaststätte Maas in Bönnien, wo traditionsgemäß zum Auftakt deftige Harzer Schmorwürste und niedersächsischer Kartoffelsalat serviert wurden. Anschließend hielt die Europaabgeordnete Godelieve Quisthoudt-Rowohl, die zuletzt 1994 bei einem Kamingespräch sprach, einen Vortrag zum Thema „Die Europäische Union im Wahljahr 2014, Wirtschaft, Landwirtschaft, Handel, Energie – Auswirkungen auf Deutschland bis in den Ambergau“.
Zu Beginn blickte die Referentin auf den engen Zeitplan, der bis zur Europawahl am 25. Mai verbleibt. „Bis Ende April stehen Sitzungen auf der Tagesordnung. Für den Wahlkampf bleibt dann nicht mehr viel Zeit“, erläuterte die Abgeordnete. In den vergangenen Wochen sei immer mehr die Rede von Gegen- und Splitterparteien gewesen. Die zuletzt veröffentlichten Hochrechnungen halte sie aber für völlig überzogen. „Vor zwei Jahren hat jeder gedacht, der Euro ist in Griechenland Geschichte. Das ist nicht passiert“, sagte die Abgeordnete. Sie stuft die europäische Währung trotz größter Krisenzeiten als äußerst stabil ein. Er müsse sich auch gegenüber dem Dollar keinesfalls verstecken. Allerdings würden es Finanzhaie schaffen, selbst größere Staaten in die Knie zu zwingen. In der globalisierten Welt sei man gezwungen, sich dementsprechend zusammenzutun.
Godelieve Quisthoudt-Rowohl sieht es als wichtig an, ein Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten abzuschließen. Die europäischen Standards würden keinesfalls verwässert, ist sie überzeugt. „Hormonbeef wird es hier nicht geben“, sagte Quisthoudt-Rowohl nicht zuletzt auch als Mitglied des Ausschusses für internationalen Handel und EVP-Berichterstatterin für das transatlantische Freihandelsabkommen. Die Amerikaner hätten kapiert, dass die Europäer durchaus Empfindlichkeiten haben. Die Verhandlungen der Kommission befänden sich auf einem guten Weg. „Wir müssen uns auch für die Zukunft Gedanken machen, was Europa entscheiden muss. Vieles ist ausprobiert worden“, betonte die Politikerin. Es sei nun die Zeit für Überlegungen gekommen, was zurück gedreht werden sollte. „Welche Dinge können Staaten oder Kommunen entscheiden“, so Quisthoudt-Rowohl. Ebenso sprach sie die außenpolitische Rolle Europas in der Welt an. „Wie definieren wir eine gemeinsame Verteidigung“, würde eine Frage lauten.
An den Vortrag schloss sich eine rege Diskussion an, die der Bockenemer CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Gerhard Bartels moderierte. Was muss getan werden, damit Europa in der öffentlichen Meinung mehr in den Mittelpunkt rückt, wollte er zunächst von der Abgeordneten wissen. Bei diesem Thema könne sie auch kein Patentrezept abliefern. „In der Beziehung kann man kaum etwas machen. Dabei ist Brüssel nicht weit entfernt“, entgegnete die Vertreterin der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament. Ein anderer Gast wollte wissen, wie sich die Abgeordnete denn zu der Aufnahme von weiteren Ländern in die EU steht. „Man sollte die EU nicht auf Biegen und Brechen erweitern. Derzeit halte ich die Türkei für nicht aufnahmefähig“, antwortete die Referentin.