Altreifen und Tierkadaver „entsorgt“

Bestialischer Gestank ging von dem Inhalt dieses Müllsacks aus, der an der ehemaligen Zufahrt zur Sandgrube abgelegt wurde.
 
Altreifen und Bauschutt einfach am Wegesrand „entsorgt“.

Zugang zur Sandgrube in Bornhausen nach jüngsten Vorkommnissen „dicht“ gemacht

Ihre „große Zeit“ hatte die zwischen der Kreisstraße 53 und der Neustädter Straße gelegene Sandgrube in Bornhausen in den späten fünfziger und frühen sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Auch in dieser letzten Phase des sogenannten deutschen Wirtschaftswunders wurde allerorten kräftig angepackt; es ging bergauf. In dieser Zeit diente ein ausgedehnter Teil des Geländes in der damals noch eigenständigen Gemeinde Bornhausen als schier unerschöpflicher Sand- und Kiesvorrat vor allem für den Bau der nahe gelegenen Autobahn.
Von dieser einstigen Betriebsamkeit ist nichts mehr geblieben; nichtsdestotrotz wird hin und wieder auch noch an der ein oder anderen Stelle in Bornhausen abgebaut. Die Natur hat sich schon längst den größten Teil des muldenartigen Geländes zurückerobert, eine artenreiche Flora und Fauna hat sich eingestellt, und die Narben sind von Grün bedeckt.
In den vergangenen Wochen hat die Sandgrube wieder von sich reden gemacht, allerdings eher in negativer Hinsicht. Zur Erinnerung: Mitte Mai, am Himmelfahrtstag, musste hier die Polizei anrücken, um rund 100 alkoholisierte „Streithähne“ zu beruhigen. Drei Wochen später wurden die Feuerwehren aus Seesen und Bornhausen nicht nur mit den Resten dieser „Vatertagsfete“ – unzählige zerschlagene Glasflaschen –, sondern mit einer ungleich brisanteren Lage konfrontiert. Die Brandschützer stießen in der Sandgrube auf zwei noch brennende Lagerfeuer, in denen sich jeweils eine Gasflasche befand. Während das eine Exemplar, eine Propangasflasche, keine Probleme bereitete, entpuppte sich die zweite Flasche als tickende Zeitbombe. Sie enthielt nämlich hochexplosives Acetylen und musste, um Schlimmeres zu verhindern, 24 Stunden ständig gekühlt werden (der „Beobachter“ berichtete).
Um es den ungebetenen Gästen so schwer wie möglich zu machen, hat der Grundstücksbesitzer mittlerweile einen mannshohen Erdwall dort aufgeschüttet, wo sich früher die einzige beschrankte Zufahrt befand.
Dass das Gelände nicht einsehbar und eine Zufahrt von der K 53 in Verlängerung der Klingenhagener Straße quasi unbemerkt möglich ist, wird aber nicht nur von ausschweifend feiernden Jugendlichen und Heranwachsenden ausgenutzt. Auch Zeitgenossen, die ihren Müll lieber illegal als auf herkömmlichem Weg entsorgen, haben dieses Plätzchen längst für sich entdeckt. Im oberen, nördlich gelegenen Bereich der Sandgrube wurde direkt am Wegesrand ein Haufen Bauschutt abgeladen. Gleich dahinter finden sich mehrere ausgediente Altreifen, einer sogar noch mit einer Aufschrift auf Klebeband „Twingo 2x5 mm. 2x Schrott“.
Der neueste „Fund“ aber schlägt dem Fass den Boden aus. Mitte vergangener Woche passierte ein Anwohner beim Spaziergang mit seinem Hund von der Neustädter Straße her die Sandgrube. Auf Höhe des besagten aufgeschütteten Erdwalls schlug der Vierbeiner plötzlich an, und auch seinem Besitzer drang ein bestialischer Gestank in die Nase. Nicht weit vom Wegesrand entfernt lagen ein weißer Plastikeimer und ein blauer Müllsack mit augenscheinlich organischem Inhalt im Gras. Die Polizei wurde hinzugezogen. Es stellte sich heraus, dass es sich bei der abgelegten Fracht um einen Tierkadaver, eventuell um eine Ziege, handelt.
Naturgemäß ist es schwer, den Frevlern auf die Schliche zu kommen. Aber in Bornhausen gibt es wieder ein paar wachsame Bürger mehr...